Flughafen-Debakel: Wer ist schuld?

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Die Geschäftsführer Rainer Schwarz (r.) und Manfred Körtgen sollen befragt werden

Berlin/Schönefeld - Warten auf den Hauptstadtflughafen. Noch immer ist unklar, wann der Airport öffnet. Und das könnte auch noch eine Weile so bleiben. Derweil wird ein Schuldiger gesucht.

Nach der Berliner Flughafen-Blamage wollen die Eigentümer an diesem Mittwoch Klarheit schaffen. Vertreter der Länder Berlin und Brandenburg sowie des Bundes befragen die Geschäftsführer Rainer Schwarz und Manfred Körtgen. “Wir erwarten präzise Auskunft darüber, was schief gelaufen ist“, sagte der Berliner Senatssprecher Richard Meng am Dienstag. Dass Flughafen-Führungskräfte ihren Hut nehmen müssen, hatten Berlin und Brandenburg in den vergangenen Tagen nicht ausgeschlossen. Ob der Aufsichtsrat auch einen neuen Eröffnungstermin beschließt, ist offen.

Die zehn gefährlichsten Flughäfen der Welt

Washington-Touristen kennen den nervigen Fluglärm über der US-Hauptstadt: Der Reagan National Airport befindet sich mitten in der Stadt zwischen zwei Flugverbotszonen. Piloten müssen beim Landen Gebäude wie das Pentagon und das CIA-Hauptquartier meiden und während des Starts schnell an Höhe gewinnen, um nicht ins Weiße Haus zu fliegen. © AP
Flughafen gefährlich
Der Anflug auf den Flughafen Santa Catarina ist eine Belastungsprobe für Flugpersonal und Passagiere. Piloten müssen für den Anflug speziell ausgebildet werden: Die Landebahn ist nicht nur extrem kurz, sondern verläuft auch noch direkt an einem Steilküstenabhang. Die Piloten müssen lange auf die Berge zufliegen und erst im letzten Augenblick das Steuer rechts herumreißen, um auf dem Rollfeld zu landen. © dpa
Die Rollbahn des Toncontin-Flughafens in Tegucigalpa (Honduras) ist mit 1863 Metern die weltweit kürzeste eines internationalen Airports. Größere Flugzeuge können hier nicht landen. Vor der Landung muss der Pilot bergiges Gelände überfliegen, primitive Navigationsausrüstung machen den Flughafen zusätzlich gefährlich. Bei schlechter Witterung müssen die Flugzeuge oft nach San Salvador ausweichen. © dpa
Insel Barra
Auf der westschottischen Insel Barra muss ein Sandstrand als Flugfeld herhalten. Die Größe des "Rollfelds" hängt ganz von den Gezeiten ab. Simple Autoscheinwerfer auf dem Parkplatz weisen Piloten nachts den Weg über die flache Bucht. © dpa
La Guardia und Newark
Viel beflogen, aber ziemlich gefährlich: der John F. Kennedy Airport in New York. Die Herausforderung für die Piloten besteht im Vermeiden von Flugzeugen anderer Flughäfen in der Nähe - La Guardia und Newark. Die Crew ist gezwungen, etwa 460 Meter Abstand und eine Sicht von knapp 8000 Metern zu haben, bevor sie die Landebahn anfliegen dürfen. © dpa
Am 9. November 2007 kam ein Flugzeug der Airline Iberia von der Landebahn in Quito, Ecuador, ab (Foto). Piloten fürchten die abschüssige Landebahn der ecuadorianischen Hauptstadt seit langem. Der Flughafen liegt nur wenige Minuten vom Finanzzentrum entfernt und ist umringt von einer Wohnsiedlung. Das Problem wurde jedoch erkannt. Ein neuer Flughafen einige Kilometer entfernt gebaut. © dpa
Am 19. Februar 2013 schließt der berüchtigte Flughafen in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito für immer. © AP
Der Flugplatz von Lukla in Nepal ist nur 527 Meter lang und 20 Meter breit. Die Landebahn neigt sich um 12 Grad, der Höhenunterschied zwischen beiden Endpunkten beträgt 60 Meter. Die Piloten haben nur einen Versuch, Durchstarten ist wegen der Hochgebirgslage unmöglich. Eine lebensgefährliche Angelegenheit: Auch eine Reisegruppe aus München stürzte hier 2008 in den Tod. © dpa
Die Startbahn der 13-Quadratkilometer-Insel Saba auf den Niederländischen Antillen ist gerade mal 400 Meter lang und säumt eine Steilküste. Der Flughafen der Karibikinsel ist außerdem sehr anfällig für Sturmböen. © dpa
Unglaublich: Eigentlich ist der Flughafen von St. Maarten, Karibik, nur für kleine und mittlere Jets geeignet. Piloten größerer Flieger müssen die Landebahn (2180 Meter lang) daher sehr tief über dem traumhaften Sandstrand von Maho Beach und seinen Urlaubern anfliegen und berühren dabei fast den zehn Meter hohen Sicherheitszaun. © dpa
Höchste Präzision erfordert der Landeanflug auf den Flughafen von Gibraltar, Südspanien. Der kleine Airport liegt zwischen der Bucht von Algeciras und dem Mittelmeer. Das Rollfeld ist knapp 1830 Meter lang. Wie auf den anderen kleineren Flughäfen brauchen Piloten hier eine Spezialausbildung. © dpa

