Konjunkturoptimismus der EZB steigt

Leitzins bleibt auf Rekordtief

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Mario Draghi

Frankfurt - Die tiefe Rezession im Euroraum ist endlich überwunden, doch Europas Währungshüter verharren im Krisenmodus. Zwar sehen sie die Konjunktur nicht mehr gar so düster, doch die Risiken sind hoch.

Europas Währungshüter halten das Geld im Euroraum trotz verbesserter Konjunkturaussichten extrem billig. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern, wie EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt erneut betonte: „Die Geldpolitik wird so lange wie nötig locker bleiben. Der EZB-Rat erwartet, dass die Zinsen für einen längeren Zeitraum auf dem derzeitigen Niveau oder darunter bleiben.“ Im Frühjahr hat der Euroraum die Rezession nach eineinhalb Jahren hinter sich gelassen. Doch die Erholung verlaufe sehr langsam, und die Risiken seien weiter hoch.

Die Europäische Zentralbank (EZB) beließ den Leitzins im Euroraum am Donnerstag auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. Angesichts der niedrigen Inflation im Euroraum von zuletzt 1,6 Prozent im August müssen die Währungshüter vorerst nicht an der Zinsschraube drehen.

Nach Einschätzung Notenbank wird die Konjunkturschwäche im Euroraum schneller enden als bisher erwartet. Nach neuesten Prognosen erwartet die EZB, dass die Wirtschaft im Währungsgebiet im laufenden Jahr nur um 0,4 Prozent schrumpfen wird. Im Juni war die EZB noch von minus 0,6 Prozent ausgegangen. Für 2014 sagt die Notenbank nun 1,0 (bisher: 1,1) Prozent Wachstum vorher. Die Inflation im Euroraum sehen die Währungshüter 2013 nun bei 1,5 (bisher 1,4) Prozent und 2014 weiterhin bei 1,3 Prozent. Damit würde die jährliche Teuerung deutlich unter der Warnschwelle der EZB von 2,0 Prozent bleiben.

Die niedrigen Zinsen sind gut für Kreditnehmer - aber sie nagen an den Einlagen der Sparer. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich für einen abgestimmten Ausstieg der Top-Wirtschaftsmächte aus der lockeren Geldpolitik aus. „Es wird schrittweise notwendig sein, dass wir die recht lockere Geldpolitik auch verändern“, sagte Merkel in St. Petersburg vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs weltweit führenden Volkswirtschaften (G20).

Angesichts der Konjunkturerholung verstummen allmählich die Forderungen nach noch billigerem Zentralbankgeld. „Im Zuge der konjunkturellen Erholung im Euroraum hat sich die Zinssenkungsfantasie weitgehend verflüchtigt“, sagte Helaba-Ökonom Ulf Krauss. „Damit wurde ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Lösung der Schuldenkrise in der Währungsunion getan.“

Anders als die EZB hat die US-Notenbank Fed schon im Mai eine geldpolitischen Wende angedeutet, die Pläne für den schrittweisen Ausstieg aus ihrem milliardenschweren Anleihenkäufen aber noch nicht präzisiert. Mit dem Programm sollen die Langfristzinsen gedrückt werden, um die Konjunktur zu beleben. Nach ihrem am Mittwoch vorgelegten Konjunkturbericht (Beige Book) ist die US-Wirtschaft im Juli und August erneut „mäßig bis moderat“ gewachsen.

Unterdessen forderte der Internationale Währungsfonds (IWF) von den wichtigsten Notenbanken mehr Klarheit über deren Kurs. „Eine klare Kommunikation über die Absichten der Notenbanken ist entscheidend, um neue Finanzexzesse oder abrupte Verschiebungen von Kapitalströmen zu verhindern“, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten IWF-Bericht für den G20-Gipfel. Nach Einschätzung des IWF gäbe es „Spielraum für eine bessere Kooperation“ in der Frage, wann und wie die Notenbanken aus ihren unkonventionellen Maßnahmen zur Stützung der Finanzmärkte aussteigen.

Hintergrund sind die Turbulenzen an den Finanzmärkten vieler Schwellenländer vor allem in Asien. Dort hatten Investoren in den vergangenen Wochen massenhaft Kapital abgezogen. Neben hausgemachten Problemen in den Schwellenländern gilt die absehbare Verringerung der Anleihekäufe durch die US-Notenbank Fed als wichtigster Grund dafür.

Auch die britische Notenbank Bank of England beließ den Leitzins am Donnerstag auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent.

dpa

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