Nordsee-Fangquoten

Mehr Hering für deutsche Fischer - weniger Scholle

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Ostsee-Hering im Hafen von Stahlbrode in Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Stefan Sauer

Wie können Fisch-Bestände gesichert werden, ohne die Industrie zu gefährden? Nach fast 24-stündigen Verhandlungen der EU-Minister gehen die Nordsee-Fangmengen für Deutschland überwiegend nach oben. Einschränkungen gibt es beim Aal. Umweltschützer sind enttäuscht.

Brüssel (dpa) - Deutsche Fischer dürfen im kommenden Jahr deutlich mehr Hering aus der Nordsee ziehen als noch 2017.

Die erlaubte Fangmenge steigt nach einer Einigung der EU-Fischereiminister um 25 Prozent auf rund 64 700 Tonnen. Beim Kabeljau erhöht sich die Quote für Deutschland nach fast 24-stündigen Verhandlungen in Brüssel um 10 Prozent.

Einschränkungen gibt es dagegen bei der Scholle mit einem Minus von 13 Prozent. Erstmals gelten zudem feste Einschränkungen beim Aalfang. Umweltschützern geht dies nicht weit genug.

Die zuständigen EU-Minister legen jedes Jahr die sogenannten zulässigen Gesamtfangmengen für die Nordsee und den Nordost-Atlantik fest. Anhand dieser Mengen entfallen auf die einzelnen Staaten nach festen Verteilschlüsseln die jeweiligen nationalen Fangmengen.

Zuvor gibt die EU-Kommission Empfehlungen auf Grundlage wissenschaftlicher Gremien, die den Zustand der einzelnen Bestände untersucht haben. Dabei gilt es stets, die Interessen der Fischfangindustrie gegen Naturschutzbelange abzuwägen. Die ausgehandelten Fangquoten gelten jeweils für das folgende Jahr.

Im kommenden Jahr ist nun zudem beim Seelachs ein Plus von 6 Prozent vorgesehen. Die Fangmenge für Deutschland erhöht sich damit auf rund 11 000 Tonnen. Bei der Makrele sinkt sie hingegen um 20 Prozent.

Zudem soll im kommenden Jahr angesichts der bedrohten Bestände erstmals eine Schonfrist für den Aal in der Ostsee, Nordsee und im Atlantik gelten. Die EU-Staaten einigten sich auf eine dreimonatige Schonzeit. Diese können die Länder zwischen Ende September 2018 und Ende Januar 2019 legen. Sie gilt für Aale ab einer Länge von 12 Zentimetern. Die EU-Kommission hatte zuvor ein umfassendes Aalfangverbot für das ganze Jahr vorgeschlagen, konnte sich damit aber nicht durchsetzen.

Schon seit 2007 gibt es in der EU Aal-Bewirtschaftungspläne, die nach Ansicht von Umweltschützern aber bisher nicht zu ausreichendem Erfolg führten. Der Internationale Rat für Meeresforschung empfiehlt seit langem, die Sterblichkeit von Aalen im gesamten Verbreitungsgebiet zu senken. Bei ihrem Treffen im Oktober hatten die zuständigen EU-Minister ein Aalfangverbot für die Ostsee bereits abgelehnt und stattdessen eine gesamteuropäische Lösung gefordert.

Deutsche Fischer fangen auf See pro Jahr etwa 49 Tonnen Aal. Das entspricht einem Anteil von zwei Prozent am dortigen EU-Aalfang.

Umweltschützer zeigten sich enttäuscht von den Ergebnissen. "Die kurze Schonzeit wird den Aal nicht retten", meinte Thilo Maack von Greenpeace. Die Minister ignorierten mit ihrer Entscheidung wissenschaftliche Warnungen und nähmen in Kauf, dass der europäische Aal aussterbe.

"Auch für viele andere Speisefischarten wurden für das kommende Jahr erneut höhere Fangquoten für Nordsee und Nordost-Atlantik angesetzt, als es die Wissenschaftler des Rats für Meeresforschung empfehlen. Das reicht nicht aus, um die Überfischung der europäischen Meere bis 2020 zu beenden, so wie es die EU-Mitgliedsländer bereits 2013 beschlossen haben", meinte Maack.

"Die Fortschritte sind zu gering, um der Überfischung bis 2020 ein Ende zu setzen", sagte der Direktor der Meeresschutzorganisation Oceana, Lasse Gustavsson. "Die legalisierte Überfischung in der Nordsee wird weniger, geht aber dennoch in die nächste Runde", meinte Stella Nemecky vom WWF.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) war zufrieden. "In der Fischereipolitik bleiben wir voll auf Nachhaltigkeitskurs", sagte er. "Deshalb können Verbraucherinnen und Verbraucher ohne Gewissensbisse Fisch aus Nordsee und Nordostatlantik genießen. Eine Gefahr für die Bestände besteht dadurch nicht."

Bereits im Oktober hatten sich die EU-Staaten auf Fangquoten für die Ostsee geeinigt.

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