Hilferuf an Politiker

Bis zum Hals im Wasser: Milchbauern schlagen Alarm

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Mit Latzhose und Transparenten gingen die Bauern in die Fluten und machten - wie schon Berufskollegen am Vortag - deutlich, dass ihnen das Wasser bis zum Hals steht. Foto: Bernd Wüstneck

Rostock - Dutzende Milchbauern standen am Donnerstag am Strand von Warnemünde bis zum Hals im Wasser. Ihr Hilferuf: Wir gehen baden, wenn die Politik nicht hilft.

Hilferufe aus der Ostsee: Die Landwirtschaft geht "baden", wenn sich an der Politik nichts ändert. Das wollten Dutzende Milchbauern mit einer Protestaktion vor der Agrarministerkonferenz am Donnerstag am Strand von Rostock-Warnemünde der Öffentlichkeit vor Augen führen.

Mit Latzhose und Transparenten gingen sie in die Fluten und machten - wie schon Berufskollegen am Vortag - deutlich, dass ihnen das Wasser bis zum Hals steht. Der Bauernverband und der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) haben alten Zwist begraben und demonstrierten gemeinsam. Sie fordern eine Reduzierung der Milchmenge, weil das Überangebot die Preise so weit in den Keller drückt, dass die Bauern ihre Kosten nicht mehr decken können.

Auf die Hilferufe hin kam der Chef der Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern, Mecklenburg-Vorpommerns Ressortchef Till Backhaus (SPD), an den Strand und nahm sich Zeit für Gespräche. Ihm sei klar: "Wenn wir hier nicht die Weichen stellen, wird das der bäuerlichen Landwirtschaft in Deutschland das Ende bereiten." In der Milchwirtschaft werde für ganz Europa ein Instrument zur obligatorischen Mengenkürzung gebraucht. Der Markt alleine werde es nicht regeln, der Staat müsse eingreifen, forderte Backhaus. Er hoffe auf einen Beschluss der Agrarminister der Länder, dass die Bundesregierung in diesem Sinne tätig werde.

Die niedrigen Milchpreise sind nach Ansicht des BDM ein gesellschaftlicher Skandal und nicht nur ein Desaster für die Bauern. Der Bundesvorsitzende Romuald Schaber sagte, die deutschen Milchbauern hätten in der aktuellen Krise rund vier Milliarden Euro verloren. "Der geringste Teil davon kommt in Form von billigen Lebensmitteln bei den Verbrauchern an. Die Milliarden bleiben bei den Konzernen hängen", sagte er. Von der fehlenden Liquidität der Milcherzeuger seien auch Tierärzte, Futtermittelhersteller und Liefernaten betroffen. Er forderte Verträge der Molkereien mit den Bauern, in denen Mengen und Preise festgelegt sind. Bisher erfahren die Bauern erst nach Wochen, was sie für die Milch bekommen.

dpa

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