Die Eröffnung des Hauptstadtflughafens war am vergangenen Dienstag knapp vier Wochen vor dem Termin am 3. Juni geplatzt. Als Grund nennt die Flughafengesellschaft Probleme beim Brandschutz. Der Bau liegt jedoch auch an vielen Stellen hinter dem Zeitplan, diese stuft die Flughafengesellschaft aber als nicht relevant für den Eröffnungstermin ein.

Die Regierungschefs von Berlin und Brandenburg, Klaus Wowereit und Matthias Platzeck (beide SPD), sprechen nicht mehr von einer Inbetriebnahme im August - wie noch unmittelbar nach der Eröffnungsabsage am vergangenen Dienstag. Offizielle Festlegungen gibt es nicht. Die Spekulationen reichen inzwischen bis zum März 2013.

So lange wollen die Airlines aber nicht warten. “Davon halte ich überhaupt nichts“, sagte der Chef des größten Flughafennutzers Air Berlin, Hartmut Mehdorn, am Dienstag. “Wir brauchen den Flughafen so schnell wie möglich, Tegel reicht nicht mehr.“ Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft will, dass der Airport Ende Oktober beim Wechsel vom Sommer- zum Winterflugplan in Betrieb geht.

Die Gremien tagen laut Flughafengesellschaft auf der Baustelle des Flughafens. Dort können sie sich ein Bild machen - sie entziehen sich auf dem abgesperrten Gelände aber auch kritischen Fragen am Rande der mehrstündigen Beratungen. Den Aufakt macht am Vormittag (1100) der Projektausschuss, ein Arbeitskreis des Aufsichtsrats mit Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) als Vorsitzendem.

Am Nachmittag (1530) tagt der Aufsichtsrat unter Vorsitz Wowereits. Das Kontrollorgan hat 15 Mitglieder, darunter Platzeck, Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) und als Vertreter des Bundes Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba (CDU). Thema dürften auch die zusätzlichen Kosten durch die verschobene Eröffnung des 2,5-Milliarden-Euro-Baus sein. Die Betreiber gehen von 15 Millionen Euro pro Monat aus, aber Schadenersatzforderungen sind nicht eingerechnet.

Air Berlin will in den nächsten Tagen eine Summe nennen, kündigte Mehdorn an. “Wir gehen davon aus, dass der Flughafen zu dieser Panne steht und den Schaden reguliert.“ Es gebe Mehrkosten an vielen Stellen, wie etwa die Stornierung von Umzugsaufträgen, Transporte von Kerosin und Ersatzteilen von Schönefeld nach Tegel und Personalverstärkung für die Gepäckabfertigung am alten Flughafen.

dpa

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