Corona-Folgen

Nach robustem Auftakt: Chemiebranche erwartet schweres Jahr

Eine Mitarbeiterin der Trinseo GmbH geht an einer Pilotanlage zur Herstellung von synthetischem Kautschuk vorbei. Der Chemieverband VCI rechnet mit einem schwerem Jahr für die Branche. Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa
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Eine Mitarbeiterin der Trinseo GmbH geht an einer Pilotanlage zur Herstellung von synthetischem Kautschuk vorbei. Der Chemieverband VCI rechnet mit einem schwerem Jahr für die Branche. Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Die Chemie- und Pharmabranche blieb im ersten Quartal noch weitgehend verschont von der Corona-Krise. Nun aber trüben sich die Aussichten ein.

Frankfurt/Main (dpa) - Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie erwartet nach einem robusten ersten Quartal ein schweres Jahr.

Angesichts der Corona-Krise rechnet der Verband der Chemischen Industrie (VCI) mit schlechteren Aussichten und einem «deutlichen Produktions- und Umsatzrückgang» 2020. Eine genaue Prognose werde man erst nach dem zweiten Quartal geben, teilte der Verband mit. Noch im März hatte die Branche mit rund 464.000 Beschäftigten hierzulande bestenfalls eine Stagnation bei Produktion und Umsatz erwartet und sich für die Chemie allein auf Rückgänge eingestellt.

«2020 wird ein schwieriges Jahr für die chemisch-pharmazeutische Industrie», sagte VCI-Präsident Christian Kullmann in Frankfurt. «Die Unternehmen werden die Corona-Folgen in den kommenden Monaten stark spüren.» 75 Prozent der Mitgliedsfirmen erwarteten einen Umsatzrückgang in Europa. Sinkende Aufträge, gestörte Lieferketten und fehlende Transportkapazitäten machten ihnen zu schaffen. Nicht nur die Branche, auch die gesamte deutsche Wirtschaft brauche dringend ein Investitions- und Wachstumsprogramm und keine neuen Belastungen, forderte Kullmann.

Zum Jahresstart blieb die Chemie- und Pharmaindustrie noch weitgehend von der Corona-Krise verschont. Die Branche profitierte von einer hohen Nachfrage nach Arzneien, Hygieneartikeln und Verpackungsmaterialien. Die Pandemie machte sich im Januar und Februar zunächst nur im Asiengeschäft bemerkbar, weil die chinesische Wirtschaft mit dem Shutdown schrumpfte. Im März bremste die Krise dann die Weltwirtschaft und dämpfte die Nachfrage der Chemiekunden.

Im ersten Quartal stieg die Produktion der Chemie- und Pharmaindustrie um 0,9 Prozent zum Vorjahreszeitraum, gemessen am Schlussquartal 2019 stand gar ein Plus von 3,2 Prozent. Der Umsatz wuchs um 0,6 Prozent auf 49,5 Milliarden Euro. Binnen Jahresfrist ging er wegen eines schlechten Auslandsgeschäfts zurück.

Die konjunktursensible Chemieindustrie leidet schon länger unter einer schwachen Industrienachfrage in Deutschland sowie Handelskonflikten und der Abkühlung der Weltkonjunktur. Vor allem die Krise der Autobranche, die etwa Lacke, Kunststoffe und Reifen von der Chemieindustrie bezieht, belastet die Branche schwer. Bis Anfang Mai waren bereits rund 90.000 Chemie-Beschäftigte in Kurzarbeit, wie eine Umfrage des Arbeitgeberverbands BAVC ergab. Als deutlich robuster erwies sich bisher die Pharmabranche, die teils von einer höheren Nachfrage nach Arzneien in der Corona-Pandemie profitiert.

Im vergangenen Jahr war der Umsatz der Chemie- und Pharmaindustrie um 2,3 Prozent auf 198,3 Milliarden Euro geschrumpft. Die drittgrößte Industriebranche nach dem Auto- und Maschinenbau hat gute Zeiten hinter sich: 2018 hatten die Chemie- und Pharmafirmen im VCI noch einen Rekordumsatz von 203 Milliarden Euro erzielt.

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