Neuer Kursrutsch in China lässt Anleger zittern

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Anzeigetafeln mit Börsenkursen in Peking. Seit zwei Monaten erleben Chinas Aktienmärkte eine extreme Berg- und Talfahrt. Foto: Rolex Dela Pena

Die Talfahrt an Chinas Börsen geht weiter. Trotz massiver staatlicher Eingriffe war die Erholung nur kurzlebig. So stark sind die Kurse lange nicht mehr gefallen - mit Auswirkungen auf asiatische Börsen.

Shanghai (dpa) - Neue Turbulenzen erschüttern Chinas Aktienmärkte. Spekulationen über einen langsamen Rückzug staatlicher Hilfe haben die Kurse so stark wie seit drei Wochen nicht mehr fallen lassen.

Auch Sorgen um eine weitere Abwertung der chinesischen Währung und schlechte Konjunkturaussichten setzten die Märkte unter Druck. Nach dem Eindruck der Händler schwinden die Hoffnungen auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik, nachdem sich der Wohnungsmarkt stärker als erwartet gezeigt hatte.

Der wichtige Shanghai Composite Index erlebte mit minus 6,15 Prozent auf 3748 Punkte den größten Rutsch seit dem 27. Juli, als es um 8,5 Prozent in den Keller gegangen war. Der Component Index in Shenzhen fiel um 6,56 Prozent auf 12 683 Punkte, während der ChiNext für Technologiewerte, der dem Nasdaq in den USA ähnelt, 6,08 Prozent auf 2504 Punkte verlor. Das zog auch andere asiatische Aktienmärkte mit runter. Der japanlastige Sammelindex Stoxx 600 Asia/Pacific verlor 0,38 Prozent auf 170,31 Punkte.

Die Ratingagentur Moody's warnte vor einem Absturz der Aktien- und Immobilienmärkte in China. Eine "scharfe und lang anhaltende Korrektur der Vermögenspreise" im bevölkerungsreichsten Land sei eine der größten Gefahren für die Weltwirtschaft, heißt es im vierteljährlichen Wachstumsausblick, den die Bonitätswächter in London veröffentlichten.

Bis Montag hatte sich der Aktienmarkt nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg zunächst um 14 Prozent von seinem Tief am 8. Juli erholt. Der neue Kursrutsch folgte nach Äußerungen der Wertpapieraufsicht, zwar langfristig dem Markt unter die Arme greifen zu wollen, aber künftig nur noch zu intervenieren, wenn ungewöhnliche Fluktuationen oder andere schwere Risiken auftauchten.

Seit zwei Monaten erleben Chinas Aktienmärkte eine extreme Berg- und Talfahrt: Getrieben von Privatanlegern, die in großem Stil Aktien auf Pump kauften, war der Leitindex in Shanghai binnen eines Jahres um mehr als 150 Prozent gestiegen. Mitte Juni begann ein rasanter Kurseinbruch. Innerhalb von nur 18 Handelstagen verlor der Index 32 Prozent an Wert.

Mit radikalen Eingriffen gelang es der Regierung, zunächst die Kurse zu stabilisieren. Die Zentralbank senkte die Zinsen auf ein Rekordtief, zudem wurde ein riesiges Kaufprogramm für Wertpapiere initiiert. Bis zu 50 Prozent der an den Börsen des Landes gehandelten Aktien wurden vom Handel ausgesetzt. Die Bemühungen zeigen aber nur durchwachsenen Erfolg. Zuletzt kam das Explosionsunglück im wichtigen nordchinesischen Hafen Tianjin erschwerend hinzu.

Zu den erneut fallenden Kursen sagten Händler, es seien offenbar wieder verstärkt sogenannte Leerverkäufer am Markt aktiv. Diese setzten auf fallende Kurse. Der Hang-Seng-Index in Hongkong, wo ausländische Investoren uneingeschränkt handeln können, verlor 1,43 Prozent auf 23 474,97 Punkte. Schwächster Wert waren die Papiere von Lenovo mit einem Minus von fast 6 Prozent. Der Computerhersteller hatte angekündigt, Smartphones im umkämpften indischen Markt zu bauen.

Der Nikkei-225-Index in Tokio schloss 0,32 Prozent tiefer bei 20 554,47 Punkten. Anleger hätten sich vor dem zur Wochenmitte erwarteten Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Fed zurückgehalten, hieß es. Größter Verlierer waren die Papiere des Rohstoffkonzerns JX Holdings mit minus 3,63 Prozent. Gefragt waren hingegen Aktien von Elektronikkonzernen wie Alps Electric oder Sony.

Der australische Leitindex ASX 200 gab um 1,20 Prozent auf 5303,15 Punkte nach. Sinkende Öl- und Metallpreise setzten in Sydney Rohstoffwerte unter Druck. Für den indischen Sensex-Index ging es zuletzt um 0,18 Prozent auf 27 827,12 Punkte abwärts.

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