Kasse statt Masse

Daimler in der Krise: Luxus als letzte Lösung?

Schon vor der Corona-Pandemie steckte Daimler in einer Krise. Das hat auch mit Fehlern aus der Vergangenheit zu tun. Und doch soll genau diese Krise den Konzern in eine glorreiche Zukunft führen.

  • Daimler sucht nachen Wegen aus der Krise.
  • Das Image früherer Tage soll dabei helfen den Konzern zu retten.
  • Daimler-Chef Ola Källenius setzt seinen Plan konsequent um.

Stuttgart - Manchmal muss man in einer schwierigen Situation die Flucht nach vorne wagen. Das scheint auch Daimler-Chef Ola Källenius so zu sehen. Nach vorne bedeutet im Fall des Automobilkonzerns aber eben auch gewissermaßen einen Schritt zurück und eine Neufokussierung auf das eigentliche Kerngeschäft: Luxusautos!

Dort sieht der Schwede, wie die Welt berichtet - trotz aller Absatzprobleme und einem fetten Milliardenverlust im zweiten Quartal*- die Zukunft der Kernmarke Mercedes-Benz. Lange war die Marke mit dem Stern nämlich der Inbegriff für Limousinen der Premiumklasse und das soll sie auch wieder werden.

Daimler: Fokus auf Luxussegment für Källenius keine Rückbesinnung

„Wir wollen unseren Kern als Hersteller moderner Luxusfahrzeuge stärken, denn dort sind wir historisch stark“, erklärte Källenius noch vor einigen Tagen. „Das ist keine Rückbesinnung auf die Oberklasse, unsere Position liegt immer am oberen Ende des jeweiligen Marktsegmentes.“

Doch ist das auch der Weg raus aus der tiefen Krise mit der Daimler - und auch die gesamte deutsche Automobilindustrie* - schon vor der Corona-Pandemie zu kämpfen hatte? Klar ist laut einem Bericht von echo24.de* nur: Die Modellpolitik bei Daimler wird sich - auch unabhängig von der E-Mobilität - deutlich verändern. Die Mittelklassemodelle wie die B-Klasse werden mittelfristig wohl zugunsten der prestige- und gewinnträchtigen Limousinen wegfallen.

Daimler: Källenius legt anderen Fokus als Zetsche

„Ola Källenius schaut ganz stark auf die Profitabilität, nicht mehr so sehr auf die Steigerung der Stückzahlen, die bei seinem Vorgänger Dieter Zetsche* noch im Fokus stand“, erklärte Frank Biller, Automobilmarkt-Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) gegenüber der Welt.

Viel ist über die Serienversion des EQS noch nicht bekannt.

Ein Modell, das bei Daimler den Luxus wie kaum ein anderes Auto verkörpert, ist die S-Klasse. Bis zum Marktstart der neuen Generation der Luxuslimousine im Herbst ist es zwar noch etwas hin, aber seit dieser Woche gibt Mercedes erste Details bekannt. Im kommenden Jahr soll die S-Klasse dann auch ein vollelektrisches Gegenstück erhalten: den EQS!

Daimler: Zukunft in der Luxus-E-Mobilität

Anders als bei anderen Elektroautos aus dem Hause Daimler handelt es sich beim EQS um eine komplette Neuentwicklung und nicht um eine elektrifizierte Version eines bestehenden Modells wie beispielsweise beim EQC. Mit einer Reichweite von über 700 km soll der Luxus-Stromer dann gleich zum Angriff auf Marktführer Tesla blasen.

„Die Wiederbetonung des Premiumsegments hat für Daimler auch beim Übergang hin zu mehr Elektromobilität einen großen Vorteil“, erklärt Biller. „Profitabilität und Elektromobilität lassen sich in der Premiumklasse einfacher verbinden als am Volumenmarkt.“

Daimler: Erneuter Strategiewechsel

Doch das alleine wird nicht reichen, um das Unternehmen zu retten, dessen Gründer einst das Auto erfunden haben. Das ist auch Källenius klar. Entsprechend sollen auch bei den Personalkosten eingespart werden*, wie viele Stellen letztlich wegfallen, das weiß noch immer keiner so genau. Allerdings benötigt Daimler auch durch den Umstieg auf Elektroautos* künftig weniger Mitarbeiter.

Anders als seine Vorgänger scheint der Schwede den Umbau von Daimler deutlich strategischer anzugehen und mit einem Blick für die Zukunft. Denn in der Vergangenheit hat Daimler bei seinen Strategiewechseln schon des Öfteren daneben gelegen. Die Ära als der Stuttgarter Automobilkonzern in den 1980er Jahren zu einem „integrierten Technologiekonzern" wurde - damals gabs es von der AEG-Waschmaschine über Autos bis zum Raketenantrieb alles unter dem Daimler-Dach - endete mit einem Milliardenverlust.

Daimler: Källenius setzt Plan konsequent um!

Ähnliches gilt für die Fusion mit Chrysler im Jahr 1998! Bereits 2007 trennten sich - rechtzeitig vor der Welt-Finanzkrise - die Wege der beiden Konzerne wieder. Doch auch danach war der Fokus von Daimler nie richtig klar. Vom kleinen Smart bis zur Luxus-S-Klasse unter dem Namen Maybach bedienen die Schwaben praktisch jedes Marktsegment.

Das will Källenius jetzt ändern. Nicht nur Mercedes-Benz soll luxuriöser werden, sondern eben auch Smart. Die wendigen Kleinwagen sind ohnehin eine Art Versuchskaninchen innerhalb des Daimler Konzerns, denn bereits seit einigen Jahren gibt es die Modelle nur noch als Stromer. Künftig sollen die Smart-Elektrofahrzeuge aber in Zusammenarbeit mit Geely in China gebaut werden. Die Fabrik im französischen Hambach* wird dann nicht mehr benötigt und daher verkauft. Nicht auszuschließen, das Källenius auch hier zum Kahlschlag ansetzt und weitere Standort geschlossen werden*. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Daimler AG

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