Wirtschaftsforscher prognostizieren

Deutschlands Bevölkerung wird wachsen - wegen Zuwanderung

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Ein Asylbewerber arbeitet im Rahmen seiner Ausbildung in einer Schreinerei in Baden-Württemberg. Immer mehr Flüchtlinge kommen auf den deutschen Arbeitsmarkt.

München - Noch bis vor kurzem drohte der Bundesrepublik ein Bevölkerungsrückgang. Nun sollen bis zum Jahr 2035 doch rund 1,2 Millionen Menschen mehr in Deutschland leben als heute. Grund: die Zuwanderung.

Wegen der zahlreichen Zuwanderer der jüngeren Zeit ist in Deutschland auf Sicht von 20 Jahren nach Einschätzung von Wirtschaftsforschern doch nicht mit einem Bevölkerungsrückgang zu rechnen. Im Jahr 2035 würden 83,1 Millionen Menschen in der Bundesrepublik leben und damit rund 1,2 Millionen mehr als derzeit, teilte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Montag in Köln mit.

Forderung: Statistische Bundesamt soll nachbessern

Das Statistische Bundesamt hatte in seiner im vorigen Jahr erstellten Prognose für 2035 je nach weiterer Entwicklung der Zuwanderung eine Bevölkerungszahl von maximal rund 80 Millionen vorausgesagt, also drei Millionen weniger als das arbeitgebernahe Institut jetzt. Dieses forderte Nachbesserungen in der offiziellen Vorausberechnung.

"Diese gravierende Abweichung müssen Politiker und Entscheider berücksichtigen, wenn sie zum Beispiel Infrastrukturen planen oder über den Wohnungsbau und die Arbeitsmarktpolitik nachdenken", erklärte IW-Geschäftsführer Hans-Peter Klös.

Das Institut berief sich darauf, dass das Bundesamt für 2015 eine Nettozuwanderung von 500.000 Menschen angenommen hatte. Tatsächlich seien allerdings 1,1 Millionen Menschen gekommen. Das IW ging bei der Berechnung seiner Zahlen zudem davon aus, dass darüber hinaus noch bis zu 400.000 nicht erfasste Flüchtlinge in Deutschland seien.

Niedrigen Arbeitslosigkeit: Deutschland ist attraktiv

Das entspreche der Zahl der Ende des vergangenen Jahres noch nicht entschiedenen Asylverfahren. Insgesamt sei aber nur etwas mehr als die Hälfte der im vergangenen Jahr eingewanderten etwa zwei Millionen Menschen Flüchtlinge, betonte das Institut am Montag weiter. Deutschland sei auch wegen der niedrigen Arbeitslosigkeit attraktiv.

Einig waren sich IW und Statistisches Bundesamt darin, dass die verstärkte Zuwanderung an der zunehmenden Alterung der Gesellschaft generell nichts ändere. Nach Prognose des Kölner Instituts werden 2035 knapp 26 Prozent der Bevölkerung älter als 67 Jahre sein, heute sind es 19 Prozent. Im Januar hatte das Statistische Bundesamt betont, der Trend zur zunehmenden Alterung werde durch die aktuelle Zuwanderung nicht generell umgekehrt.

Damals hatten die amtlichen Statistiker zugleich betont, die hohen Zuwanderungszahlen des vergangenen Jahres hätten für sich genommen "nur sehr eingeschränkte Auswirkungen auf die langfristige Bevölkerungsentwicklung". Bei den Ereignissen des Jahres 2015 handle es sich zunächst um eine "Sonderentwicklung". Es sei derzeit unmöglich, die demografischen Auswirkungen in einer längerfristigen Prognose adäquat vorherzusagen.

AFP

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