IWF warnt: Brexit bremst Eurozonen-Wachstum

+
Börse in Frankfurt am Main nach der Brexit-Abstimmung. Foto: Frank Rumpenhorst

Zügig und klar müssen die Verhandlungen über einen Ausstieg der Briten aus der EU laufen, meint der Internationale Währungsfonds. Doch selbst dann werde der Brexit die Eurozone spürbar treffen.

Washington/Brüssel (dpa) - Der Brexit bremst nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Wirtschaftskraft der Eurozone. Das Wachstum werde nach dem Votum der Briten zum Ausstieg aus der Europäischen Union merklich geringer ausfallen als bisher erwartet, sagte der IWF voraus.

Die Experten in Washington rechnen für 2016 nur noch mit 1,6 Prozent Wirtschaftswachstum in den Euro-Ländern, gefolgt von 1,4 Prozent 2017 und 1,6 Prozent 2018. Bisher waren sie von einem durchgehenden Plus von 1,7 Prozent ausgegangen.

Bei dieser ersten Folgenabschätzung nehme man noch ein relativ günstiges Szenario - den vollen Zugang Großbritanniens zum gemeinsamen europäischen Binnenmarkt - an, sagte der IWF-Experte Mahmood Pradhan in einer internationalen Telefonkonferenz. Sorge bereite dem IWF, dass der Ausstiegsprozess länger dauern könnte. Das stelle insbesondere ein Risiko für die Finanzmärkte dar.

Die Lage in Großbritannien könne auf die Euroländer überschwappen, warnte der IWF bei der Vorlage seiner jährlichen Analyse zur Wirtschaft der Eurozone ausdrücklich. Um entsprechende Unsicherheiten abzubauen, rieten die zuständigen IWF-Direktoren zu einem sanften und berechenbaren Übergang beim Austritt der Briten aus der EU. Bisher hat die Londoner Regierung bei der EU noch keinen formellen Antrag auf ein Ausscheiden aus der Gemeinschaft gestellt.

Neben dem Brexit-Risiko hob Pradhan noch eine Reihe weiterer Schwierigkeiten in der Eurozone hervor. "Ein Durchwurschteln ist immer weniger haltbar", sagte der Vizedirektor der Europa-Abteilung des IWF. Die Politiker sollten die wachsende Europa-Skepsis umkehren und die Währungsunion stärken, indem sie enger zusammenarbeiten.

Im Fall eines erneuten Anstiegs der Flüchtlingszahlen sieht der IWF die Gefahr, dass die Euroländer zusätzliche Grenzkontrollen einführen und so den freien Warenverkehr behindern. Auch die Sicherheitslage könne die Wirtschaftsentwicklung negativ beeinflussen.

Weitere Risiken entstehen dem IWF zufolge aus der Schwäche des Bank- und Finanzwesens in einigen Mitgliedslandern. Von außen bedrohe ein globaler Wirtschaftsabschwung den Wohlstand der Eurozone, im Inneren seien die Risiken vor allem politischer Natur.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Kubas neuer Präsident Díaz-Canel: "Sozialismus oder Tod"

Kubas neuer Präsident Díaz-Canel: "Sozialismus oder Tod"

Großbrand auf Reiterhof in Luttum 

Großbrand auf Reiterhof in Luttum 

Motorola bringt neues Moto G6 in drei Ausführungen

Motorola bringt neues Moto G6 in drei Ausführungen

„Run & Bike“ an der Grundschule Wechold

„Run & Bike“ an der Grundschule Wechold

Meistgelesene Artikel

Kampf der Lebensmittelgrößen: Edeka macht Druck - und Nestlé knickt ein

Kampf der Lebensmittelgrößen: Edeka macht Druck - und Nestlé knickt ein

Revolutionäres Gefährt: Flixbus will bald neuen Bus in Deutschland testen

Revolutionäres Gefährt: Flixbus will bald neuen Bus in Deutschland testen

Neue Warnstreiks? Entscheidung im Tarifstreit um den öffentlichen Dienst steht an

Neue Warnstreiks? Entscheidung im Tarifstreit um den öffentlichen Dienst steht an

Erfahrener Bergretter erklärt: So kompliziert ist die Suche nach dem Tengelmann-Chef

Erfahrener Bergretter erklärt: So kompliziert ist die Suche nach dem Tengelmann-Chef

Kommentare