Auch deutsche Firmen in Gefahr

Nach Börsen-Absturz: Moskau will auf US-Sanktionen reagieren

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Der Wert des Rubels sank zeitweise auf den niedrigsten Stand seit März 2016. Foto: Evgenya Novozhenina/Sputnik

Die US-Sanktionen treiben russischen Oligarchen die Schweißperlen auf die Stirn und lösen an der Moskauer Börse Panik aus. Auch die Drohung von US-Präsident Trump mit einem Angriff in Syrien befeuert die gespannte wirtschaftliche Lage. Was kann Russland dagegen tun?

Moskau (dpa) - Russland hat angesichts massiver Kurseinbrüche an der Börse und einer Talfahrt des Rubels eine "angemessene Reaktion" auf die jüngsten US-Sanktionen angekündigt. Alle Aspekte der Zusammenarbeit mit den USA müssten auf den Prüfstand, sagte Regierungschef Dmitri Medwedew.

"Es wird versucht, die finanzielle und wirtschaftliche Schlinge um uns enger zu ziehen, und darauf müssen wir reagieren", sagte er.

Die USA hatten am Freitag Sanktionen gegen Dutzende russische Firmen und Milliardäre mit engen Verbindungen zum Kreml verhängt. Dies löste eine regelrechte Panik an der Moskauer Börse aus. Allein am Montag brach sie um mehr als acht Prozent ein - so stark wie seit 2014 nicht mehr.

Auch der Rubel geriet unter Druck. Am Mittwoch kostete ein Euro zwischenzeitlich mehr als 80 Rubel. Das ist der niedrigste Stand seit März 2016. Auch die Drohung der USA mit einem Militärschlag in Syrien machte der russischen Währung zu schaffen.

Nach Einschätzung der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) dürften die US-Strafmaßnahmen auch die deutsche Wirtschaft in Russland schmerzhaft treffen. Allein durch ausfallende Neugeschäfte drohe kurzfristig ein Schaden von mehreren Hundert Millionen Euro.

Langfristig könnten die US-Sanktionen Projekte in Milliardenhöhe gefährden, teilte die AHK in Moskau mit. Auf der US-Liste stünden Firmen und ihre Vertreter, mit denen die deutsche Wirtschaft eng zusammenarbeite - etwa der Autobauer GAZ, der Energiekonzern Gazprom, der Aluminiumhersteller Rusal oder der Mischkonzern Renova Group.

Zwar handelt es sich bei den Zahlen um Schätzungen, aber deutsche Firmen könnte es hart treffen, weil aus kaum einem Land mehr Unternehmen in Russland aktiv sind. Die AHK betont, dass die deutsche Wirtschaft trotz der politischen Spannungen zwischen Moskau und dem Westen am russischen Markt festgehalten hat. Nach wie vor sind rund 5000 Unternehmen mit deutscher Beteiligung im Riesenreich aktiv.

Die Sanktionsrunde der USA vom Freitag hat nach Einschätzung von Experten eine neue Qualität. Die USA haben Geschäftsleute und Firmen ins Visier genommen, die durch Beteiligungen mit vielen weiteren Unternehmen verbunden und teils an internationalen Börsen notiert sind. So ist zunächst kaum abzuschätzen, wie weit die Folgen der Sanktionen reichen werden.

Besonders dem Oligarchen Oleg Deripaska dürften die heftigen Reaktionen der Börsen den Schweiß auf die Stirn getrieben haben. Allein am Montag habe der 50-jährige Milliardär rund 1,6 Milliarden US-Dollar verloren, rechnete die Zeitung "RBK" vor. Deripaska hält fast 50 Prozent am Aluminiumhersteller Rusal, der rund 6 Prozent der globalen Produktion stemmt. Während die Rusal-Aktie einbrach, stieg der Weltmarktpreis für Aluminium um 13 Prozent.

Auch Unternehmen, die nicht direkt mit Sanktionen belegt sind, sind betroffen. Dazu gehören die Sberbank, das wichtigste russische Geldhaus, sowie die Ölkonzerne Rosneft und Lukoil.

Die US-Konten des Schweizer Industriekonzerns Sulzer wurden ebenfalls teilweise eingefroren. Ein Sprecher bestätigte zwar: "Sulzer steht nicht auf einer Liste von US-Behörden." Doch die Schweizer werden in Mitleidenschaft gezogen, weil der sanktionierte russische Oligarch Viktor Wekselberg über seine Unternehmensgruppe Renova maßgeblich an der Firma sowie weiteren Unternehmen beteiligt ist.

Russische Analysten sehen kaum Spielraum für eine rasche Erholung. "Der Markt versucht zu verstehen, wer der nächste sein könnte", sagt die Analystin Darja Schelannowa von der Investmentbank Alfa-Capital. So erklärt sie, warum nicht nur direkt sanktionierte Unternehmen unter Druck geraten sind, sondern auch andere russische Konzerne.

Die russische Führung reagierte zunächst gelassen. Zentralbankchefin Elwira Nabiullina sieht vorerst keinen akuten Handlungsbedarf, um die Währung zu stützen. Und Regierungschef Medwedew vermied konkrete Aussagen. "Es gibt keinen Zweifel, dass wir mit diesem Druck zurechtkommen und diese Handlungen sich letztlich zum Vorteil für unsere Wirtschaft wenden werden", sagte er.

Experten sehen Russland jedoch in einem Dilemma. Denn russische Maßnahmen gegen die US-Wirtschaft könnten eine Sanktionsspirale auslösen. Zugleich zweifeln viele an Russlands Möglichkeiten.

"Die Frage ist, was sich die russische Wirtschaft derzeit leisten kann", kommentiert die Zeitung "Wedomosti". Zwischen 2014 und 2017 habe der Staat die Wirtschaft mit 6,4 Billionen Rubel (rund 83 Mrd Euro) gestützt, um den Sanktionsschaden abzufedern. Doch nun habe die Regierung deutlich weniger Ressourcen zur Verfügung. Ein für solche Zwecke gedachter Fonds sei auf 3,7 Billionen Rubel geschrumpft.

"Was auf keinen Fall ratsam wäre, sind Gegensanktionen wie 2014", schrieb das Blatt. Russland könne die US-Wirtschaft gar nicht genauso hart treffen, stattdessen würden russische Verbraucher die Rechnung zahlen - durch höhere Preise.

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