300 Millionen Euro für Bayerns Autoindustrie

Neuzulassungen knacken Millionen-Grenze - Söder bricht Lanze für den SUV

Markus Söder will das angeschlagene „Auto-Land Bayern“ stärken und stellt finanzielle Hilfe in Aussicht. Die mittlerweile beliebteste Autogattung SUV will er nicht verteufeln lassen.

  • Die Autoindustrie im Freistaat Bayern soll mit 300 Millionen Euro unterstützt werden.
  • Ministerpräsident Markus Söder hält ein Plädoyer gegen die Dämonisierung von SUV-Modellen.
  • SUV sind längst die beliebteste Fahrzeuggattung - 2019 gab es erstmals mehr als eine Million Neuzulassungen.

München - Ungeachtet der Debatte um die Sinnhaftigkeit von SUV-Modellen - speziell in Städten - gibt es einen neuen Rekord zu vermelden: Erstmals werden 2019 mehr als eine Million neue Sportgeländewagen (SUV) verkauft. Bereits im Monat November werde diese Schwelle überschritten, denn: Alleine in den ersten zehn Monaten des Jahres wurden nach nun vom Wirtschaftswissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer vorgestellten Daten bereits 974.501 SUV-Neuwagen abgesetzt. Insgesamt rechnet der Autoexperte für 2019 mit einem Absatz von 1,095 Millionen SUV auf dem deutschen Markt.

SUV-Modelle in Deutschland: Neuzulassungen wachsen rasant

Seit 2010 seien die SUV-Verkäufe in Deutschland jährlich um etwa elf Prozent gewachsen. Dieses Tempo werde auch die nächsten Jahre anhalten, erläuterte Dudenhöffer: "Eine Trendumkehr ist nicht erkennbar." Das zeige auch der Vergleich mit anderen Ländern wie den USA oder der Schweiz. Schon 2025 könnten dann mehr als die Hälfte aller Neuwagen ein SUV-Modell sein. Bis vor einigen Monaten war noch die Kompaktklasse das beliebteste Segment in Deutschland.

Die vom Center for Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen ermittelten Zahlen liegen allerdings höher als die des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) - weil die Forscher den Begriff SUV ein Stück weit anders definieren: "Nach unserer Einschätzung ist die Architektur des Karosserieaufbaus der Fahrzeuge das entscheidende Abgrenzungskriterium", erklärte Dudenhöffer. Das CAR unterscheide daher nicht zwischen Geländewagen und SUV - eine Grenze, die auch real in den vergangenen Jahren zunehmend verschwommen ist. Auch Modelle wie der Nissan Juke, die das KBA sogar der Kompaktklasse zuordnet, zählt das Institut zu den Sport Utility Vehicles - ganz so, wie es auch die Hersteller selbst tun.

Söder spendiert 300 Millionen fürs „Auto-Land“ - und bricht Lanze für SUV

Unterdessen versetzte die Branche am Dienstag eine Meldung aus Bayern in Verzückung: Der Freistaat will seine Automobilindustrie mit zusätzlichen 225 Millionen Euro fördern. Das Geld soll der für das südliche Bundesland enorm wichtigen Branche helfen, den aktuellen Transformationsprozess zu bewältigen, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag in München sagte. 

Kein SUV, aber ein BMW: Markus Söder mit Dienstwagen.

Es ist Teil eines insgesamt gut 300 Millionen Euro schweren Maßnahmenpakets, das beim Zukunftsforum Automobil beschlossen wurde. An den Beratungen hatten sich neben der Regierung auch Vertreter von Wirtschaft und Gewerkschaften beteiligt. BMW-Chef Oliver Zipse lobte die Entscheidungen.

Söder lobt 300 Millionen für Autobranche aus - und hält Plädoyer für SUV und „Wirtschaftspatriotismus“

„Bayern will unbedingt Auto-Land bleiben“, sagte Söder bei dem Termin am Montag - das sichere den Wohlstand des Landes. Man müsse „aus der Diesel-Blockade heraus“ und aufhören, das Wirtschaftsgut Auto schlechtzureden, betonte er weiter. Dabei gehe es auch „um ein Stück Wirtschaftspatriotismus“. 

„Ich glaube, dass wir uns hüten müssen, bestimmte Autoformen zum Feind zu erklären“, fügte Söder hinzu. Der SUV etwa sei ein besonders „familienfreundliches Modell“ und deshalb bei jungen Familien beliebt. Beispielsweise in München hatten die Groß-Mobile zuletzt einen kleinen Boom erlebt. 

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger nahm indirekt auch Juso-Chef Kevin Kühnert aufs Korn. „Es gibt ja Befürworter die sagen, wir bräuchten in ein paar Jahren kein Auto mehr, wenn wir genügend ÖPNV ausbauen“, sagte der Freie-Wähler-Chef. Das könne allerdings bestenfalls „aus Großstadt-Sicht“ für einige wenige funktionieren - „im Flächenland Bayern funktioniert das überhaupt nicht“.

Auto-Hilfe in Bayern: Hundert Millionen bis 2023 von Söders Regierung

Konkret enthält das Paket 60 Millionen Euro an Transformationshilfen für den Mittelstand, 115 Millionen für Technologieförderung, 50 Millionen für neue Mobilitätslösungen - unter anderem für 7000 neue Ladesäulen - und 77,7 Millionen Euro für die Weiterbildung von Mitarbeitern. Ein Teil davon stammt allerdings aus bestehenden Maßnahmen. 

Die neuen Mittel sollen laut Söder bereits am Dienstag in den Nachtragshaushalt des Landes eingeplant werden. Das Geld soll in einem Zeitraum von 2020 bis 2023 fließen.

BMW im Fokus: Kritik an Abbau-Ankündigung - Chef Zipse gibt Versprechen

Der Bezirksleiter der IG Metall in Bayern, Johann Horn, erklärte, ein wichtiges Ziel sei es, Arbeitsplätze zu erhalten. „Wir sehen schon ein bisschen mit Besorgnis, dass auch große und namhafte Unternehmen durchaus große und zahlreiche Personalabbaumaßnahmen angekündigt haben“, sagte er - Horn dürfte nicht zuletzt auf BMW angespielt haben

Zipse betonte, in Bayern würden mehrere wichtige Modelle E-Mobilität gebaut. Auch ein Batteriekompetenzzentrum sei eröffnet worden. Das sei „Beleg dafür, dass wir die gesamte Wertschöpfungskette für Batterie-elektrische Module in Deutschland ansiedeln wollen“.

Gerade in München ist immer wieder auch starke Luftverschmutzung ein Thema - ebenso wie teils skurrile SUV-Unfälle in der Innenstadt. Dem E-Mobil-Riesen Tesla ist unterdessen bei der Präsentation eines neuen Modells eine peinliche Panne unterlaufen.

Nach den Hiobsbotschaften für viele Beschäftigte in den vergangenen Tagen, nun der nächste Hammer: Der Diesel-Skandal bei VW und Audi erlangt immer größere Ausmaße. Ein Münchner Startup will unterdessen ganz ohne Großinvestoren ein Solar-Auto auf die Straßen bringt. Doch es gibt Risiken - und die Zeit drängt.

fn/pf mit dpa/AFP

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Matthias Balk

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