BP in der Klemme - Vorwürfe von allen Seiten

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Rund acht Wochen nach Beginn der Ölpest im Golf von Mexiko ist BP (Foto: Firmenlogo) an allen Fronten unter Beschuss.

Washington - BP-Ingenieure sprachen schon vor der Katastrophe von einer “Ölquelle des Alptraums“. Was sie nicht ahnten: Dass ihre Bohrinsel eine ganze Branche mit in den Abgrund ziehen könnte. BP ist in der Klemme.

Rund acht Wochen nach Beginn der Ölpest im Golf von Mexiko ist BP an allen Fronten unter Beschuss. Der politische Druck auf den Ölkonzern ist in den USA auf dem Höhepunkt. Und nach Ansicht von Wirtschaftsexperten reißt die Katastrophe die gesamte Ölindustrie auf Jahre mit in die Tiefe, berichteten Medien am Dienstag. Selbst deutschen Autofahrern könnte die Krise teuer zu stehen kommen - durch deutlich steigende Benzinpreise. Die sonst in Einigkeit verbundene Branche wendet sich vom britischen Ölmulti ab.

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US-Präsident Barack Obama will sich am Dienstagabend (Ortszeit) in seiner ersten Rede an die Nation aus dem Oval Office den britischen Ölkonzern vorknöpfen. BP sei verantwortlich für die “größte Umweltkatastrophe in der Geschichte des Landes“, sagte er bei seiner vierten Reise ins Krisengebiet an der Golfküste am Montag und Dienstag. Er betonte, “BP und alle verantwortlichen Parteien“ für die Katastrophe haftbar zu machen. Der Präsident plant einen Treuhandfonds, aus dem Schadenersatz an Betroffene fließen soll. Das Geld soll von BP kommen. Obamas Sprecher Robert Gibbs sagte, der Schaden könne “zig Milliarden Dollar, wenn nicht Hunderte“ betragen. Alles, was BP zu dem Fonds beisteuere sei lediglich eine “Anzahlung“, nach oben hin gebe es keine Grenze.

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Die BP-Führungsspitze ist in dieser Woche einem entscheidenden Kräftemessen mit der Politik ausgeliefert. Obama zitierte den Aufsichtsratsvorsitzenden Carl-Henric Svanberg für Mittwoch ins Weiße Haus, BP-Chef Tony Hayward und seine Top-Manager müssen sich mehrmals vor Ausschüssen des US-Kongresses gegen schwere Vorwürfe wehren. Den Vorsitzenden der Gremien zufolge hat BP aus Kosten- und Zeitdruck fünf hochriskante Entscheidungen getroffen, die am 20. April die Explosion auf der Bohrinsel “Deepwater Horizon“ auslösten. Seitdem sprudeln täglich Tausende Tonnen Rohöl ins Meer.

Insgesamt habe der Konzern durch diese Entscheidungen 7 bis 10 Millionen Dollar (5,7 bis 8,1 Millionen Euro) und einige Arbeitstage gespart, bemängeln die Demokraten Henry Waxman und Bart Stupak. Zum Beispiel habe BP das Steigrohr in der Ölquelle nur mit 6 Stützen zentriert statt mit 21, wie es empfohlen sei. Dadurch sei der Zement zum Abdichten des Bohrlochs aufgerissen. Auch habe der Konzern sich für eine billige Schutzhülle für die Quelle entschieden. Die Probleme seien lange vor dem Unfall bekannt gewesen. Eine Woche vor der Explosion auf der Bohrinsel habe ein Mitarbeiter in einer E-Mail von einer “Ölquelle des Alptraums“ gesprochen.

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Die Ölpest löst nach einer Analyse der Ratingagentur Moody's “eine beispiellose finanzielle, rechtliche, behördliche und ökologische Krise“ für die gesamte Branche aus, sagte Moody's-Chef Steven Wood laut Medienberichten. Bis zu zwei Jahre könne es dauern, bevor Produzenten, Betreiber von Bohrinseln und Dienstleister an das Ausmaß ihrer Tiefsee-Aktivitäten vor der Katastrophe anknüpfen könnten.

Das Wachstum der weltweiten Ölförderung droht sich laut Moody's zu verlangsamen. Weltweit könnten Staaten die neuen, schärferen US-Standards für Bohrungen vor der Küste übernehmen. Die großen BP-Wettbewerber Exxon, Shell, Chevron und ConocoPhillips sind alarmiert. Sie werfen BP vor, der Konzern hätte den Unfall im Golf von Mexiko vermeiden können.

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Die globalen Auswirkungen könnten die Autofahrer auch in Deutschland teuer zu stehen kommen: Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagte der “Bild“-Zeitung: “Es ist damit zu rechnen, dass der Ölpreis und auch die Benzinpreise spürbar steigen werden. Insbesondere deshalb, da die Ölförderung in der Tiefsee in Amerika ausgesetzt werden soll.“ Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa erläuterte die Expertin: “Die leicht erschließbaren Ölvorkommen - etwa in Saudi-Arabien - gehen langsam zur Neige.“ Zeitgleich steige jedoch die Öl-Nachfrage. “Um diese Nachfrage bedienen zu können, braucht man die Tiefseereserven. 25 Prozent aller bekannten Ölreserven sind in der Tiefsee.“

BP habe derweil auf Druck der US-Regierung seine Pläne zum Eindämmen des sprudelnden Öls deutlich verbessert, sagte Obama. BP wolle nun bis Ende Juni die Menge des Öls, das aus der defekten Quelle aufgefangen wird, auf täglich 6800 Tonnen ausweiten - zwei Wochen früher als geplant. Derzeit leitet BP 2100 Tonnen über einen Auffangbehälter auf ein Schiff. Das ist nach offiziellen Schätzungen nur ein Teil dessen, was aus dem Bohrloch austritt. Der Konzern bereite sich zudem besser auf Stürme und andere unvorhersehbare Probleme vor.

Von Marco Mierke

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