Aufsichtsratschef bestreitet Bericht

Kostet der BER jetzt acht Milliarden Euro?

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Der Vize-Aufsichtsratschef des neuen Hauptstadtflughafens, Rainer Bretschneider.

Berlin - Der Vize-Aufsichtsratschef des neuen Hauptstadtflughafens, Rainer Bretschneider, hat einen Bericht über eine weitere Kostenexplosion bei dem Projekt zurückgewiesen.

Nach Recherchen der „Bild“-Zeitung (Dienstag) wird der Bau mindestens acht Milliarden Euro kosten. „Ich würde sagen: Aprilscherz“, sagte Bretschneider am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. „In den Aufsichtsratsunterlagen stehen nirgendwo solche Zahlen.“ Der Berliner Senatssprecher Richard Meng sagte: „Ich kommentiere nicht jeden Unsinn.“

Die Zeitung beruft sich auf „drei hochrangige Insider aus beteiligten Ministerien und vom BER“. Flughafensprecher Ralf Kunkel erklärte: „Der Bericht ist eine Ansammlung von Mutmaßungen und Unterstellungen, die nichts mit der Realität zu tun haben.“ Das Bundesverkehrsministerium lehnte einen Kommentar ab. Der Flughafen gehört den Ländern Berlin, Brandenburg und dem Bund.

Er kenne aber auch nicht jedes interne Papier der Flughafengesellschaft, sagte Bretschneider (SPD), der als Flughafenkoordinator in der brandenburgischen Staatskanzlei arbeitet. Möglicherweise seien die schon genehmigten, aber noch nicht geplanten zwei Satellitengebäude für das Terminal eingerechnet. Bretschneider sagte, an diesem Donnerstag tage der Finanzausschuss des Aufsichtsrats. Die Mehrkosten für das Projekt tragen die drei Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund.

"Wir sind im Zeitplan" - Zitate zum BER-Debakel

„Der Inbetriebnahmetermin 3. Juni 2012 ist unwiderruflich.“ (Der frühere Technik-Geschäftsführer Manfred Körtgen im November 2011) © dpa
„Der Eröffnungstermin 27.10.2013 steht, er ist aber kein Selbstläufer.“ (Körtgens Nachfolger Horst Amann im November 2012) © dpa
„Diesen Dilettanten darf man nicht die Führung der Stadt überlassen.“ (Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit im Mai 2011 an die Grünen gerichtet, weil die das Projekt Flughafen abspecken wollten) © dapd
„Sicherheit hat Vorrang!“ Der Flughafen werde „trotz der Verschiebung nach wie vor eine Erfolgsgeschichte sein“. (Wowereit im Mai 2012 zur Absage der für den 3. Juni geplanten Eröffnung wegen Problemen an der Brandschutzanlage) © dapd
„Bei einer derartigen Komplexität des Bauvorhabens ist es immer riskant, einen Termin zu setzen. Aber man kann nicht einfach den Baufortschritt abwarten, bevor man Termine nennt (...) Ich sehe nicht, welchen konkreten Vorwurf man dem Aufsichtsrat machen müsste.“ (Wowereit in einem Interview mit der „Berliner Zeitung“ im Juni 2012) © dpa
„Wir sind im Zeitplan.“ (Wowereit im November 2012 nach einer Sitzung des Aufsichtsrats) © dpa
„Verantwortung wahrzunehmen bedeutet, die Dinge anzupacken. Das gilt besonders für den Flughafen. Deshalb bündeln wir alle Kräfte, um den Eröffnungstermin im Oktober 2013 einzuhalten.“ (Wowereit in seiner Neujahrsansprache im Januar 2013) © dpa
Der für Oktober 2013 geplante Eröffnungstermin werde gehalten. „Eine nochmalige Verschiebung können wir uns auch für das Image des Landes nicht leisten.“ (Brandenburgs früherer Ministerpräsident Matthias Platzeck auf einem SPD-Parteitag im September 2012) © dpa
„Einem Aufsichtsrat, der mehrfach mündlich und schriftlich nachfragt und darauf eindeutige Antworten bekommt, kann man keine Vorwürfe machen.“ (der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer am 28. Mai 2012 in der „Bild am Sonntag“, nachdem der Eröffnungstermin am 3. Juni 2012 geplatzt war) © dpa

Die Berliner Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop kritisierte: „Wie kann es sein, dass Aufsichtsrat und Flughafengesellschaft nicht in der Lage sind, für Klarheit und Wahrheit am BER zu sorgen?“ Sie forderte einen Zeit- und Kostenplan.

Nach dem inzwischen eineinhalb Jahre alten Kostenplan der Betreiber werden für den Flughafen Baukosten von 4,3 Milliarden Euro fällig. Dass die Summe auf mehr als 5 Milliarden Euro steigen könnte, dementiert aber inzwischen niemand mehr. Nicht eingerechnet sind der Bahnhof unter dem Terminal, die Schienen- und Straßenanbindung sowie Kreditzinsen.

dpa

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