"Übervorteilung wohlhabender Ehepaare"

DIW-Chef Fratzscher plädiert für Reform des Ehegattensplittings

Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).
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Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Köln - Der durch das Ehegattensplitting erzielte Steuervorteil für Verheiratete sollte aus Sicht des Ökonomen Marcel Fratzscher deutlich gesenkt werden.

In seiner jetzigen Form begünstige die Regelung "überproportional Eheleute, die schon viel haben", sagte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, der "Rheinischen Post" (Dienstagsausgabe). Fratzscher plädierte stattdessen für eine bloße Unterhaltspflicht für Ehepartner, wodurch der staatliche Einnahmeverlust auf zehn Milliarden Euro jährlich halbiert würde. 

Momentan entgingen dem Fiskus durch die Regelung etwa 20 Milliarden Euro im Jahr. "Das Ehegattensplitting kann und sollte" daher im Volumen "deutlich reduziert" werden, schlussfolgerte Fratzscher. Neben der Übervorteilung wohlhabender Ehepaare führe die Regelung außerdem zur Verdrängung von Frauen aus dem Arbeitsmarkt, erläuterte der DIW-Leiter. Zudem sprach er sich für geringere Kinderfreibeträge und weniger Kindergeld für Gutverdiener aus, da diese das zusätzliche Geld nicht bräuchten. 

In der derzeitigen Gesetzeslage wird beim Ehegattensplitting das zu versteuernde Einkommen Verheirateter addiert und der Gesamtbetrag halbiert. Auf diese Summe wiederum wird dann die Einkommenssteuer berechnet und verdoppelt, wodurch das Einkommen des besser verdienenden Ehepartners weniger stark und das des anderen stärker belastet wird. Beiden Eheleute zusammen bleibt durch die Regelung am Ende aber mehr Geld übrig.

afp

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