Kirch sagt gegen Deutsche Bank aus

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Leo Kirch erschien sichtlich geschwächt im Rollstuhl vor Gericht.

München - Neun Jahre nach der Pleite seines Medien-Imperiums ist Leo Kirch zum ersten Mal mit dem früheren Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer zusammengetroffen. Die Vernehmung musste abgebrochen werden.

Leo Kirch kämpft seit Jahren. Gegen die Deutsche Bank, gegen ihren ehemaligen Chef Rolf Breuer und für die Milliarden, die er von beiden haben möchte. Deutschlands größte Bank und Breuer haben sein Lebenswerk zerstört, ist Kirch überzeugt. Neun Jahre nach der krachenden Pleite seines weit verzweigten Medienkonzerns trifft der 84-Jährige am Freitag erstmals vor Gericht auf den 73-jährigen Breuer. Die beiden alten Männer verbindet nichts mehr, seit Kirch die Bank und Breuer mit Verfahren überzieht, Instanz um Instanz. Ein Ende des Ringens ist auch nach diesem Prozess nicht absehbar.

Leo Kirch lächelt und kämpft weiter

Es ist 9.52 Uhr, als Kirch in einem Rollstuhl in den Saal 411 des Münchner Oberlandesgericht gefahren wird. Er lächelt, schaut beinahe vergnügt durch die gelbgetönten Gläser seiner Brille. Breuer grüßt er nicht. Allein Kirchs Auftritt ist fast eine Sensation. Lange Zeit gab es nicht einmal Fotos des Medienmoguls, der einst zu den mächtigen Männern der Republik gehörte. Für seinen vielleicht letzten großen Kampf wagt sich Kirch nun doch ins Licht der Öffentlichkeit. Doch der fast blinde Kirch hat Mühe zu sprechen. Er ist heiser, kaum zu hören.

Nach eineinhalb Stunden wird der Prozess abgebrochen

Seine enge und langjährige Vertraute Gertrude Barrera-Vidal verliest für ihn eine vorbereitete Erklärung und soll seine schwache Stimme ersetzen, ihm die Fragen wiederholen. Das Prozedere erweist sich als äußerst mühsam. Schwierigkeiten dem Inhalt der Verhandlung zu folgen hat der 84-Jährige wohl nicht. Dennoch: Nach eineinhalb Stunden bricht das Gericht auf Anraten des Hausarztes von Leo Kirch die Befragung ab. Bereits den ersten Termin hatte das Gericht wegen Kirchs Gesundheitszustand abgesagt, zum zweiten kam Kirch nicht und vertagte damit den Showdown mit Rolf Breuer erneut.

Erbitterter Kampf

Kontrahenten Leo Kirch (li.) und Rolf Breuer

Am Freitag folgt Breuer der Verhandlung beinahe ohne Regung. Meist verschränkt der Banker die Arme vor der Brust oder schiebt sein Kinn trotzig nach vorne. Er ist über den erbitterten Streit mit Kirch älter geworden. Breuer hatte sich vor vier Wochen an gleicher Stelle geäußert - vor allem zu jenem Interview, das er im Februar 2002 gegeben hatte. Es waren nur wenige Worte, die der Manager damals in New York in das Mikrofon eines Reporters sprach. Doch Worte des Vorstandschefs der Deutschen Bank haben Gewicht. Und für Kirch waren sie erdrückend, ist der Medienunternehmer sicher. Nach dem Gespräch seien seine Geldgeber abgesprungen, sein Konzern daran zerbrochen.

Der Reporter hatte damals gefragt, ob man dem hoch verschuldeten Medienunternehmer Kirch und seinem weit verzweigten Firmengeflecht nicht helfen sollte. “Das halte ich für relativ fraglich. Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“, hatte Breuer ein wenig umständlich festgestellt. Heute bereut er diese Sätze, nennt sie einen Unfall. Doch er wird das Echo dieses Interviews nicht los. Dass es die Pleite Kirchs verursacht habe, weisen Breuer und Bank zurück. Kirch sei als Geschäftsmann gescheitert und kein Opfer.

"Als Geschäftsmann gescheitert und kein Opfer"

Der Sohn eines fränkischen Winzers hatte aus dem Nichts seit den 50er Jahren einen der mächtigsten Film- und Fernsehkonzerne Europas aufgebaut. Neben der größten Spielfilm-Sammlung mit über 10 000 Titeln, rund 40 000 Stunden Serien gehörten ihm ProSieben, SAT.1, N24 und DSF. Im Frühjahr 2002 ging der unter milliardenschweren Schulden ächzende Konzern schließlich unter. Geld sei immer ein Problem seines äußert kapitalintensiven Geschäfts gewesen, sagt Kirch am Freitag.

Für die Rechte an seinem ersten Film, “La Strada“, etwa habe er 1956 für 25 000 Mark bezahlt, was damals über seine finanziellen Möglichkeiten hinausgegangen sei. Erst zögerlich hätten die Banken in den folgenden Jahren erkannt, dass er mit seiner Unternehmung auch Erfolg habe. “Das Problem der Geldbeschaffung war im Prinzip immer dasselbe“, sagt Kirch. 2001 sei dann die Deutsche Bank an ihn herangetreten, um Geschäfte mit ihm zu machen. Wie das ablief und wer was von wem wollte, ist eine der zentralen Fragen des Verfahrens.

dpa

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