Das Comeback der Kaufhäuser

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Mit Kugel und Kunstschnee für den Konsum: Das Geschäft in Kaufhäuser läuft derzeit erstaunlich gut. 

Berlin - Altbacken, verstaubt und ohne Zukunft - so lautete das Urteil über viele Kaufhäuser. Doch den Warenhäusern geht es derzeit besser als erwartet.

Im Berliner Kaufhaus des Westens (KaDeWe) ist im Advent an manchen Tagen kein Durchkommen möglich. Kunden bestaunen den riesigen, mit Kunstschnee bedeckten Christbaum und drängen zu Tischen mit Weihnachtskugeln und Engelsschmuck.

Weit mehr als 100 000 Menschen täglich lockt das größte Kaufhaus auf dem europäischen Kontinent in den Wochen vor dem Fest an. Unter ihnen auch Touristen aus den USA, Japan, China, Russland und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Doch nicht nur der zur geretteten Karstadt-Gruppe gehörende Konsumtempel freut sich über gute Geschäfte. Auch andere Warenhäuser schlagen sich derzeit erstaunlich gut.

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Karstadt-Chef Thomas Fox spricht sogar von einer rosigen Zukunft: “Ich bin überzeugt, dass wir die beste Zeit noch vor uns haben“, betonte er jüngst auf einem Handelskongress in Berlin. Das Essener Unternehmen, das seit Anfang Oktober dem Milliardär Nicolas Berggruen gehört, wachse sogar stärker als der zu Metro gehörende Konkurrent Kaufhof: “Wir hatten im dritten Quartal ein Umsatzplus von 7,4 Prozent, bei Kaufhof waren es im gleichen Zeitraum rund 4 Prozent.“

Innenstädte wieder attraktiv

Fox, der nur bis Anfang 2011 die Geschicke der 120 Karstadt-Waren- und Sporthäuser lenken will, sieht derzeit günstige Bedingungen. Jahrelang hätten die Kaufhäuser an Fachhändler und Shoppingzentren auf der grünen Wiese verloren. Die Innenstädte seien aber nun wieder attraktiv, die kaufkräftige Schicht der Menschen zwischen Mitte 20 und Mitte 40 kehre dorthin zurück.

Ähnlich schätzen auch Konsumforscher und der Branchenverband HDE die Entwicklung ein. Der freie Fall sei 2010 gebremst, heißt es beim Marktforschungsinstitut Gfk. “Wir sind fest der Auffassung, dass das moderne Warenhaus auch künftig das Bild der Innenstädte bestimmen wird“, betont HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Dafür spreche der Trend, dass Singles und Familien wieder in die Innenstädte ziehen. Aber auch die 60- bis 70-Jährigen schätzten die kurzen Wege ins Theater, in die Oper oder ins Kaufhaus.

Neue Konzepte für ältere Kunden

Für Erfolge sei allerdings die Sortimentspolitik entscheidend: “Die Warenhäuser müssen den modernen Ansprüchen genügen“, sagt Genth. Das bedeutet: guter Service und ansprechende Architektur mit “Helligkeit und Luftigkeit“. Nach Einschätzung der GfK-Marktforscher müssen die Warenhäuser angesichts des demografischen Wandels ihr Warensortiment konsequenter auf die ältere Kundengruppe ausrichten. “Gerade für die Älteren ist es oft zu mühsam, alle Geschäfte abzuklappern“, sagt Manuel Jahn vom GfK-GeoMarketing. Die schätzten das Angebot unter einem Dach. In den Regalen dürften aber auf keinen Fall Seniorenprodukte stehen oder Lupen hängen.

Die Warenhäuser profitieren auch von der allgemein positiven Konsumstimmung. In den kommenden zwei Jahren könnte sich der Aufwärtstrend im Einzelhandel mit Umsatzzuwächsen von 1,5 bis 2 Prozent fortsetzen, ist sich Jahn sicher.

Besonders gut stehen derzeit die kleineren Häuser da. So rechnet das Münchner Traditionskaufhaus Ludwig Beck in diesem Jahr mit einem Rekordergebnis von 7,5 Millionen Euro. Der bislang vor allem in Süddeutschland vertretene Warenhausbetreiber Breuninger will bundesweit expandieren. Möglich seien neue Standorte in Frankfurt, Hamburg, München, Hannover, Köln und Düsseldorf. Und auch Metro hat es plötzlich gar nicht mehr so eilig mit dem Verkauf seiner 123 Kaufhof-Warenhäuser.

Glamour und Glitzer

Vor allem in den vergangenen drei Jahren sei es zu einer massiven Flächenbereinigung gekommen. Durch die Schließung zahlreicher Standorte - darunter auch denen von Hertie und Woolworth - sei die Verkaufsfläche der Warenhäuser um fast 600 000 Quadratmeter gesunken. “Die großen Verlustbringer sind damit vom Markt verschwunden“, betont Jahn.

Karstadt-Chef Fox beschreibt die Zukunft seiner Häuser als “Shopping Center ohne Wände“ mit viel Glamour und Glitzer. Das könnte aber nur in den großen Städten funktionieren. Und wenn der Kunde einfach mal nur einen Reißverschluss oder Knöpfe kaufen will: “Ich sehe bereits, dass es gelingen kann, auch die Kurzwaren zu erotisieren.“

Maren Martell, dpa

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