Billiggeld verzerrt Märkte

Banken dringen auf Ende des Zinstiefs

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Cryan beklagte, das Zinstief benachteilige Europas Banken im Vergleich zu ihren US-Wettbewerbern. Foto: Boris Roessler

Wann steigt die EZB aus ihrem Anti-Krisen-Kurs aus? Viele Banker halten einen Ausstieg für überfällig. An diesem Donnerstag entscheidet die Notenbank wie es weitergeht - unabhängig.

Frankfurt/Main (dpa) - Der Druck aus Deutschland auf die Europäische Zentralbank (EZB) zum Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik wächst.

"Die Zeit des billigen Geldes in Europa sollte enden - trotz des starken Euro", forderte Deutsche-Bank-Chef John Cryan bei einer Bankentagung in Frankfurt. Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon bekräftigte, jetzt sei der Zeitpunkt, "dass man umkehrt und wieder normale Verhältnisse ins Ziel nimmt".

Nach Ansicht von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) spricht die zuletzt gute wirtschaftliche Entwicklung dafür, dass Europa einer Normalisierung der Geldpolitik "sehr viel näher gekommen" ist. "Im Begriff der "unusual monetary policy" steckt ja, dass es eine außergewöhnliche Geldpolitik ist - und jeder weltweit wünscht sich, dass wir möglichst bald zu einer Normalisierung kommen." Schäuble betonte jedoch zugleich die Unabhängigkeit der EZB.

Das oberste Entscheidungsgremium der Notenbank kommt an diesem Donnerstag (7.9.) zu seiner nächsten Sitzung zusammen. An den Finanzmärkten werden zumindest weitere Signale erhofft, wie die EZB 2018 mit ihren milliardenschweren Anleihenkäufen fortfahren wird. Mit einer Zinserhöhung rechnen die meisten Volkswirte erst 2019.

Das viele billige Geld der Notenbanken habe den Finanzmärkten in den zurückliegenden Krisenjahren unbestritten geholfen, sagte Cryan. Aber "die lockere Geldpolitik führt zu immer größeren Verwerfungen", warnte der Deutsche-Bank-Chef. "Wir sehen inzwischen Anzeichen von Blasen an immer mehr Stellen des Kapitalmarktes, an denen wir sie nicht erwartet hätten." Er verwies etwa auf eine Preisexplosion bei Immobilien oder rekordhohe Aktienkurse.

Die jüngste Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar könnte den Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik allerdings verzögern. "Mir bereitet der starke Euro Sorgen - und das nicht nur, weil er Exporte erschwert", sagte Cryan. Die Entwicklung an den Devisenmärkten könnte der EZB "als Argument dienen, die Zinsen weiterhin im negativen Bereich zu belassen".

Cryan beklagte, das Zinstief benachteilige Europas Banken im Vergleich mit ihren US-Wettbewerbern. "Die dortige Banken haben den profitabelsten Markt weltweit vor ihrer Haustür", sagte der Deutsche-Bank-Chef. "Zudem genießen die US-Banken einen Wettbewerbsvorteil durch das dortige Zinsumfeld."

Auch Commerzbank-Chef Martin Zielke mahnte ein wettbewerbsfähiges Umfeld für die heimische Finanzindustrie an. "Als erfolgreiche Exportnation sind unsere Unternehmen (...) auch auf leistungsfähige Banken angewiesen." Dazu müsse aber auch der Rahmen stimmen, sagte Zielke mit Verweis auf die Verhandlungen über eine Präzisierung der internationalen Kapitalvorgaben für Banken ("Basel IV"). "Hier müssen die Regulierer und Aufseher dafür sorgen, dass die europäischen Banken nicht weiter ins Hintertreffen geraten", mahnte Zielke.

Allerdings ist nach Cryans Einschätzung der europäische Bankenmarkt - insbesondere in Deutschland - nach wie vor auch zu zersplittert, um Schritt zu halten. "Ich bin überzeugt, dass sich der Trend der Konsolidierung in Europa und gerade in Deutschland beschleunigen muss. Auf Dauer können nur Banken mit einer gewissen Größe bestehen", sagte der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Geldhauses.

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