Daimler-Betriebsratschef: Bei Werkverträgen mehr mitreden

+
Michael Brecht, Gesamtbetriebsratsvorsitzender des Automobilkonzerns Daimler AG. Foto: Bernd Weißbrod/Archiv

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück hat im vergangenen Jahr über eine Betriebsvereinbarung mehr Mitsprache bei Werkverträgen erkämpft. Bei Daimler schwebt den Arbeitnehmervertretern ähnliches vor.

Stuttgart (dpa) - Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht startet einen neuen Anlauf für mehr Mitspracherecht und Transparenz bei der Vergabe von Werkverträgen. "Ich verlasse mich in dieser Frage nicht mehr auf den Gesetzgeber", sagte Brecht der Deutschen Presse-Agentur.

"Wir müssen uns jetzt erneut mit der Frage beschäftigten, inwieweit wir Einfluss nehmen können." Die Bundesregierung hatte im Juni einen Gesetzentwurf gegen den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen vorgestellt. Er sieht vor, dass Betriebsräte künftig über sämtliche Werkverträge informiert werden, ihnen wurde allerdings nicht - wie von einigen Gewerkschaften gefordert - ein Mitspracherecht eingeräumt.

Beim Stuttgarter Autobauer Porsche hatte der Betriebsrat im November eine Vereinbarung mit der Firmenspitze getroffen, wonach der Betriebsrat bei der Fremdvergabe mitreden darf. In der Vereinbarung stecke eine weitgehende, wenn auch keine hundertprozentige Mitbestimmung, hatte Betriebsratschef Uwe Hück im November gesagt.

Bei Daimler war der Betriebsrat mit dem Versuch auf mehr Mitbestimmung gescheitert: Der Konzern hat 2013 zwar Mindestanforderungen für Werkverträge festgelegt. So gelten die Lohnuntergrenzen in dem jeweils für ihre Branche geltenden Tarifvertrag. Der Betriebsrat hatte gefordert, dass der gesamte Tarifvertrag inklusive Urlaubsregelung für die jeweilige Region und Branche angewendet wird.

"Was wir erreichen müssen ist Transparenz. Wir müssen wissen, wer unter welchen Bedingungen auf unserem Werksgelände arbeitet", sagte Brecht. Vor allem in Bereichen der Kontraktlogistik, die bei Daimler in der Vergangenheit an externe Auftragnehmer ausgelagert wurden, bemühe man sich, in einzelnen Betrieben Tarifverträge abzuschließen.

"Das ist Pionierarbeit", sagte Brecht. Denn letztlich seien hier vor allem die Beschäftigten in den Logistikunternehmen gefordert, sich zu organisieren und für ihre Interessen einzutreten. "Auf diese Weise können wir hoffentlich am Ende zu einem Flächentarifvertrag gelangen." Die Betriebsräte der Metall- und Elektrobranche könnten nur assistieren. "Wir müssen es hinkriegen, dass die Branchen sich selbst organisieren."

Gesetzentwurf

Daimlers Pressemitteilung aus dem Jahr 2013

Das könnte Sie auch interessieren

DFB-Pokal: Blamage für Frankfurt - Werder im Torrausch, VfB ist raus

DFB-Pokal: Blamage für Frankfurt - Werder im Torrausch, VfB ist raus

Genua nimmt Abschied von den Opfern des Brückeneinsturzes

Genua nimmt Abschied von den Opfern des Brückeneinsturzes

Stein- und Flaschenwürfe bei Protest gegen Neonazi-Aufmarsch

Stein- und Flaschenwürfe bei Protest gegen Neonazi-Aufmarsch

La Strada in Rotenburg - der Samstag 

La Strada in Rotenburg - der Samstag 

Meistgelesene Artikel

Kurioses Aldi-Produkt im Ausland ein Renner - in Deutschland zögert der Discounter noch

Kurioses Aldi-Produkt im Ausland ein Renner - in Deutschland zögert der Discounter noch

Drogeriemarkt dm nimmt umstrittenes Produkt neu ins Sortiment auf

Drogeriemarkt dm nimmt umstrittenes Produkt neu ins Sortiment auf

Achtung, Krebsrisiko: Pharmahersteller ruft Blutdrucksenker zurück

Achtung, Krebsrisiko: Pharmahersteller ruft Blutdrucksenker zurück

Hunderttausende Mercedes-Fahrzeuge werden vom Kraftfahrt-Bundesamt zurückgerufen

Hunderttausende Mercedes-Fahrzeuge werden vom Kraftfahrt-Bundesamt zurückgerufen

Kommentare