Fast jeder zweite Erwerbstätige schaut nach Feierabend in Mails

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Eine Frau arbeitet am Strand von Santa Poca auf Mallorca mit ihrem Laptop am Wasser. Foto: Patrick Seeger

Flexibles Arbeiten ist Segen und Fluch zugleich. Die ständige Erreichbarkeit im Berufsleben kann einer Studie zufolge auch gesundheitliche Folgen habe.

Berlin (dpa) - Fast jeder zweite Erwerbstätige in Deutschland schaut nach Feierabend in seine dienstlichen E-Mails. In einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov gaben 45 Prozent an, in der Regel mindestens einmal oder öfter nach Dienstschluss in ihr geschäftliches Mailpostfach zu gucken.

Etwa 20 Prozent der Befragten werden außerdem mindestens einmal pro Woche nach Feierabend angerufen. Bei 28 Prozent kommt das weniger als einmal pro Woche, bei 42 Prozent überhaupt nicht vor.

Dabei wird die viel gelobte Flexibilität auch zur Last. Etwa jeder Dritte empfindet die ständige Erreichbarkeit inzwischen als "eher" oder "sehr belastend". Ebenfalls ein Drittel der Erwerbstätigen finden die Störungen im Feierabend "ein wenig belastend" und noch einmal ein Drittel sehen darin überhaupt kein Problem. Etwa jeder Dritte hat in seinem letzten Urlaub mindestens einmal in seine E-Mails geschaut. Gleichzeitig stört es etwa 40 Prozent aller Deutschen, wenn ihre Begleitung im Urlaub berufliche E-Mails lesen würde.

Eine ebenfalls am Montag veröffentlichte Studie der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) bestätigte: Ständig für den Beruf auf Abruf zu stehen, kann auf die Gesundheit schlagen. Der iga gehören neben dem Verband der Ersatzkassen auch die Gesetzliche Unfallversicherung, der AOK-Bundesverband und der BKK Dachverband angehören.

Etwa ein Fünftel der Befragten in der Studie gaben an, in ihren Schlaf- und Erholungszeiten beeinträchtigt zu sein. Etwa ein Drittel fühlen sich im Familienleben und bei Freizeitaktivitäten während der Wochen und am Wochenende gestört. Der Anteil der Beschäftigten, die wegen der permanenten Erreichbarkeit nicht zur Ruhe kommen, sich schlecht erholen oder gedanklich von der Arbeit lösen können, sei außerdem signifikant größer als bei Berufstätigen mit klar abgegrenzter Freizeit, heißt es in der Studie.

Gut 60 Prozent der Befragten, die in der Freizeit erreichbar sind, wünscht sich deshalb gesetzliche oder betriebliche Regelungen für die Erreichbarkeit. Das Bundesarbeitsministerium hat verschiedene Beispiele zusammengetragen. So gibt es beim Mischkonzern Evonik, ebenso wie beim Autobauer Daimler Regeln für den Umgang mit E-Mails nach Feierabend. BMW bietet spezielle Schulungen für flexibles Arbeiten an.

Bei den Partnern der Berufstätigen ist der Leidensdruck der iga-Studie zufolge noch höher. Etwa 83 Prozent sind für klare Regeln, fast 70 Prozent sprachen sich dafür aus, dass die Erreichbarkeit komplett wegfällt. Schon im ersten Teil der Studie aus dem Jahr 2013, für den Experten und Firmen befragt wurden, teilten alle Experten die Einschätzung, dass negative Auswirkungen auf die Gesundheit mit ständiger Erreichbarkeit verbunden sein können.

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