Kampf um Kunden: Eon zu hoher Strafe verurteilt

Berlin - Wegen der Behinderung neuer Stromanbieter muss die in Brandenburg sitzende Eon-Regionalgesellschaft Eon edis 650 000 Euro Strafe zahlen.

Ein entsprechender Bescheid der Bundesnetzagentur liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Sollte Eon edis nicht bis Dienstag die Behinderungen aufheben, wird sogar eine Strafzahlung von 1,3 Millionen Euro fällig. Auch “Der Spiegel“ berichtete über die Strafzahlung. Hintergrund ist der von Wettbewerbern wie Lekker Strom und dem Ökostromanbieter Lichtblick erhobene Vorwurf, dass Eon den Wettbewerb auf Regionalebene systematisch behindere.

Notwendige Abrechnungsdaten und Protokolle von abgeworbenen Kunden würden nicht oder nur verspätet bereitgestellt, klagte Lekker- Strom-Geschäftsführer Thomas Mecke im “Spiegel“. Lichtblick-Vorstand Gero Lücking sagte der dpa: “Das Ganze ist ein Skandal“. Sein Unternehmen habe mehr als 1000 Fälle von Behinderungen etwa beim Wechsel zu Lichtblick dokumentiert, die Strafforderungen seines Unternehmens gegen Eon beliefen sich auf 150 000 bis 350 000 Euro. Neben Eon edis fielen auch Eon Mitte und Eon Avercon negativ auf. Eon edis war am Samstag zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die in Bonn sitzende Bundesnetzagentur verweist in der “Zwangsgeldfestsetzung“ darauf, dass Eon edis die Aufforderung, Missstände beim Stromanbieterwechsel und bei der Bereitstellung von Daten zu beseitigen, missachtet habe. Eon edis begründet hingegen die Verzögerungen mit Problemen bei der Umstellung des EDV-Systems. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) will künftig mit einer “Markttransparenzstelle“ dafür sorgen zu wollen, dass der Wettbewerb nicht behindert wird.

Der Bundesverband Neuer Energieanbieter (bne) teilte der dpa mit, dieses Verhalten von Eon edis sei kein Einzelfall. Solange Netze nicht neutral und unabhängig agierten, bestehe die Versuchung, den eigenen Strombetrieb zu bevorzugen. Verhindert werden könne dies nur durch eine Gesetzesänderung: Auf der Ebene der Verteilnetze müsse das natürliche Monopol der Netze endlich klar vom wettbewerblichen Bereich des Vertriebs getrennt werden, sagte bne-Geschäftsführer Robert Busch. Dies nicht getan zu haben, sei der Kardinalfehler bei der Liberalisierung auf dem Strommarkt gewesen.

dpa

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