Konzernumbau

Daimler setzt langfristig auf starke Stammbelegschaft

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Ein Teil des Mercedes-Benz-Werks Untertürkheim und die Daimler-Konzernzentrale: Definitiv beschlossen ist die neue Struktur längst noch nicht. Foto: Marijan Murat

Die Autobranche ist im Wandel, Themen wie autonomes Fahren und E-Mobilität verändern den Markt. Der Großkonzern Daimler setzt daher auf andere Strukturen - und beruhigt seine Beschäftigten.

Stuttgart (dpa) - Der Autobauer Daimler hat seiner Stammbelegschaft im Inland eine langfristige Jobsicherung zugebilligt. Es sei ein Eckpunktepapier unterschrieben worden, das betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2029 ausschließe.

Dies teilte der Konzern in Stuttgart mit. Der Betriebsrat war erfreut. "Keine betriebsbedingten Kündigungen bis 2030 - der längste Zeitraum, den wir je bei Daimler abgeschlossen haben", erklärte Daimler-Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht. Die bisherige Jobsicherung für die gut 130 000 Stamm-Beschäftigten gilt bis 2020.

Ein sogenannter Interessenausgleich soll in den nächsten Wochen abgeschlossen werden. In Zusammenhang mit dem Ausgleich steht auch das Vorstandsvorhaben, den Pensionsfonds des Konzerns noch in diesem Jahr um drei Milliarden Euro zu erhöhen.

Zugleich gab Daimler erste Schritte zu einer neuen Konzernstruktur bekannt - nur wenn diese Pläne verwirklicht werden, greift auch die Jobsicherung. Dem Vorhaben zufolge unterteilt sich der Konzern künftig in die Daimler AG als eine Art Dachgesellschaft sowie in zwei separate, rechtlich selbstständige Geschäftsfelder für Pkw (mit Vans) und Lastwagen (mit Bussen). Hinzu kommen Daimlers Finanzdienstleistungen, die schon jetzt rechtlich selbstständig sind.

Auch die neuen Firmen sollen ihre Zentralen in Deutschland haben und tarifgebunden sein. Insgesamt summieren sich die Investitionen von Daimler in deutsche Standorte nach Angaben des Betriebsrats in den nächsten sieben Jahren auf 35 Milliarden Euro.

Durch die Struktur sollen die Geschäftsfelder eine stärkere unternehmerische Verantwortung bekommen. Man müsse "so schnell und flexibel wie möglich auf neue Marktentwicklungen und ein sich fundamental änderndes Wettbewerbsumfeld reagieren können", sagte Finanzvorstand Bodo Uebber. "Mit dem Projekt schaffen wir die Voraussetzungen für eine größere Kunden- und Marktnähe und damit mehr Wachstumschancen." Konzernchef Dieter Zetsche sagte: "Wer dauerhaft wettbewerbsfähig und nachhaltig profitabel sein will, muss sich kontinuierlich weiterentwicklen und sich an schnell ändernde Umfelder anpassen können - technologisch, kulturell, aber auch strukturell."

Spekulationen über die Strukturpläne gab es schon lange. Dadurch habe es Bedenken in der Belegschaft gegeben, sagte Betriebsrat Brecht. Die Sorgenfalten hätten sich aber geglättet. "Wir reden nicht über eine Restrukturierung, sondern über eine Vorwärtsstrategie - man will die Schlagkraft des Unternehmens erhöhen." So könnten selbstständige Lkw- und Pkw-Aktiengesellschaften künftig leichter mit anderen Unternehmen kooperieren.

Ein Börsengang der neuen Firmen und somit ein Verkauf von Untenrehmensteilen stehe aber nicht an, sagte Brecht. Man habe genug Liquidität. "Im Moment brauchen wir kein Geld." Sollte man zukünftig aber in Schwierigkeiten kommen, könnte man durch die neue Struktur leichter Geld am Kapitalmarkt beschaffen. Vom Vorstand hieß es: "Es ist nicht geplant, dass sich die Daimler AG von einzelnen Geschäftsfeldern trennt."

Definitiv beschlossen ist die Struktur längst noch nicht. Der Vorstand entschied sich am Montag nur, das Projekt weiterzuverfolgen - sofern der Aufsichtsrat zustimmt. Die Hauptversammlung könnte 2019 das finale grüne Licht geben.

Die Jobsicherung bis 2030 sorgte unter Experten für Verwunderung. "Das ist eine mutige Ansage", sagte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch-Gladbach. Angesichts von E-Mobilität und autonomem Fahren sei die Autobranche im Umbruch. "Es ist nur schwer zu sagen, wie es in fünf oder sechs Jahren aussieht - und nun legt man sich bei der Belegschaft für 12 Jahre fest."

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