Mehdorn soll Air-Berlin-Chef werden

Berlin - Weil Air-Berlin-Vorstandschef Joachim Hunold sein Amt niederlegt, soll der ehemaligen Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn den Job übernehmen.

Air-Berlin-Vorstandschef Joachim Hunold legt seinen Posten zum 1. September nieder. Damit zieht der Chef der angeschlagenen Fluggesellschaft die Konsequenz aus der schwachen Entwicklung des Unternehmens. Das kündigte er am Donnerstag in einer Telefonkonferenz in Berlin mit. Hunold sei zu der Überzeugung gekommen, dass ein Führungswechsel das jetzt eingeleitete Sparprogramm nur beschleunigen könne, erklärte der 61-jährige Hunold. Der Verwaltungsrat (Board of Directors) von Air Berlin Plc nahm den entsprechenden Vorschlag Hunolds am Donnerstagnachmittag an, wie Air Berlin mitteilte. Damit tritt Mehdorn am 1. September als Vorstandschef bei Air Berlin an. Air Berlin ist eine Aktiengesellschaft (plc) nach britischem Recht. Hunold schlug einen Übergangszeitraum den früheren Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn als neuen Vorstandschef von Air Berlin vor. Mehdorn sei dazu bereit, auch über diese Lösung müsse der Verwaltungsrat noch entscheiden, sagte er.

Hunold sagte, er habe für sich entschieden, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel an der Air-Berlin-Spitze gekommen sei. Ein Nachfolger können nun “unbelastet“ den eingeleiteten Sparkurs fortsetzen. Air Berlin hatte auch im zweiten Quartal einen Verlust geschrieben. Das Unternehmen kündigte Einschnitte ins Streckennetz an und will seine Flotte verkleinern.

Air Berlin war im zweiten Quartal tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Als Gründe für den Rückgang nannte das Unternehmen bei der Vorlage der Zahlen am Morgen höhere Belastungen durch die Luftverkehrsteuer und erhöhte Kerosinpreise sowie den durch die Unruhen in Nordafrika bedingten Rückgang der Passagierzahlen.

Die Gesellschaft will nun mit einem umfassenden Sparprogramm wieder in die Gewinnzone zurückkehren. So wird die Flotte im zweiten Halbjahr 2011 um acht Flugzeuge reduziert. Das entspricht einer Verringerung der Kapazität um mehr als eine Million Sitze. Unrentable Strecken werden gestrichen. Dazu zählt die Verbindung Frankfurt-Hamburg. Außerdem will sich Air Berlin teilweise von Regionalflughäfen zurückziehen. Erfurt soll als Standort ganz aufgegeben werden.

Die geplanten Maßnahmen würden aber möglicherweise “nicht ausreichen, um ein positives operatives Ergebnis zum Jahresende zu erreichen“, sagte Hunold bei der Präsentation der Quartalszahlen. Einige der Einspareffekte würden erst im kommenden Jahr wirksam werden. Die Regionalflughäfen bezeichnete Hunold als Opfer der Luftverkehrsteuer.

Aktionärsschützer sehen in dem Rückzug von Air-Berlin-Chef Joachim Hunold die Chance für einen Neuanfang. Die Probleme von Air Berlin seien “stark geprägt durch die Abhängigkeit von der Unternehmerpersönlichkeit Hunold“, erklärte der Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Malte Disselhorst.

Die Gesellschaft Air Berlin habe eine große Schuldenlast aufgetürmt, kritisierte Disselhorst. Um profitabel zu werden und um auf Dauer leben zu können, müsse das Unternehmen unbedingt Kosten sparen. “Sicher stehen jetzt härtere Schnitte an, sowohl was das Streckennetz angeht als auch hinsichtlich des Personals."

dpa/dapd

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