Geldregen für Vattenfall-Manager: Schweden sind "empört"

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Der Vorstandsvorsitzende von Vattenfall Europe AG, Klaus Rauscher (r), unterhält sich im Mai 2007 während einer Bilanzpressekonferenz in Berlin mit dem Finanzvorstand des Unternehmens, Hans-Jürgen Meyer. Der schwedische Enrgiekonzern hat den Abschied der beiden Manager mit einer Zahlung von mehreren Millionen Euro versüsst.

Stockholm - Gewaltige Abfindungszahlungen an deutsche Ex-Manager des Energiekonzerns Vattenfall erregen die Schweden: 2,3 Millionen Euro nach fünf Monaten Arbeit findet auch ein Minister in Stockholm “empörend“.

Erst die endlose Pannenkette der Vattenfall-Atomreaktoren Krümmel sowie Brunsbüttel, dann großzügige Abfindungs-Millionen für die verantwortlichen deutschen Top-Manager: Auch Schwedens Regierung empört sich über den Geldsegen von über zehn Millionen Euro, mit dem ihr größter Staatskonzern den beiden Ex-Chefs der Deutschland-Tochter, Klaus Rauscher und Hans-Jürgen Cramer, sowie Ex-Finanzchef Hans-Jürgen Meyer den Rauswurf versüßt hat.

Cramer erhielt 2008 nach nur fünf Monaten im Amt 2,3 Millionen Euro (20,9 Mio Kronen) als Abfindung ausgezahlt - während das Vattenfall-Image in Deutschland immer schlechter wurde. “Von diesen hohen Zahlungen habe ich nichts gewusst. Ich kann die Empörung in der Öffentlichkeit verstehen, und ich bin selbst empört“, sagte der für Staatsunternehmen zuständige schwedische Finanzmarktminister Peter Norman am Dienstag.

Die höchsten Manager-Abfindungen

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Erst Ende März hat er Vattenfall-Aufsichtsratschef Lars Westerberg aus dem Amt befördert, weil dieser Ex-Konzernchef Lars Josefsson eine unrechtmäßige Zusatzabfindung über 12 Millionen Kronen (1,2 Mio Euro) zugeschustert hatte. Josefsson musste die schon ausgezahlte erste Hälfte des Geldes nach Bekanntwerden des Deals zurücküberweisen.

Er war es auch, der bei Vattenfalls Eroberungsfeldzug quer durch Europa die üppigen Verträge mit den Top-Kräften der deutschen Tochter ausgehandelt hatte. Norman verlangt nun von Josefssons Nachfolger Øystein Løseth eine “neue Unternehmenskultur“. Aus der Stockholmer Vattenfall-Zentrale hieß es, man habe inzwischen bei neuen Verträgen mit Topleuten der deutschen Tochter schon die deutlich engeren Grenzen für Manager in schwedischen Staatsbetrieben zugrunde gelegt. Dies sei aber erst seit 2009 in Kraft, und vorher habe man sich nach dem in Deutschland “Üblichen“ gerichtet.

Das reicht den oppositionellen Grünen im Stockholmer aber ganz und gar nicht. “Für solche Phantasiebonusse können wir doch nicht das Geld schwedischer Steuerzahler zum Fenster rauswerfen“, meint Grünen-Sprecher Gustav Fridolin. Er hat den Verfassungsausschuss des Reichstages angerufen, eine Art permanenter parlamentarischer Untersuchungsausschuss.

Eigentlich brauche man bei all den Skandalen einen eigenen Vattenfall-Minister, höhnte die Stockholmer Zeitung “Expressen“ mit Hinweis auf die endlose Problemkette bei Schwedens größtem Staatskonzern. Der Kommentator zählte auf: Atom-Pannen in Deutschland wie in Schweden, umstrittene Braunkohlekraftwerke, überteuerte Unternehmenskäufe und jetzt die hohen Bonuszahlungen. Das allergrößte Problem allerdings würden die Politiker wohl nie lösen, meinte er: “Den Skandal mit den hohen Strompreisen.“

Von Thomas Borchert

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