Deutsche haben immer weniger Lust auf Aktien

Frankfurt/Main - Vielen Deutschen ist in den vergangenen Jahren die Lust auf Aktien vergangen. Eine Studie sagt: Vor allem Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen ziehen sich zurück.

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Die Zahl der Aktienanleger in Deutschland ist nach den Börsenturbulenzen 2008/09 weiter gesunken. Im ersten Halbjahr 2010 hatten 8,6 Millionen Bundesbürger Aktien oder Anteile an Aktienfonds in ihrem Depot, das waren rund 200 000 weniger als ein Jahr zuvor. Dies geht aus der am Donnerstag vorgestellten halbjährlichen Studie des Deutsche Aktieninstituts (DAI) in Frankfurt hervor.

Vor der jüngsten Finanzkrise waren im Jahr 2007 noch rund 10,3 Millionen Menschen in Deutschland Aktien- oder Aktienfondsbesitzer. Auf dem Höhepunkt kurz nach Platzen der Internet-Blase wurden sogar fast 12,9 Millionen Aktienanleger gezählt. “Vor allem niedrige und mittlere Einkommensschichten haben sich in den letzten Jahren stark aus der Aktienanlage zurückgezogen“, sagte DAI-Chef Rüdiger von Rosen laut Mitteilung.

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Wie bereits im vergangenen Jahr stieg die Zahl der direkten Besitzer von Aktien leicht an, die Zahl der Investoren in Fonds sank aber stärker. Die Umfrage-Ergebnisse stünden nicht im Widerspruch zu Erhebungen des Fondsverbandes BVI, wonach Aktien- und Mischfonds in den ersten fünf Monaten zusammen 13,3 Milliarden Euro frische Mittel erhielten, erklärte das Aktieninstitut. Vielmehr zeige dies, dass einige Investoren ihre Bestände ausgebaut hätten, während andere Anleger sich komplett aus dem Markt verabschiedeten.

Das Aktieninstitut, eine Interessensvertretung von an der Börse gelisteten Unternehmen, sieht in der Entwicklung Gefahren. Gerade Bezieher durchschnittlicher Einkommen seien auf eine Ergänzung der gesetzlichen Rente angewiesen, sagte von Rosen. “Deshalb ist der Verzicht auf die Aktienanlage für diese Gruppe besonders nachteilig.“

Der Verein forderte die Politik auf, die Aktienanlage für Privatanleger wieder attraktiver zu machen. So müsse die doppelte Besteuerung der Aktienerträge auf Ebene der Unternehmen als auch auf Anlegerebene abgeschafft werden. Zudem müsse es bessere Rahmenbedingungen für die private Altersvorsorge geben und die ökonomische und finanzielle Allgemeinbildung erhöht werden.

Das DAI lässt für die Analyse jährlich rund 26 000 Menschen im Alter von mindestens 14 Jahren von dem Forschungsunternehmen Infratest befragen.

dpa

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