Frauen verdienen deutlich schlechter als Männer

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Frauen verdienen hierzulande im Schnitt brutto 21,6 Prozent weniger als Männer. Foto: Soeren Stache/Archiv

Hier die Topverdiener, dort die Niedriglöhner - viele Jahre klafften die Löhne in Deutschland immer weiter auseinander. Dieser Trend scheint gestoppt. An der unterschiedlichen Bezahlung von Männern und Frauen hat das aber scheinbar nicht viel geändert.

Nürnberg/Berlin (dpa) - Der seit Mitte der 1990er Jahren andauernde Trend zu immer weiter auseinanderdriftenden Löhnen in Deutschland ist nach Erkenntnissen von Arbeitsmarktforschern vorerst gestoppt.

Bei Frauen habe sich die Lohnungleichheit seit 2012 sogar erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten wieder verringert. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

"Dieser Trendbruch ist auch für uns überraschend", kommentierte IAB-Chef Joachim Möller das Ergebnis. Die Studie basiert auf den Lohn- und Gehaltsdaten von knapp 600 000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland. Nach Daten des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) verdienen Frauen in Deutschland aber noch immer deutlich weniger Geld als Männer.

Möller sagte, die Gründe für den Rückgang der Lohnungleichheit seien unklar. Wahrscheinlich spiele ein ganzes Bündel von Faktoren eine Rolle, möglicherweise auch die Einführung von Branchenmindestlöhnen in den vergangenen Jahren. Möglich sei auch eine Änderung der gewerkschaftlichen Tarifpolitik, die in den vergangenen Jahren Beschäftigte mit geringeren Einkünften begünstigt habe.

Auch habe sich womöglich der jahrelange Kampf von Frauen für eine im Verhältnis zu Männereinkommen bessere Bezahlung ausgewirkt. Das müsse aber erst noch genauer untersucht werden, machte IAB-Chef Joachim Möller deutlich. Da der Studie nur Lohndaten bis 2014 zugrunde lägen, sei die Auswirkung des seit 2015 geltenden flächendeckenden Mindestlohns noch nicht berücksichtigt.

Dennoch schneidet Deutschland nach der IAB-Studie innerhalb Europas bei der Lohngleichheit immer noch schlecht ab. So verdienten 2010 in Deutschland 22 Prozent der Beschäftigten - ohne Auszubildende - weniger als ein Drittel des mittleren Lohns (Median). Lediglich in Lettland, Litauen, Rumänien, Polen, Estland und Zypern geht die Kluft zwischen niedrigen und hohen Einkommen noch weiter auseinander. Am ausgewogensten sind die Verdienste in Schweden.

Auch die Lohnkluft zwischen Männern und Frauen ist in Deutschland so groß wie in kaum einem anderen Land Europas. So verdienen Frauen hierzulande im Schnitt brutto 21,6 Prozent weniger als Männer. Nur in Estland (28,3 Prozent) und Österreich (22,9 Prozent) ist der Abstand demnach noch größer. Das geht aus einer Antwort des Bundessozialministeriums auf eine Anfrage der Linken hervor. Politik und Arbeitgeberverbände forderten einen Umbruch.

Justizminister Heiko Maas (SPD) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern steht zwar im Grundgesetz, ist aber in vielen Unternehmen noch immer nicht Wirklichkeit geworden." Firmen sollten sich aus alten Verhaltensmustern lösen. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hatte im Dezember einen Gesetzentwurf für "mehr Lohngerechtigkeit" vorgestellt. Die Linken-Fraktionsvize Sabine Zimmermann begrüßte zwar, dass immer mehr Frauen eigenes Geld verdienen. "Aber die meisten können von ihren niedrigen Löhnen nicht leben und schon gar keine ausreichenden Rentenansprüche aufbauen."

Das Sozialministerium beruft sich auf Zahlen aus dem Jahr 2014, die vom Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) stammen und sich auf alle Frauen und Männer in bezahlter Beschäftigung beziehen. Der große Lohnunterschied in Deutschland ist laut Experten unter anderem darauf zurückzuführen, dass Frauen verstärkt teilzeitbeschäftigt sind. So sind von den Teilzeitbeschäftigten mit bis zu 20 Wochenstunden über 85 Prozent Frauen. 77 Prozent aller Minijobs werden von Frauen verrichtet. Aber auch wenn man die Bezahlung bei formal gleicher Qualifikation und Tätigkeit betrachtet, schneiden Frauen schlechter ab - allerdings bei Weitem nicht so stark. Der Abstand beträgt dann 7 Prozent.

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