Nach ADAC-Umfrage

Elektroautos: Besitzer genervt von Infrastruktur der Ladesäulen

Der ADAC hat 400 Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos nach ihren Erfahrungen auf Langstreckenfahrten gefragt. Das Ergebnis fällt mau aus: Viele Erfahrungen sind schlecht.

Berlin – Autobauer rund um den Globus rüsten auf Elektroautos um, Volkswagen verkündete dafür jüngst den Bau des E-Auto-Werks für die Trinity-Reihe. Die Konkurrenz auf dem Markt ist groß, doch es gibt noch viele ungeklärte Fragen. Nutzer beklagen nun erneut die schlechte Infrastruktur der Ladesäulen und zeichnen ein eher düsteres Bild der Mobilitätswende. Reichweitenangst scheint hingegen mehr und mehr ein Thema derjenigen zu sein, die noch kein E-Auto besitzen.

Vereinigung:ADAC/Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V.
Mitglieder:21.2 Millionen (Stand Ende 2020)
Sitz:München

Elektroauto: Erfahrungen der Infrastruktur für Ladesäulen von E-Autos schlecht – Ladeapps und Ladekarten für Batterieautos fehlerhaft

Die Erfahrungen von Kunden bei Infrastruktur für E-Autos sind schlecht. Dabei beklagen sich Fahrer von Elektroautos vor allem über defekte Ladesäulen: Fast ein Drittel der Befragten erklärte bereits Probleme mit Ladesäulen gehabt zu haben. Diese hätten zumindest gelegentlich keinen Ladevorgang zugelassen. Hauptgrund dafür sind offensichtlich vor allem kaputte oder nicht betriebsbereite Ladesäulen. Auch die Nicht-Auffindbarkeit von Ladesäulen spielte in der Umfrage eine Rolle.

Als besonders problematisch wurde durch die Befragten die Freischaltung der Säulen empfunden. Immer wieder würden Ladekarten oder Ladeapps nicht akzeptiert werden.

Unübersichtliche Preise für das Laden von Elektroautos – Unzufriedenheit auch mit der Handhabe von Ladestationen

Mit der Preisgestaltung der Ladevorgänge für Elektroautos zeigten sich viele der Befragten ebenfalls unzufrieden. Sie gaben an, es sei unübersichtlich, wie die Preise zusammenkämen. Nur rund 38 Prozent von ihnen erklärten, die Informationen über Kosten wären ausreichend. An Ladesäulen sei es oft nicht nachvollziehbar, was letzten Endes abgerechnet wird. Hierauf hatte die neue Bundesregierung bereits in ihrem Koalitionsvertrag reagiert. Als einen von mehreren Punkten zum Thema Verkehrswende führten die Ampelparteien in ihrem Papier an, man wolle die Strompreise transparenter gestalten.

Die Infrastruktur von Ladesäulen bereitet vielen Besitzern von Elektroautos Sorgen

Zudem zeigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage kritisch mit der Handhabe von Ladesäulen. Verbesserungsbedarf sahen sie insbesondere im Bereich der Bezahlmethoden: 67 Prozent von ihnen gaben an, direktes Bezahlen mit Giro-, Debit- oder Kreditkarten via Kartenlesegerät würde den Vorgang deutlich vereinfachen. Zumindest in dieser Frage naht Abhilfe: Gemäß der neuen Ladesäulenverordnung müssen Ladesäulen ab 2023 mit Lesegeräten für Kartenzahlung ausgestattet werden.

Elektroautos: Auch Langstreckenangst noch immer ein Thema – immer seltener jedoch für Besitzer von Batteriewagen

Interessant ist auch eine weitere Erkenntnis, zu der der ADAC in seiner Umfrage kommt: Reichweitenangst ist weiterhin ein Thema, vor allem aber unter denjenigen, die bisher kein Elektroauto besitzen. Unter Elektroauto-Fahrern fürchten nur noch 23 Prozent, die nächste Ladestation nicht schnell genug zu erreichen. Nur fast jede zweite Person erklärte allerdings, Schnellladesäulen seien leicht auffindbar.

Auch wenn die Umfrage vermittelt, dass Reichweitenangst vor allem eine Sorge derer ist, die noch kein E-Auto besitzen, ist eines klar: Die Ladeinfrastruktur in Deutschland ist ausbaufähig. Für den Ladesäulenbetreiber Ionity kam der kürzliche Einstieg von Finanzriesen Blackrock daher wie gerufen.

Ärgerlich für die Konkurrenz: Fahrer von Tesla-Elektroautos zufriedener

In der ADAC-Umfrage wurden 400 Fahrer reiner Elektroautos befragt. Voraussetzung für die Teilnahme war, dass diese in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal eine Strecke von zumindest 100 Kilometer zurückgelegt hatten. Zudem sollten sie dabei von einer Schnellladesäule Gebrauch gemacht haben.

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Als Vergleichsgruppe befragte der ADAC 100 Tesla-Fahrer. Der US-Konzern verfügt über ein eigenes Ladesystem, mit sogenannten „Superchargern“. Dabei zeigten sich die Tesla-Fahrer deutlich zufriedener: In nahezu allen Bereichen bewerteten sie ihr Ladeerlebnis besser, als die 400 anderen Elektroautofahrer.

Das Elektroauto hat noch einen weiten Weg vor sich

Die Umstellung auf Elektromobilität läuft – in einigen Bereichen jedoch schleppend. Autobauer sind bereit, neue Wege zu gehen: So setzt VW zur Umschulung seiner Mitarbeiter auf das VW-Elektroauto auf neue Schulungsmethoden. In seinem Zwickauer Werk sperrte der Konzern seine VW-Mitarbeiter nun in Escape-Rooms, um sie auf die Umstellung vorzubereiten.

Dennoch zeigt die ADAC-Umfrage, dass es noch an vielen Ecken hakt. Unter denen, die bereits ein Elektroauto besitzen, spielt Reichweitenangst keine große Rolle mehr. Trotzdem gibt es viele Kritikpunkte. Das Ladeerlebnis wird nach wie vor überwiegend als unzureichend empfunden. Anbieter und Politik müssen nun schnelle Lösungen für eine funktionierende Infrastruktur finden. Die Zeit drängt: Die Ampelkoalition kündigte gerade erst 15 Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen bis 2030 an.* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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