Geht es schneller? 

Die Warteschlange an der Supermarkt-Kasse wechseln? Forscher haben eindeutige Antwort

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Im Schnitt warten die Deutschen sechs Stunden im Jahr in einer Schlange bis sie an die Reihe kommen.

Harvard-Ökonomen ließen Probanden in einer Online-Umfrage zunächst anstehen, bevor sie teilnehmen konnten. Teilnehmer, die die Schlange wechselten, kamen nicht schneller dran - im Gegenteil.

Die erste Versuchsanordnung: bis zu sechs Probanden warten bis sie an der Umrage teilnehmen dürfen.

Boston - Jeder kennt das: Da reiht man sich ganz brav in die Schlange an der Supermarktkasse zwei ein und rechnet bei fünf Kunden vor einem mit ein wenig Wartezeit. Aber siehe da: an Kasse vier bewegt sich die Schlange irgendwie wesentlich schneller als an der eigenen. Und schon befindet man sich auf dem Weg zur Schlange an der Kasse vier - nur um festzustellen: Eigentlich geht es hier auch nicht viel schneller als an der alten Schlange. Die erhoffte Zeitersparnis bleibt zumeist aus, das Gegenteil ist sogar häufig der Fall, wie Forscher der Harvard Business School herausgefunden haben wollen. Sie erforschten das Verhalten von Kunden und kommen in einer neuen Untersuchung zu dem Schluss: Es dauert durchschnittlich erheblich länger, wenn man die Schlange wechselt.

Um dies herauszufinden, entwarfen die Forscher unter anderem folgendes Studiendesign: 301 Teilnehmer der Studie wurden gebeten, eine Online-Umfrage auszufüllen. Ihnen wurde gesagt, dass dies zwei bis fünf Minuten dauern würde. Tatsächlich dauerte das Beantworten der Frage ca. 60 Sekunden. Allerdings konnten die Befragten nicht sofort an der Umfrage teilnehmen, sondern mussten sich zunächst virtuell hinter anderen Teilnehmern anstellen. Diese Schlangen konnten bis zu sechs Personen lang sein. Jedesmal, wenn ein Teilnehmer die Umfrage schließlich ausgefüllt hatte (oder er länger als 60 Sekunden dafür brauchte), rutschten die Befragten eine Position nach vorne, bis sie schließlich selbst dran waren. Um zu verhindern, dass die Teilnehmer sich einfach anstellten und dann in einem anderen Browser-Fenster einer anderen Tätigkeit nachgingen, installierten die Forscher außerdem die Bedingung, dass die Teilnehmer, wenn sie schließlich an die Reihe kämen, innerhalb von zehn Sekunden ihre Teilnahme bestätigen mussten - ansonsten würden sie von der Umfrage ausgeschlossen.

Zweiter Schritt: Probanden können Schlange wechseln

Die erste Versuchsanordnung: bis zu sechs Probanden warten bis sie an der Umrage teilnehmen dürfen.

Der entscheidende Clou an der Studie: Es wurden immer zwei virtuelle Schlangen gekoppelt und den Teilnehmern die Möglichkeit gegeben, zwischen diesen zu wechseln. Allerdings verlor der wechselnde Teilnehmer, wie im echten Leben auch, seine Position in der alten Schlange. Das Ergebnis der Untersuchung: Immerhin jeder fünfte Teilnehmer nutzte die Möglichkeit und stellte sich in der neuen Schlange an. Ihre Hoffnung schneller dranzukommen wurde zumeist jedoch nicht erfüllt: Durchschnittlich verlängerte sich ihre Wartezeit um zehn Prozent. Teilnehmer, die zweimal die Schlange wechselten, mussten sogar 67 Prozent länger warten.

Offensichtlich brachte es den Teilnehmern also eher Nachteile, die Schlange zu wechseln. Wieso also taten sie es trotzdem. Auch darauf versuchten die Forscher eine Antwort zu finden und kamen zu einem interessanten Schluss: Demnach gaben die Teilnehmer fast ausschließlich ihre Position auf, wenn sie als ganz hinten in der Reihe standen. Gegenüber dem britischenThe Guardian erklärte Studienautor Professor Ryan W. Buell das Verhalten: „Wenn wir auf dem letzten Platz sind, sind wir fast 20 Prozent weniger befriedigt, als wenn noch jemand hinter uns steht. Es ist verrückt, denn die Anzahl der Menschen hinter uns in der Schlange hat ja nichts mit unserer Wartezeit zu tun.“

Die Studie kommt also zu zwei wichtigen Ergebnissen, die auch für den Ottonormalverbraucher relevant sind: Sich in eine andere Schlange einzureihen bringt in der Regel überhaupt nichts, sondern kostet nur noch mehr Zeit. Merke: Um sich selbst nicht in Versuchung zu führen sollte der Blick nach hinten tunlichst vermieden werden.

mh

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