2000 Verbraucher befragt

GfK: Verbraucher so optimistisch wie seit langem nicht mehr

+
Gut eingekauft: Menschen flanieren mit Einkaufstüten über die Zeil in Frankfurt. Foto: Frank Rumpenhorst

Die Konjunktur boomt, der Job ist sicher und Sparen lohnt sich schon lange nicht mehr - die ideale Mixtur für einen Höhenflug des Konsumklimas. Der hat sich auch im Juli fortgesetzt. Die Frage ist nur: Wie lange noch?

Nürnberg (dpa) - Die boomende Konjunktur und der robuste Arbeitsmarkt sorgen weiter für ein Stimmungshoch unter den deutschen Verbrauchern - und das trotz wachsender weltweiter Risiken.

Die Konsumenten seien im Juli fast so optimistisch gewesen wie im Herbst 2001, berichtete das Markforschungsinstitut GfK in seiner Konsumklimastudie. Das Stimmungsbarometer war damals auf einen seitdem nicht mehr erreichten Höchststand gestiegen.

So beurteilten viele Haushalte die konjunkturelle Lage noch besser als im Vormonat. Auch rechneten sie künftig weiter mit steigenden Einkommen. Lediglich die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen bekam laut GfK im Vergleich zum Juni einen leichten Dämpfer. Für August rechnen die Konsumforscher mit einem Anstieg des Konsumklimaindex um 0,2 Zähler auf 10,8 Punkte - knapp unter dem bisherigen Allzeithoch von 11 Punkten im Oktober 2001.

"Die Bundesbürger gehen davon aus, dass die heimische Konjunktur im weiteren Verlauf des Jahres sogar noch einen Gang hochschalten kann", betonte die GfK. "Auch die Einkommenserwartung übertrifft noch einmal das Wiedervereinigungshoch aus dem Vormonat."

Dass die Anschaffungsneigung im Juli leicht zurückgegangen ist, sollte nach GfK-Einschätzung nicht überbewertet werden. Mit 54,8 Punkten - 3,1 Zähler weniger als im Juni - bewege sich der Wert weiter auf sehr hohem Niveau. "Die Konsumlaune der deutschen Verbraucher ist weiter ungebrochen."

Den deutlichen Aufwärtstrend bei der Verbraucherstimmung, verbunden mit einem überraschenden Einbruch der Sparneigung im Juli, führt GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl auch auf die Enttäuschung vieler Verbraucher über die ausbleibende Zinswende zurück. "Die Europäische Zentralbank hat in den vergangenen Monaten die Hoffnung auf eine Zinswende geschürt. Diese Erwartung hat sie aber nicht erfüllt", sagte Bürkl.

Überrascht sind die Konsumforscher darüber, wie unbeeindruckt sich Verbraucher gegenüber weltwirtschaftlichen Risiken zeigen. Denn nicht nur die Brexit-Verhandlungen, sondern auch drohende Handelsbeschränkungen der USA und die zunehmend schwieriger werdenden Beziehungen zur Türkei stellten "eine Bedrohung für das Konsumklima" dar.

Das gelte auch für mögliche Probleme der deutschen Autobauer im Zusammenhang mit den jüngsten Kartellvorwürfen. Sollten deswegen auf einzelne Unternehmen hohe Strafzahlungen zukommen, könnten diese gezwungen sein, den Rotstift anzusetzen. "Dann könnten plötzlich Jobs in Branche auf dem Spiel stehen. Betroffen wären auch Mitarbeiter bei den Autozulieferern", gab Bürkl zu bedenken. Und Job-Unsicherheit sei nun mal Gift für das Konsumklima.

GfK-Pressemitteilungs-Portal

Das könnte Sie auch interessieren

GroKo konzentriert sich nach Bayern-Debakel auf Hessen-Wahl

GroKo konzentriert sich nach Bayern-Debakel auf Hessen-Wahl

EU-Ratspräsident Tusk: Harter Brexit immer wahrscheinlicher

EU-Ratspräsident Tusk: Harter Brexit immer wahrscheinlicher

Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof beendet - Terrorverdacht

Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof beendet - Terrorverdacht

Google Pixel 3 und Pixel 3 XL im Test

Google Pixel 3 und Pixel 3 XL im Test

Meistgelesene Artikel

C&A schockiert mit Kinder-Pullover - es hagelt schwere Vorwürfe

C&A schockiert mit Kinder-Pullover - es hagelt schwere Vorwürfe

Rewe bucht bei Kundin acht Milliarden Euro ab - Experte hat düsteren Verdacht

Rewe bucht bei Kundin acht Milliarden Euro ab - Experte hat düsteren Verdacht

Parken bei Aldi, Lidl und Co., ohne dort einzukaufen: Diese stattlichen Bußgelder drohen Autofahrern

Parken bei Aldi, Lidl und Co., ohne dort einzukaufen: Diese stattlichen Bußgelder drohen Autofahrern

Radikale Neuerung bei WhatsApp bestätigt - was bedeutet das für den Datenschutz?

Radikale Neuerung bei WhatsApp bestätigt - was bedeutet das für den Datenschutz?

Kommentare