Friede Springer muss im Kirch-Prozess aussagen

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Die Verlegerin Friede Springer muss im Prozess um Schadenersatzforderungen des Ex-Medienunternehmers Leo Kirch gegen die Deutsche Bank aussagen.

München - Im Münchner Kirch-Prozess steht nach dem Showdown zwischen Kirch und Ex-Deutsche-Bank-Chef Breuer eine weitere prominente Zeugenvernehmung bevor: Verlegerin Friede Springer muss im Gerichtssaal auftreten.

Im Prozess um Schadenersatzforderungen des Ex-Medienunternehmers Leo Kirch gegen die Deutsche Bank muss die Verlegerin Friede Springer als Zeugin aussagen. Einen entsprechenden Beweisbeschluss fasste das Oberlandesgericht München, wie ein Sprecher am Dienstag in München sagte. Er bestätige damit einen Bericht der “Zeit“. Die Großaktionärin des Springer-Verlags hatte nach der Insolvenz der Kirch-Gruppe 2002 von der Deutschen Bank Aktien an Springer übernommen, die zuvor Kirch gehört hatten. Zu einem Termin für die Zeugenvernehmung äußerte sich das Gericht zunächst nicht.

Kirch wirft der Bank und ihrem Ex-Chef Breuer vor, die Pleite seines Konzerns verschuldet zu haben. Breuer hatte wenige Monate vor der Pleite der Kirch-Gruppe 2002 in einem Interview die Kreditwürdigkeit von Kirch angezweifelt. Nach dem Interview hätten ihm die Banken kein Geld mehr gegeben, meint Kirch. Auch wenn Breuer das Interview inzwischen bereut, weisen er und die Bank die Vorwürfe zurück. “Was ich gesagt habe, war die Wahrheit und allgemein bekannt“, sagte Breuer zum Prozessauftakt im Februar. Die schlechte Lage der hoch verschuldeten Mediengruppe sei damals längst öffentlich diskutiert worden.

Vergleich zu Beginn vorgeschlagen

Das Gericht hatte beiden Seiten zum Beginn der Verhandlung einen Vergleich vorgeschlagen, um die jahrelange Prozessserie zu beenden. Demnach hätte die Deutsche Bank nach Angaben des Gerichts 775 Millionen Euro an Kirch zahlen sollen. Dies soll sie dem Vernehmen nach aber abgelehnt haben. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte sich am Dienstag auf Anfrage nicht dazu äußern: “Das Gericht ist gehalten, zu jedem Zeitpunkt auf eine Lösung eines Rechtsstreits durch einen Vergleich hinzuwirken. Wie jeden Hinweis eines Gerichts haben wir auch diesen geprüft“, hieß es.

Zu dem Prozess in München war Ende März auch der 84 Jahre alte Kirch selbst gekommen, was wegen seiner extrem seltenen öffentlichen Auftritte fast als Sensation galt. Seinen Kontrahenten Breuer ignorierte Kirch im Gerichtssaal. Nach gut eineinhalb Stunden brach der Vorsitzende Richter Guido Kotschy die Vernehmung des schwer kranken Kirchs auf ärztlichen Rat ab; er will ihn später wieder laden.

Kirch hielt früher ein 40-prozentiges Aktienpaket an Springer, das nach der Insolvenz unter den Hammer kam. Die Deutsche Bank sicherte sich das Paket bei einer Versteigerung im Oktober 2002 für 667 Millionen Euro, verkaufte einen Teil davon an Friede Springer und verhalf ihr damit zur Mehrheit an dem Verlagshaus.

Für Kirch war die Insolvenz seines Medienkonzerns mit mehr als 10 000 Beschäftigten die schwerste Niederlage seines Lebens. Seit Jahren überzieht er die Deutsche Bank und Breuer in verschiedenen Prozessen mit Klagen. Große Teile der Kirch-Gruppe wurden verkauft und existieren noch immer, darunter die Fernsehsendergruppe ProSiebenSat.1

dpa

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