Mega-Börse droht Gefahr: Spekulationen über Gegenangebot

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Die New Yorker Wall Street.

New York - Kaum haben sich die Deutsche Börse und die NYSE Euronext im dritten Anlauf zur Fusion entschlossen, da wird ihnen die traute Zweisamkeit auch schon wieder vermiest.

Zwei Rivalen könnten die Fusion zwischen Deutscher Börse und New York Stock Exchange nach einem Zeitungsbericht torpedieren. Die beiden US-Marktbetreiber Nasdaq OMX und IntercontinentalExchange (ICE) berieten derzeit, ob sie ein gemeinsames feindliches Übernahmeangebot für die NYSE Euronext abgeben wollten, schrieb die "New York Times" unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person.

Zwar relativierte die Zeitung ihre eigene Meldung gleich wieder, indem sie von einer geringen Wahrscheinlichkeit und hohen Hürden für ein Gegenangebot sprach. Doch die Nachricht passt in das derzeitige negative Stimmungsbild: In Deutschland und den USA herrschen Sorgen, bei der Fusion unter die Räder zu kommen. In den Vereinigten Staaten sind überdies die ersten Aktionärsklagen eingegangen - einzelne NYSE-Anteilseigner fühlen sich zu billig abgespeist.

Die Deutsche Börse und NYSE Euronext hatten am Dienstag ihren "Zusammenschluss von Gleichen" bekanntgegeben, nachdem sie es 2008 und laut Medienberichten auch 2009 bereits probiert hatten. Bis zum Ende des Jahres soll die Fusion zum weltweiten Branchenprimus in trockenen Tüchern sein. Noch aber fehlt das Okay von Aktionären und Aufsichtsbehörden. Auch könnte immer noch ein Dritter ein besseres Angebot machen.

Bereits am Donnerstag hatte der Fernsehsender "Fox Business" über Gespräche zwischen Nasdaq OMX und dem Rohstoffhandelsspezialisten ICE berichtet. Allerdings schien es sich da noch um die eigene Fusion zu drehen, um sich gegen die neue Mega-Börse zu wappnen. Die Wahrscheinlichkeit für ein Übernahmeangebot für die NYSE Euronext sei dann auch gering, relativierte "New York Times". Und wenn, dann könnte es Wochen dauern, bis ein solches Angebot vorliege.

Die Nasdaq, die sich einen Namen als Handelsplatz für Technologieunternehmen gemacht hat, steht unter Zugzwang. Sie hat nach Meinung von Experten am meisten zu verlieren, wenn sich Deutsche und New Yorker Börse zusammenschließen. Die Nasdaq war 2007 mit ihrem Versuch gescheitert, die London Stock Exchange (LSE) zu übernehmen und hatte sich stattdessen die schwedische OMX einverleibt.

Das Übernahmekarussell in der Branche dreht sich derzeit schnell. London geht jetzt mit Toronto zusammen. Singapur übernimmt gerade Sydney und erst am Freitag hatte die alternative US-Handelsplattform Bats Global Markets den europäischen Rivalen Chi-X aufgekauft. Spekuliert wurde auch darüber, dass der Derivatespezialist CME aus Chicago eine Übernahme der kleineren NYSE Euronext erwägen könnte. Doch die CME signalisierte Desinteresse.

Jegliche Zusammenschlüsse innerhalb der USA würden allerdings die Gefahr bergen, an den Wettbewerbshütern zu scheitern. Zudem hatten Deutsche Börse und NYSE Euronext eine Vertragsstrafe von 250 Millionen Euro vereinbart, falls einer der beiden einen Rückzieher machen sollte. Dieses Geld müsste letztlich ein wie auch immer gearteter Käufer hinblättern.

An der Deutschen Börse scheint derzeit aber niemand Interesse zu haben. Der Frankfurter Marktbetreiber ist wertvoller als die meisten Konkurrenten und wird auch beim Zusammenschluss mit der NYSE Euronext den stärkeren Part spielen. 60 Prozent der Anteile am neuen Gesamtkonzern sollen an die Aktionäre der Deutschen gehen, die restlichen 40 Prozent entfallen auf die NYSE-Eigner.

dpa

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