Unter 1,35 Dollar gefallen

Schäuble: Euro wird überschätzt

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Paris - Ausgerechnet Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) äußert sich kritisch gegen den Euro: Die Währung werde derzeit überschätzt - und stürzt am Freitag an der Börse ab.

Der Euro ist am Freitag erstmals seit Februar unter die Marke von 1,35 US-Dollar gefallen. Händler begründeten den Verkaufsdruck mit den jüngsten geopolitischen Spannungen. Am Nachmittag konnte sich die Gemeinschaftswährung aber wieder etwas erholen und sie wurde bei 1,3516 Dollar gehandelt. Gegen Mittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,3525 (Donnerstag ebenfalls 1,3525) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7394 (0,7394) Euro.

Am Devisenmarkt blieben die Auswirkungen neuer geopolitischer Spannungen aber zunächst vergleichsweise begrenzt. Am Vormittag konnte weder der mutmaßliche Abschuss eines großen Zivilflugzeugs in der Ostukraine noch der Beginn einer Bodenoffensive Israels im Gazastreifen für nennenswerte Bewegung am Devisenmarkt sorgen. Erst am Nachmittag rutschte der Kurs des Euro für kurze Zeit unter 1,35 Dollar und erreichte bei 1,3491 Dollar den tiefsten Stand sei Anfang Februar.

Händler sprechen von einer spürbaren Nervosität am Markt. Die Anleger fürchten nach dem Absturz eines Passagierflugzeugs weitere Sanktionen gegen Russland. „Die neue Qualität, die der Bürgerkrieg damit erhält, verstärkt die Vermutung der Devisenmarktteilnehmer, dass ökonomisch relevante Sanktionen gegen Russland wahrscheinlicher werden“, kommentierte Experte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,79155 (0,79090) britische Pfund, 137,07 (137,27) japanische Yen und 1,2144 (1,2147) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London mit 1307,25 (1302,50) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 30 600,00 ( 30 420,00) Euro.

Finanzminister Schäuble: Euro wird überbewertet

Die europäische Gemeinschaftswährung wird nach Einschätzung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble derzeit überbewertet. „Der Euro ist eine stabile Währung. Zu stabil, überschätzt an den Finanzmärkten“, sagte er am Freitag bei einer Diskussionsveranstaltung zum Thema „Die Zukunft der Eurozone“ in Paris. Gleichzeitig betonte Schäuble, dass eine aktive Wechselkurspolitik kein geeignetes Mittel sei, um die Wettbewerbsfähigkeit von Staaten zu verbessern.

Für eine gezielte Schwächung des Euro hatte sich zuletzt unter anderem Frankreich ausgesprochen. Das Land erhofft sich durch einen solchen Schritt eine Stärkung der Exportwirtschaft.

Als aktuelle Probleme in Eurogruppe nannte Schäuble die unzureichende Verbindlichkeit von Entscheidungen in der EU und mangelnde Effizienz bei der Verwendung von EU-Fördermitteln in Ländern wie Italien. Dabei kritisierte er auch die aktuelle Niedrigzins-Politik der Zentralenbanken. Ein Übermaß an Liquidität berge das Risiko von neuen Spekulationsblasen, sagte Schäuble.

IWF-Chefin Christine Lagarde nannte es eine gute Nachricht, dass sich Europa von der zurückliegenden Krise zu erholen scheine. Gleichzeitig warnte sie vor zu viel Optimismus. „Die Orientierung der Märkte ist sehr positiv, vielleicht zu positiv in Bezug auf die Fundamentaldaten“, sagte die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), die gemeinsam mit Schäuble an der Diskussionsveranstaltung der Robert-Schuman-Stiftung teilnahm.

dpa

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