Kräftige Wachstumsraten

Mehr Video-Überwachung? Hersteller erwarten gute Geschäfte

+
Video ist nach Brandmeldetechnik und Alarmanlagen das drittgrößte Geschäftsfeld der Branche. Foto: Susann Prautsch/Archiv

Kameras helfen, Kriminelle zu überführen, im besten Fall schrecken sie Täter sogar ab. Das Geschäft damit läuft gut. Den Herstellern in Deutschland wird der Boom fast ein wenig unheimlich.

Berlin/Brücken (dpa) - Die Forderungen nach mehr Video-Überwachung lassen die Anbieter mit noch kräftigeren Wachstumsraten rechnen. "Die Aufträge werden deutlich zunehmen, sicher zweistellig, um 10, 15 oder 20 Prozent", sagte Urban Brauer, der Geschäftsführer des Bundesverbands Sicherheitstechnik.

"Die öffentliche Hand wird stärker nachfragen." Im vergangenen Jahr machte die Branche nach einer Verbandsschätzung mit Video-Überwachungstechnik einen Umsatz von rund 504 Millionen Euro, knapp sieben Prozent mehr als 2015. Damit beschleunigte sich das Wachstum.

Video ist nach Brandmeldetechnik und Alarmanlagen das drittgrößte Geschäftsfeld der Branche. Insgesamt gaben Bürger und Unternehmen im vergangenen Jahr knapp 3,9 Milliarden Euro für elektronische Sicherungstechnik aus, wie der Verband annimmt. Diese Zahl werde im neuen Jahr etwa sieben Prozent höher ausfallen. "Die Ängste der Bürger nehmen zu", sagte Brauer in Brücken (Rheinland-Pfalz). Das Geschäft mit Alarmanlagen wuchs 2016 um gut fünf Prozent auf 800 Millionen Euro.

Der Städte- und Gemeindebund hatte zu Jahresbeginn gefordert, die Video-Überwachung öffentlicher Plätze und Bahnhöfe deutlich auszubauen, um Straftaten zu verhindern, besser aufzuklären und das Sicherheitsgefühl der Bürger zu steigern. Als Gründe nennen die Städte die Terrorbedrohung und Alltagskriminalität wie Einbrüche.

Schon vor dem Terroranschlag in Berlin hatte die Deutsche Bahn angekündigt, stärker in Sicherheit zu investieren, darunter intelligente Videotechnik, die etwa herrenlose Koffer, Menschen auf Gleisen oder mögliche Taschendiebe erkennen kann.

Derzeit gibt es nach Angaben des Unternehmens bundesweit 5000 Kameras in rund 700 Bahnhöfen. Zudem sind 26 000 Videokameras in Regionalzügen und S-Bahnen eingebaut. 80 Prozent der Fahrgäste in den Bahnhöfen sollen so überwacht werden.

Der wachsende deutsche Markt für Video-Überwachung lockt nach Verbandsangaben zunehmend Konkurrenz aus dem Ausland. Dies erhöhe den Druck auf die Preise, sagte Brauer. Zudem leide die Branche in Deutschland unter Personalmangel. "Ein gesundes Wachstum ist toll, aber es darf nicht sprunghaft werden", warnte Brauer.

Städte- und Gemeindebund zu Video-Überwachung

Deutsche Bahn zu Video-Überwachung

Das könnte Sie auch interessieren

Riad im Fall Khashoggi unter Druck: "Brutal geplanter Mord"

Riad im Fall Khashoggi unter Druck: "Brutal geplanter Mord"

May: Brexit-Deal zu 95 Prozent fertig

May: Brexit-Deal zu 95 Prozent fertig

Neue Garderoben sind zugleich Nutzmöbel und Dekoration

Neue Garderoben sind zugleich Nutzmöbel und Dekoration

Wie werde ich Goldschmied/in?

Wie werde ich Goldschmied/in?

Meistgelesene Artikel

Drogeriemarkt-Kette will hunderte neue Filialen eröffnen - scheitert aber an diesem Problem

Drogeriemarkt-Kette will hunderte neue Filialen eröffnen - scheitert aber an diesem Problem

Deutschlands Flüsse haben nur noch wenig Wasser: Warum das für Autofahrer zum Problem wird

Deutschlands Flüsse haben nur noch wenig Wasser: Warum das für Autofahrer zum Problem wird

„Salz in offene Kundenwunden“ - wegen diesem Post beschwert sich sogar Kaufland bei Aldi

„Salz in offene Kundenwunden“ - wegen diesem Post beschwert sich sogar Kaufland bei Aldi

Igitt! Mann macht Ekel-Fund in Aldi-Produkt - danach kommt er nicht zur Ruhe

Igitt! Mann macht Ekel-Fund in Aldi-Produkt - danach kommt er nicht zur Ruhe

Kommentare