DIW-Chef blickt mit "großer Sorge" auf 2015

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Für Deutschland erwartet DIW-Chef Fratzscher einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf rund drei Millionen Menschen. Foto: Sebastian Kahnert/Archiv

Berlin - Das Wirtschaftsforschungsinstitut DIW sieht mit Blick auf das kommende Jahr enorme Risiken für die Konjunktur. "Ich blicke mit großer Sorge auf 2015", sagte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, der dpa.

Als Hauptgrund nannte er die Euro-Schuldenkrise: "Wir sind noch immer nicht aus der Krise heraus. Die Wahrscheinlichkeit, dass Europa im nächsten oder übernächsten Jahr in die Rezession abgleiten könnte, ist enorm."

In wichtigen Ländern wie Frankreich oder Italien entwickelt sich die die Konjunktur nur schleppend. Mit Blick auf die anhaltend niedrigen Zinsen in der Eurozone sagte Fratzscher: "Das ist schmerzvoll, aber notwendig, um der europäischen Wirtschaft eine Chance zu geben sich zu erholen."

Für Deutschland erwartet Fratzscher eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums und einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf rund drei Millionen Menschen. Es komme in Deutschland vor allem darauf an, die "Investitionsschwäche" zu beheben, sagte Fratzscher. "Das ist unsere Achillesferse." Hier müsse die Politik die richtigen Anreize setzen. Das angekündigte 10-Milliarden-Paket sei nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Auch global gesehen gebe es viele Risiken, sagte Fratzscher. "Können die USA ihre positive Entwicklung fortsetzen, rutscht China in eine Krise, etwa im Bankensystem?" Dazu kämen die weiterhin ungelöste Ukraine-Krise und der Konflikt mit Russland sowie die Entwicklung im Nahen Osten.

Mit Blick auf die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland zu Jahresbeginn sagte Fratzscher: "Ich sehe das relativ entspannt." Positiv sei immerhin, dass durch den Mindestlohn Millionen Arbeitnehmer höhere Einkommen hätten. "Das stärkt die Binnenkonjunktur. Der private Konsum wird auch im nächsten Jahr die tragende Stütze der deutschen Wirtschaft sein. Trotzdem ist Vorsicht geboten, so dass der Staat nicht mehr Verzerrungen im Arbeitsmarkt einführt."

dpa

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