Jobgarantien bis 2026

Thyssenkrupp lotet die Trennung vom Stahl aus

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Stahlwerk von Thyssenkrupp in Duisburg: Den Arbeitnehmern in der Stahlsparte wurden Beschäftigungsgarantien bis 2026 zugesagt. Foto: Oliver Berg

Nach monatelangem Streit kann der Dax-Konzern die Fusion seiner Stahlsparte mit Tata in Angriff nehmen. Für die Beschäftigten soll es weitreichende Standort- und Beschäftigungszusagen geben.

Essen (dpa) - Thyssenkrupp steht nach einer Einigung mit den Gewerkschaften vor einem weitgehenden Rückzug aus seiner problembehafteten Stahlsparte. Als Teil eines Gemeinschaftsunternehmens mit Konkurrent Tata soll der größte deutsche Stahlproduzent seinen Sitz künftig in den Niederlanden haben.

Für die deutschen Beschäftigten wurden langfristige Job- und Standortgarantien sowie Investitionen vereinbart, wie Unternehmen und IG Metall mitteilten. Gleichzeitig deutete Thyssenkrupp einen möglichen Abschied vom Stahlgeschäft an - eventuell durch einen Börsengang.

Thyssenkrupp-Betriebsratschef Wilhelm Segerath wertete die nach monatelangen Verhandlungen erzielten Beschäftigungsgarantien bis 2026 als "einmalig und historisch". Gleichzeitig kündigte er am Freitag weiteren Widerstand gegen eine Verlegung des Unternehmenssitzes in die Niederlande an.

Mit einem Ultimatum hatten Betriebsräte und IG Metall zuvor versucht, das Unternehmen unter Druck zu setzen und ein Votum unter den Beschäftigten über das Verhandlungsergebnis angekündigt. Das Ergebnis der Abstimmung soll nun am 5. Februar bekanntgegeben werden.

Aktionärsvertreter kritisierten die weitreichenden Zugeständnisse an die Gewerkschaft. Damit werde der bestehende Status zementiert, sagte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz. Unterm Strich sei es jedoch positiv, dass es weitergehen könne.

Wesentlicher Bestandteil der Einigung ist eine Beschäftigungssicherung bis zum 30. September 2026. An dem Abbau von bis zu 2000 Stellen in Deutschland im Zuge der Fusion hält Thyssenkrupp dabei fest. Dieser soll jedoch sozialverträglich umgesetzt werden.

Thyssenkrupp will sich auf lange Sicht von dem schwankungsanfälligen Geschäft lösen. Trotz jüngster Preiserholung sieht der Konzern weiter strukturelle Probleme im Stahlgeschäft, das noch immer von Überkapazitäten geprägt ist. Thyssenkrupp und der indische Hersteller Tata erhoffen sich durch die Zusammenlegung ihrer Geschäftsteile hohe Einsparungen - früheren Angaben zufolge 400 bis 600 Millionen Euro jährlich. An dem Gemeinschaftsunternehmen sollen beide Partner je 50 Prozent besitzen.

Allerdings könnte es in den kommenden Jahren zu einer Verschiebung der Eigentümerstruktur kommen - und Thyssenkrupp seinen Anteil schrittweise reduzieren. "Mindesten sechs Jahre" will der Konzern zwar an dem Gemeinschaftsunternehmen beteiligt bleiben.

Gleichzeitig betonte Thyssenkrupp, dass währenddessen eine Veränderung der Struktur nicht ausgeschlossen sei. Dabei nannte der Konzern einen Börsengang als Option. Ein Verkauf an einen anderen Investor sei dagegen nicht durchgespielt worden, sagte Personalvorstand Oliver Burkhard.

Das Management unter Heinrich Hiesinger steht unter Druck - nicht nur von Seiten der Gewerkschaften, sondern auch der Anteilseigner. Besonders Großaktionär Cevian geht der Umbau nicht schnell genug. Dessen Chef Lars Förberg hatte jüngst in einem Zeitungsbericht eine Zerschlagung des Konzerns ins Spiel gebracht - die von Thyssenkrupp-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner zurückgewiesen wurde.

Die Stahlfusion soll Hiesinger nun die Luft verschaffen, den Konzern eher auf die Industriesparte mit Geschäften wie Aufzügen und Autokomponenten zu konzentrieren. Dieser Bereich macht mittlerweile ohnehin den Löwenanteil des Geschäfts aus.

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