Deutschland treibt Europas Wirtschaft an

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Deutschland treibt Europas Wirtschaft an.

Wiesbaden - Die deutsche Wirtschaft strotzt vor Kraft und hat sich mittlerweile zur Konjunkturlokomotive in Europa entwickelt. Doch noch sind nicht alle Euroländer wieder auf den Beinen.

Mit durchgedrücktem Gaspedal rast die deutsche Wirtschaft in den Aufschwung. Die Industrie investiert quer durch alle Branchen kräftig, der private Konsum brummt, und am Bau werden Verluste nach dem kalten Winter aufgeholt. Dank des überraschend starken Quartalswachstums von 1,5 Prozent zum Jahresanfang ist der Einbruch aus der tiefen Rezession 2009 schneller als erwartet aufgeholt - und die Krisen rund um den Globus können der deutschen Wirtschaft bisher nichts anhaben.

Stattdessen hat sich die hiesige Wirtschaft zum europäischen Zugpferd gemausert. Profitiert haben Länder wie der wichtige Handelspartner Frankreich, der im ersten Quartal gegenüber Ende 2010 um starke 1,0 Prozent zulegte, und auch die Eurozone insgesamt (plus 0,8 Prozent).

Die Schuldensünder der Euro-Länder im Ranking

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Die Krisenländer am Rande des Euroraums kommen hingegen noch nicht wieder in Fahrt: “Diese werden noch über Jahre auf fremde Hilfe angewiesen sein“, prophezeit Commerzbank-Analyst Christoph Weil. Denn die Reformen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit würden erst mittelfristig Früchte tragen.

Doch Berenberg-Bank-Chefvolkswirt Holger Schmieding ist überzeugt: “Die deutsche Stärke ist gut für Europa.“ Sie breite sich allmählich aus und erreiche Länder wie Frankreich, während Spanien die Chance bekomme, “sich aus Krise zu exportieren“. Das hat zuletzt ganz gut geklappt: Spaniens Wirtschaft wuchs gegenüber dem Schlussquartal 2010 um 0,3 Prozent.

“Das bestärkt uns in der Hoffnung, dass Europa ein Überschwappen der Staatsschuldenkrise vermeiden und Spanien beschützen kann“, sagt Schmieding. Das sei wichtig - denn mit dem Versuch, den iberischen Riesen zu retten, könnte sich Euroland überheben: Spaniens Wirtschaft ist beinahe doppelt so groß wie die von Irland, Griechenland und Portugal zusammen.

Vom kranken Mann zur Wachstums-Lokomotive

Mit dem kräftigen Wachstum kann Deutschland auch anderen als Vorbild dienen. “Deutschland ist vom kranken Mann zur Wachstums-Lokomotive Europas gesundet“, sagt Klaus Wübbenhorst, Chef der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Denn das deutsche Beispiel beweist, dass sich schmerzhafte Einschnitte und Reformen auszahlen können, betont Schmieding: “Wenn die Euro-Schuldenländer ihren Sparkurs fortsetzen, können sie sich auf starkes Wachstum freuen.“

Zunächst stecken Schuldensünder wie Portugal aber noch in der Rezession, wobei Griechenland ausgerechnet am Freitag dem 13. einen Hoffnungsschimmer aussandte: Völlig unerwartet kletterte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal um 0,8 Prozent zum Vorquartal. Damit liegt die Wirtschaftsleistung allerdings immer noch um 4,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Keine Frage: Die Griechen brauchen einen langen Atem. Die Entwicklung in Deutschland zeigt, dass Strukturreformen erst mit großer zeitlicher Verzögerung wirken. “Zu hoffen, dass beispielsweise Griechenland oder Portugal innerhalb von einem Jahr hoch wettbewerbsfähige Länder werden können, ist illusorisch“, betont Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud.

Niedrige Zinsen fachen Konjunktur weiter an

Nach Überzeugung der Commerzbank wird Deutschland noch lange besser abschneiden als andere. “Denn es profitiert nicht nur von seiner hohen Wettbewerbsfähigkeit, die es sich seit Beginn der Währungsunion erarbeitet hat“, sagt Chefvolkswirt Jörg Krämer. Die Konjunktur in Deutschland werde auch durch niedrige Zinsen angefacht, die aus Rücksicht auf die darbenden Peripherieländer nur allmählich steigen dürften. Das Zinsniveau von 1,25 Prozent sei für das stark wachsende Deutschland jedenfalls viel zu niedrig, sagt Krämer: “Für Deutschland wären wohl 3 Prozent angemessen.“

So werde der Druck auf Länder mit sprudelnden Steuereinnahmen steigen, neuen Hilfskrediten für Griechenland zuzustimmen, prophezeit Krämer: “Der Euroraum wandelt sich immer mehr zu einer Transferunion.“

Eine Alternative zum Rettungsschirm sieht Ökonom Schmieding nicht: “Die Sicherheitsnetze, die für Griechenland und andere Länder gespannt wurden, haben den Aufschwung Kerneuropas erst ermöglicht, indem sie die bösartige Finanzkrise am Rand der Eurozone hielten.“ Auch künftig müsse eine Ansteckung deshalb verhindert werden: Sonst könnte die Finanzkrise ganz schnell auf Deutschland überschwappen.

dpa

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