Cockpit setzt weiter aus

Streik auch am Samstag: Piloten bleiben hart

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Frankfurt/Main - Wie lange hält die Lufthansa den Pilotenstreik noch durch? Oder brechen vorher die Piloten ein? Eine Lösung des Konflikts zeichnet sich nicht ab. Dabei drängt die Zeit.

Die Lufthansa findet keinen Ausweg aus dem Tarifkonflikt mit ihren Piloten. Die immer härtere Gangart der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) führt auch an diesem Samstag dazu, dass die einst für ihre Zuverlässigkeit gerühmte Kranich-Linie nur einen Teil ihrer Flieger um die Welt schicken kann.

Erneut müssen rund 20.000 Passagiere ihre Pläne ändern, wenn nur rund die Hälfte der 160 geplanten Übersee-Verbindungen bedient wird. In der Frachtsparte sollen 60 Prozent der Flüge ausfallen.

Auch nach zwölf Streikrunden und rund einer Million geplatzter Reisepläne von Passagieren scheint keine der beiden Seiten zu einem Kompromiss bereit zu sein. Ungehört verhallen Appelle etwa des Deutschen Reiseverbandes oder des Bundesverbandes der deutschen Luftverkehrswirtschaft.

Die VC verlangt weiterhin die Gesamtschlichtung für die vielen offenen Tarifprobleme von den Übergangsrenten über die Altersversorgung bis hin zu Gehältern und Betriebsratsrechten. Zu einzelnen Themen habe man noch gar nicht verhandelt, hält Lufthansa dagegen und verlangt ihrerseits finanzielle Zugeständnisse von allen Berufsgruppen und damit auch von den Piloten. Die wollen letztlich weiterhin in allen Tariffragen des Lufthansa-Konzern mitreden, wie ihre Tarifexpertin Ilona Ritter erklärt.

Genau das will Lufthansa-Chef Carsten Spohr aber verhindern, wenn er immer mehr Flugzeuge ganz unterschiedlicher Flugbetriebe unter dem wachsenden Billigdach „Eurowings“ steuert. Dort sind bislang schon Flugzeuge der Gesellschaften SunExpress, Eurowings und AUA versammelt. Die nach Konzerntarifvertrag bezahlten Piloten der Germanwings sollen möglichst schnell zum schrumpfenden Lufthansa-Kern versetzt werden, während die Billigsparte auf Wachstum gepolt ist.

Die wirtschaftliche Situation der Lufthansa ist nicht wirklich komfortabel. Der Verschuldungsgrad wächst und obwohl der Konzern auch 2014 ein Riesenrad mit 30 Milliarden Umsatz gedreht hat, blieb unter dem Strich nicht viel mehr übrig als eine schwarze Null. Auch billiges Kerosin hilft der in Euro bilanzierenden Airline bislang nicht weiter. Die Aktionäre erhalten keine Dividende und die Beschäftigten sollen für die Zukunft Kostenvorteile bringen. Wichtiger Punkt sind dabei die üppigen Pensionszusagen an alle Beschäftigtengruppen, die der Konzern zum Jahresende 2013 gekündigt hat. Die Piloten sehen sich in dieser Frage in einem Stellvertreterkonflikt für die übrige Belegschaft.

Die Luft für den größten Luftverkehrskonzern Europas wird dabei immer dünner: Auf den Europastrecken jagen Billigflieger wie Ryanair und Easyjet der Lufthansa seit Jahren mit Kampfpreisen Kunden ab. Auch der 2002 gegründete Billigableger Germanwings konnte die Rivalen aus Irland und Großbritannien nicht in Schach halten. Im vergangenen Jahr steigerte Ryanair die Zahl ihrer Fluggäste auf mehr als 86 Millionen, die Kernmarke Lufthansa und Germanwings kamen zusammen auf nicht einmal 78 Millionen. Und während die Lufthansa im Europaverkehr abseits ihrer großen Drehkreuze 2015 erstmals mit schwarzen Zahlen rechnet, fliegen die Billigheimer von den Inseln dank niedrigerer Gehälter und Betriebskosten von Rekordgewinn zu Rekordgewinn.

Lufthansa-Chef Spohr baut nun auf die Konzerntochter Eurowings, bei der die Betriebskosten rund 40 Prozent unter denen der Marke Lufthansa liegen.

Easyjet-Chefin Carolyn McCall glaubt nicht an einen Erfolg. Im „Spiegel“ machte sie der Lufthansa das Angebot, die Zubringerflüge zu deren großen Drehkreuzen Frankfurt und München zu übernehmen. Dann wäre die Lufthansa wie die hochprofitable British Airways nur noch für die Langstreckenflüge zuständig, wobei der deutsche Quellmarkt viel dezentraler ist als in Großbritannien mit der Metropole London. Ryanair-Boss Michael O'Leary denkt nicht zufällig bereits laut über Langstreckenflüge aus Berlin nach.

Auch auf Strecken nach Asien oder Amerika hat die Lufthansa mit schlagkräftigen Rivalen zu kämpfen. So locken die arabischen Fluglinien Emirates, Etihad und Qatar Airways europäische Fluggäste mit günstigen Tickets in ihre oft nagelneuen Maschinen - und sparen nicht an Service und Luxus. Selbst der Lufthansa-Partner Turkish Airlines ist für die Frankfurter zum Rivalen geworden: Die Türken bauen ihr Langstreckengeschäft aus, an ihrem Heimatstandort Istanbul soll ein neuer Flughafen für bis zu 150 Millionen Passagiere entstehen - doppelt so viele wie in Frankfurt nach dem Ausbau.

dpa

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