Kein Sprungbrett in reguläre Stelle

Minijobs in der Kritik: Sackgasse für Frauen

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Je länger der Minijob ausgeführt wird, umso schwerer fällt der Sprung in eine reguläre Arbeitsstelle.

Berlin - Rund sieben Millionen Menschen arbeiten in Minijobs. Viele Betroffene fühlen sich darin wohl. Doch ein Sprungbrett für Frauen in reguläre Beschäftigung sind sie nicht. Kritiker sehen sie als Sackgasse.

Die meisten Frauen mit einem oder mehreren Minijobs bleiben geringfügig beschäftigt. Ein Wechsel in reguläre Beschäftigung wird umso unwahrscheinlicher, je länger der Minijob währt, geht aus einer Studie für das Bundesfamilienministerium hervor. Die große Mehrzahl der Frauen - über 80 Prozent - sehen das im Gegensatz zu den Kritikern aber nicht als Sackgasse. Über die im vergangenen Oktober veröffentlichte, damals aber unbeachtet gebliebene Studie berichtete zuerst die „Süddeutsche Zeitung“ (Montag).

Weil Minijobbern gesetzliche Rechte wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Urlaub häufig verweigert werden, wollen SPD und Grüne im Bundesrat Anfang Mai einen Vorstoß zur schärferen Regulierung und Kontrolle von geringfügigen Arbeitsverhältnissen starten. Dies kündigte NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) am Montag in Berlin an.

„Obwohl Mini-Jobber arbeitsrechtlich allen anderen Beschäftigten gleichgestellt sind, werden sie von einer Vielzahl von Arbeitgebern als billige Arbeitskräfte zweiter Klasse behandelt“, kritisierte Schneider. Eine Abschaffung der Minijobs sei aber nicht geplant, wohl aber ein Mindestlohn von 8,50 Euro.

Nur 14 Prozent machen Sprung in reguläres Arbeitsverhältnis

Das Fazit der Studie für das Familienministerium ist eindeutig: „Die Hürde zu einer regulären Teilzeit- oder Vollzeitstelle wird erst durch den Minijob pur errichtet bzw. massiv erhöht.“ Minijobs seien „ein Programm zur Erzeugung lebenslanger ökonomischer Ohnmacht und Abhängigkeit von Frauen“.

Der Untersuchung zufolge sind Frauen, bei denen der Minijob keine zusätzliche Nebenbeschäftigung ist, im Durchschnitt sechs Jahre und sieben Monate geringfügig beschäftigt. Bei Verheirateten sind es sieben Jahre und einen Monat.

Dagegen haben nur 14 Prozent der Frauen, die früher einen Minijob als Hauptbeschäftigung ausübten, heute eine Vollzeitstelle, 26 Prozent eine Teilzeitstelle mit mindestens 20 Stunden pro Woche. Mehr als die Hälfte früherer Minijobber ist nicht mehr erwerbstätig. Dies zeige, dass Minijobs - anders als erhofft - „nicht als Brücke in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wirken“.

Arbeitgeber: Minijob entspricht den Bedürfnissen

Nach einer neuen Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) verdient jeder zweite Minijobber weniger als 8,50 Euro in der Stunde. Zwei Drittel von ihnen hat noch nie den gesetzlich zustehenden bezahlten Urlaub genommen. 41 Prozent wird bezahlter Urlaub generell verwehrt. 39 Prozent der Arbeitgeber räumen ein, im Krankheitsfall den Lohn nicht weiterzubezahlen.

Aus Sicht des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) entspricht die Arbeit im Minijob meist „den Wünschen der Beschäftigten“ selbst. Ganz überwiegend gebe es dafür persönliche Gründe wie die Betreuung von Kindern, „aber auch der Wunsch, Zeit für andere Dinge zu haben“. Nur 17 Prozent der geringfügig beschäftigten Frauen empfänden einen Minijob als „berufliche Sackgasse“.

dpa

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