Letzte Chance für Quelle - Betriebsrat zuversichtlich

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Das Quelle-Einkaufszentrum in Nürnberg: Das Versandhaus hofft auf Staatshilfen vom Bund.

Fürth/Berlin - Letzte Chance für Quelle: Alle Beteiligten warteten am Montag mit Spannung auf die Entscheidung der Bundesregierung über den 50-Millionen-Euro-Kredit für den insolventen Versandhändler.

Die Bundesregierung wollte noch am Abend darüber entscheiden. “Die Stimmung ist dramatisch“, sagte ein Firmensprecher am Montag in Fürth. Allein in Bayern hängen nach Angaben des Quelle-Gesamtbetriebsrats mehr als 10 000 Arbeitsplätze an dem Unternehmen. Die Arbeitnehmervertretung rechnete fest mit einer Zustimmung der Regierung zu dem Notkredit, um den es ein heftiges Tauziehen gab.

Der Quelle-Katalog: Früher und heute

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“Wir bleiben absolut zuversichtlich“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ernst Sindel wenige Stunden vor der Entscheidung der Bundesregierung. Bei den Beteiligten sei erkennbar, dass sie Quelle helfen wollten, sagte er. Ein interministerieller Arbeitskreis wollte am Abend in Berlin über den Kredit entscheiden.

Um kurzfristig zu überleben, braucht das Unternehmen mit Sitz im fränkischen Fürth einen sogenannten Massekredit von 50 Millionen Euro, von dem der Bund über die staatliche Kfw-Bank die Hälfte übernehmen soll. Bayern und Sachsen wollen die andere Hälfte beisteuern. Der Massekredit ist eine Nothilfe, mit der insolvente Unternehmen ihren Geschäftsbetrieb aufrechterhalten können. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Berlin sagte, der Kredit sei am vergangenen Donnerstag bereits vorsorglich bei der EU-Kommission angemeldet worden. Eine Entscheidung aus Brüssel stand zunächst aus.

Quelle kann seine Lieferanten schon nicht mehr bezahlen und ist seit Wochen darauf angewiesen, dass sie im Vertrauen auf die Staatshilfe in Vorleistung gehen. Auch die Druckerei des Quelle- Katalogs begann Freitagabend im Vertrauen auf Staatshilfe mit der Auslieferung von mehr als 100 000 Katalogen. Allein in Bayern hängen nach Angaben des Quelle-Gesamtbetriebsrats mehr als 10 000 Arbeitsplätze an dem Unternehmen.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil rechnete am Montag mit einer Hilfe für das insolvente Versandhaus Quelle. “Bei gutem Willen aller Beteiligten ist eine Lösung möglich“, sagte Heil. Zugleich kritisierte er das Verhalten der CSU in der Kreditfrage. Heil: “Es geht um 10 000 Arbeitsplätze und nicht um die CSU.“ Quelle biete “keinen Anlass für ideologische Debatten zwischen Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und CSU- Chef Horst Seehofer“. Auch sollten beide Politiker ihre Imageprobleme zurückstellen.

Seehofer fordert Bundesregierung zur Unterstützung auf

Am Wochenende hatte Bayerns Ministerpräsident Seehofer die Bundesregierung eindringlich aufgefordert, sich an dem Kredit zu beteiligen. Am Montag sagte er, er hoffe auf ein Signal der Bundesregierung zugunsten des Versandhauses. “Da warten wir auf heute Abend“. Alles hierzu sei ausgetauscht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte die tagelange Prüfung des Kredits damit, dass die strengen Vorgaben der Europäischen Union für staatliche Hilfe eingehalten werden müssten. Der Quelle-Sprecher warnte vor verheerenden und unabsehbaren wirtschaftlichen wie soziale Folgen, falls der Kredit verweigert würde.

Eigenes Geld hat Quelle nicht mehr, weil das Unternehmen kurz vor dem Insolvenzantrag alle finanziellen Mittel an den Mutterkonzern Arcandor überweisen musste. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) forderte eine Überprüfung dieses Vorgangs. “Ich erwarte, dass die konzerninternen Vorgänge der Geldüberweisungen seitens des Unternehmens unverzüglich vollständig aufgeklärt werden, insbesondere wohin das Geld von Quelle geflossen ist“, teilte er Sonntagabend mit. Der Mutterkonzern Arcandor bezeichnete die Überweisung als einen Routine-Vorgang, der nichts mit der Insolvenz zu tun gehabt habe.

Quelle-Chef Konrad Hilbers glaubt trotz der Notlage an eine Zukunft für das Traditionsunternehmen. “Quelle ist sanierungsfähig“, sagte er am Montag im ZDF. Bereits am Sonntag hatte er vor Diskussionen um eine drohende Abwicklung des Unternehmens gewarnt. “Diese Diskussion gehört dringend beendet.“ Wichtig sei nach der langen Hängepartie eine klare Entscheidung. “Wir brauchen dringend positive Signale aus Berlin“.

dpa

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