Stürmische Zeiten - neue Führung

Merkel-Vertraute wechselt zu größtem Lobby-Verband - angeblich für Rekord-Gehalt

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Zwei potenzielle Nachfolger auf den Posten des VDA-Präsidenten: Minister Siegmar Gabriel und Hildegard Müller im Jahr 2014.

Unter Angela Merkel arbeitete Hildegard Müller im Bundeskanzleramt in Berlin. Nun wird die frühere Unionspolitikerin vermutlich VDA-Präsidentin und damit das Gesicht von Deutschlands Autoindustrie.

  • VDA-Präsident Bernhard Mattes legt sein Amt nach nicht einmal zwei Jahren nieder.
  • Nachfolgerin auf den mächtigen Lobbyposten wird wohl Merkel-Vertraute Hildegard Müller.
  • Die 52-Jährige ist Ex-Politikerin und bis vor kurzem Vorstandsmitglied bei RWE-Tochter Innogy

Berlin - Nun steht fest, wer vermutlich das Zugpferd der deutschen Industrie auf das veränderte Mobilitätsverhalten der Zukunft führen wird: Hildegard Müller soll das Amt der neuen Präsidentin des Verbandes der deutschen Automobilindustrie bekleiden. Die 52-Jährige tritt aller Voraussicht nach zum Jahreswechsel die Nachfolge des bisherigen Vorsitzenden Bernhard Mattes an.

Die Deutsche Presse-Agentur bezieht sich auf Industriekreise, endgültig beschlossen sei die Personalie indes noch nicht. Zuvor berichtete Journalist Gabor Steingart in seinem Morning Briefing, dass die Ex-Staatsministerin neue VDA-Chefin wird.

Angela Merkel: Mitarbeiterin Hildegard Müller beerbt Bernhard Mattes und wird VDA-Präsidentin

Der frühere Ford-Manager Mattes hatte vor einigen Wochen überraschend seinen Rücktritt erklärt, obwohl dieser erst seit März 2018 als Präsident des VDA fungierte. Die Amtszeit war eigentlich bis Ende 2020 terminiert. Mattes erklärte kürzlich, der deutschen Autoindustrie stünde ein massiver Jobverlust bevor und nannte auch entsprechende Zahlen. Audi und auch BMW haben mittlerweile entsprechende Maßnahmen als Reaktion auf die wirtschaftliche Lage bekanntgegeben.

Hildegard Müller war von 2005 bis 2008 Staatsministerin im Bundeskanzleramt und zählt laut dem Focus-Bericht seitdem zu den engen Vertrauten von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie wäre nicht die erste Frau an der Spitze des Verbandes der deutschen Autoindustrie: Von 1989 bis 1996 führte bereits Erika Emmerich die Geschicke. Die Juristin wechselte von der Spitze des Kraftfahrzeug-Bundesamtes zum VDA nach Frankfurt, der mittlerweile jedoch in Berlin seinen Sitz hat.

Vor wenigen Wochen verabschiedete sich Müller dann von ihrer Tätigkeit bei RWE-Tochter Innogy mit den Worten: „Für mich ist es Zeit für Veränderungen“. Dieses Motto trifft nicht nur auf die frühere Spitzenpolitikerin selbst zu:

Neue VDA-Präsidentin: Signifikante Gehaltssteigerung für Merkel-Vertraute Müller?

Der wichtigste heimische Industriezweig steht seit geraumer Zeit wegen des Dieselskandals unter Druck, daraus hat sich längst eine Klimadebatte mit einem weitreichenden Umbruch hinsichtlich der Antriebstechnologie mit dem Wandel zur Elektromobilität entwickelt. Darüber hinaus steht die heimische Branche auch aufgrund neuer Technologien wie Digitalisierung und autonomes Fahren vor einer großen Herausforderung. Der VDA ist einer der einflussreichsten Lobbyverbände in Deutschland, die Branche umfasst mehr als 800.000 Beschäftigte inklusive Auto- und Zuliefererbranche.

Die Besonderheit: Wie Focus.de vermeldet, kommt es aufgrund der Größe der Herausforderung erstmals zu einem siebenstelligen Jahresgehalt für diese Position. Demnach könnte Hildegard Müller dank ihres Durchsetzungsvermögens bei den Vertragsverhandlungen gegenüber Vorgänger Mattes ihr Salär signifikant steigern. Erstmals verdiene ein VDA-Boss mehr als eine Million Euro per anno.

Bei Hildegard Müller handelt es sich nicht von vornherein um die Wunschlösung für die Besetzung des mächtigen Verbandspostens: Mehrere Topkandidaten wurden von den Führungsetagen der Konzerne Daimler, Volkswagen, BMW und Co. sondiert. Zuvor hatte es auch Gerüchte um Spitzenpolitiker und Ex-SPD-Chef Siegmar Gabriel gegeben. 

VDA-Chef: Gabriel sagte ab - Müller nicht die erste Frau an der Spitze

Der frühere Außen- sowie Wirtschaftsminister und Vizekanzler will jedoch nicht Cheflobbyist der heimischen Autoindustrie werden und habe „nach reiflicher Überlegung und aufgrund anderer Aufgaben“ entschieden, dass er für diese Aufgabe nicht zur Verfügung stehe, so Gabriel Anfang November. EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger hatte ebenfalls Außenseiterchancen auf den gut dotierten Posten.

Wie der Tagesspiegel berichtet, galt Müller, die auch Mutter einer Tochter ist, seit der Absage von Gabriel als favorisierte Lösung, die meisten der 19 Vorstandsmitglieder des VDA kannten Müller jedoch noch nicht persönlich. Offiziell muss der Deal mit der neuen Chefin von Deutschlands Auto-Bossen vom Präsidium angeblich noch abgesegnet werden.

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Nach den Hiobsbotschaften für viele Beschäftigte in den vergangenen Tagen, nun der nächste Hammer: Der Diesel-Skandal bei VW und Audi erlangt immer größere Ausmaße.

PF

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