Fehlende Tarifbindung ist Hauptgrund für Lohnungleichheit

+
Wer mehr will als den Mindestlohn, muss sich organisieren. Foto: Marius Becker/Archiv

Wer gut verdient, durfte sich in den vergangenen Jahren über Lohnzuwächse freuen. Niedrige Löhne sanken einer Studie zufolge dagegen. Die Bertelsmann-Stiftung sieht Handlungsbedarf - auch nach Einführung des Mindestlohns.

Gütersloh (dpa) - Immer weniger Betriebe in Deutschland zahlen nach Tarif. Das verschärft laut einer Studie von Bertelsmann-Stiftung und Münchner Ifo-Institut die Lohnungleichheit.

Nach der Analyse führt vor allem die sinkende Tarifbindung dazu, dass die Lohnschere in Deutschland immer weiter auseinanderklafft. Die Globalisierung, also die zunehmende internationale Verflechtung der Wirtschaft, spiele dagegen eine deutlich geringere Rolle.

Seit Mitte der 1990er Jahre ist den Angaben zufolge der Anteil der Unternehmen, die nach Tarif zahlen, von 60 Prozent auf mittlerweile 35 Prozent gesunken. Der Anteil der tarifgebundenen Beschäftigen fiel von 82 auf 62 Prozent. Im gleichen Zeitraum stiegen die Reallöhne inflationsbereinigt im oberen Fünftel um 2,5 Prozent, während das Lohnniveau im unteren Fünftel um 2 Prozent zurückging.

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Lohnungleichheit in Deutschland nach wie vor geringer ist als im Durchschnitt der OECD-Staaten (Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung). In den vergangen 20 Jahren sei die Schere in der Bundesrepublik aber stärker auseinandergegangen als in den USA oder Großbritannien, so die Forscher.

Als Hauptgrund sieht die Studie vor allem den veränderten Arbeitsmarkt. Neue Arbeitsplätze seien vor allem durch flexiblere Bezahlung im Niedriglohnsektor entstanden. Laut Statistischem Bundesamt waren 2006 rund 19 Prozent im unteren Lohnbereich beschäftigt, 2010 waren es bereits fast 21 Prozent.

"Wir brauchen in Deutschland mehr Anstrengungen, um die Einkommensungleichheit zu verringern und dabei die Beschäftigungsverluste möglichst gering zu halten", sagte Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Stiftung laut Mitteilung. Auch nach Einführung des Mindestlohns bestehe hier weiter Handlungsbedarf.

Pressebereich der Bertelsmann-Stiftung

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Angespielt: "Star Wars Battlefront II" im Test

Angespielt: "Star Wars Battlefront II" im Test

Krass: Sieben User setzten sich auf Alkoholentzug - das passierte

Krass: Sieben User setzten sich auf Alkoholentzug - das passierte

USA schicken fast 60.000 Flüchtlinge aus Haiti zurück

USA schicken fast 60.000 Flüchtlinge aus Haiti zurück

Das sind die teuersten Sportwagen aller Zeiten

Das sind die teuersten Sportwagen aller Zeiten

Meistgelesene Artikel

US-Staatsanwalt nimmt Google ins Visier

US-Staatsanwalt nimmt Google ins Visier

Darauf müssen sich Verbraucher im kommenden Jahr einstellen

Darauf müssen sich Verbraucher im kommenden Jahr einstellen

Gibt es bald „Beauty-Waggons“ in Zügen?

Gibt es bald „Beauty-Waggons“ in Zügen?

Flughafen BER: Noch 30 „technische Risiken“ in Fluggastterminal

Flughafen BER: Noch 30 „technische Risiken“ in Fluggastterminal

Kommentare