Krankenkassen: Es gibt zu viele Arztpraxen

Berlin - In Deutschland gibt es aus Sicht der Krankenkassen zu viele Arztpraxen. Das Bundesgesundheitsministerium widersprach. Nichtsdestotrotz soll ein neuer Vorschlag das jetzt ändern.

“Es gibt zu viele Ärzte mit eigener Praxis“, sagte die Vorstandschefin des Spitzenverbands der Krankenkassen, Doris Pfeiffer, der Tageszeitung “Die Welt“ (Samstagausgabe). Die Zahl der niedergelassenen Ärzte sei in den vergangenen 20 Jahren um 45.000 gestiegen. Das Bundesgesundheitsministerium widersprach und erklärte, es gebe nicht zu viele, sondern zu wenige Ärzte.

Die Praxen seien bundesweit ungleich verteilt, betonte Pfeiffer. Sie forderte Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) deshalb auf, die Überversorgung abzubauen: “Ich versuche den Minister davon zu überzeugen, dass man die Unterversorgung, die er beklagt, nur beseitigen kann, wenn man auch die Überversorgung abbaut.“

Erlaubnis zur Behandlung von Kassenpatienten nur noch auf Zeit

Eine Sprecherin Röslers verwies auf die Alterung der Bevölkerung. Dadurch steige der Bedarf an medizinischer Versorgung. “Deshalb müssen wir nicht nur das Angebot in bisher unterversorgten Regionen verbessern. Wir brauchen zugleich mehr und nicht weniger Ärzte, um die künftige Versorgung sicherzustellen“, betonte die Sprecherin.

Pfeiffer schlug vor, dass Ärzte die Erlaubnis zur Behandlung von Kassenpatienten nur noch auf Zeit erhalten. Bislang könne ein Arzt die Lizenz, mit Krankenkassen abzurechnen, am Ende seines Berufslebens verkaufen. “Es wäre besser, wenn die Zulassung als Kassenarzt nur noch auf Lebenszeit vergeben würde“, sagte Pfeiffer. Die Zulassung würde automatisch erlöschen, wenn ein Arzt sich zur Ruhe setze. “Wir müssen verhindern, dass sich immer wieder neue Ärzte in überversorgten Gebieten niederlassen“, begründete die Kassenfunktionärin ihren Vorschlag.

dapd

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