Wende im Prozess gegen Claassen

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Unter großer Beobachtung durch die Medien hat am Freitag in Nürnberg der Prozess gegen den ehemaligen Chef von Solar Milennium, Utz Claassen, begonnen.

Nürnberg - Im Streit um Millionenzahlungen des Solarkraftherstellers Solar Millennium an seinen früheren Chef Utz Claassen wollen sich beide Seiten nun überraschenderweise doch gütlich einigen.

Es wurde mit Spannung erwartet - und war dann doch rasch vorbei: Nur rund eine Stunde dauerte am Freitag das Aufeinandertreffen von Manager Utz Claassen und dem Aufsichtsrat seines kurzzeitigen Arbeitgebers Solar Millennium vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth. Dann hatte der Vorsitzende Richter die Überraschung perfekt: Im Zivilprozess um die Frage, ob Claassen nach seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen nach nur 74 Tagen seine Antrittsprämie von neun Millionen Euro behalten dürfe und darüber hinaus Anspruch auf weitere etwa sieben Millionen Euro habe, willigten beide Seiten ein, sich doch noch einmal um eine gütliche Lösung zu bemühen.

Bis Ende November haben sie nun Zeit dazu. Scheitert das Vorhaben, soll im März oder April nächsten Jahres wieder verhandelt werden.

“Eine gütliche Einigung, wenn auch von beiden Seiten zähneknirschend getragen, ist immer noch besser als ein Urteil“, warb Richter Werner Meyer für die vom Gericht bevorzugte Lösung. Schließlich gebe es bei einem Urteil immer einen Verlierer. Es könne zudem bis zu sieben Jahre dauern, bis eine rechtskräftige Entscheidung vorliege, und die Beweisaufnahme sei doch auch für alle belastend, zählte er auf - und fügte ironisch hinzu: “Und wer weiß, vielleicht haben wir bis dahin eine ganz andere Währung und zahlen in Zechinen.“

Beide Parteien, so regte er an, sollten also zusehen, ob sie mit Hilfe des Gerichts nicht doch die “Kuh vom Eis“ bringen und zu einer vernünftigen Lösung kommen könnten. Das Gericht traue sich jedenfalls jederzeit zu, vollkommen zerstrittene Personen zu vereinen, betonte er.

“Belogen, hintergangen und getäuscht“

Wie zerstritten Claassen und der Aufsichtsrat des Erlanger Solarkraftwerksherstellers tatsächlich sind, machte der 48-Jährige schnell klar: Es verbiete ihm sein Ehrgefühl, sich mit “diesem Aufsichtsrat“ auf einen Vergleich zu einigen, der ihn “belogen, hintergangen, getäuscht, diskreditiert, diffamiert und als geistig minderbemittelt dargestellt habe“, führte er aus.

“Ich verstehe bis heute nicht, worüber wir uns eigentlich vergleichen sollen“, sagte Claassen. Wahrheit und Rechtmäßigkeit könnten nicht geteilt werden. Und nur darauf komme es ihm an. Er wolle zweifelsfrei feststellen lassen, dass er das Unternehmen rechtmäßig verlassen und sich als Manager professionell verhalten habe. Nur dann sei er zu einer Einigung bereit.

Claassen betonte, er sei vom Solar-Millennium-Aufsichtsrat getäuscht worden, weil dieser die wirtschaftliche Situation des Unternehmens von Anfang an beschönigt dargestellt habe. Nach seinem Ausscheiden im März 2010 habe der Aufsichtsrat dann der Öffentlichkeit den Eindruck vermittelt, er habe dafür keinen triftigen Grund gehabt.

“Mit so einem Aufsichtsrat wird es mit mir keinen Vergleich geben“, sagte er. Hier seien Grenzen überschritten worden. Dann aber fügte er hinzu. “Es sei denn, er entschuldigt sich bei mir.“

Claassen freut sich über Entschuldigung

Der als einziger des dreiköpfigen Gremiums erschienene Aufsichtsratschef Helmut Pflaumer tat dies dann auch. In der Sache sei er anderer Auffassung. Eine persönliche Kränkung Claassens tue ihm aber leid, und dafür entschuldige er sich.

Als die Verhandlung vorüber war, zeigte sich Pflaumer zuversichtlich. “Ich sehe gute Chancen für einen Vergleich“, sagte er. Manager Claassen ließ indes alles offen. Die Entschuldigung des Aufsichtsrates sei “bemerkenswert“ und “erfreulich“ und ein Zeichen für ihn, dass Vernunft einziehe, erklärte er. Ob er sich aber deshalb mit ihm einigen werde, wisse er nicht. “Ich kann ja nicht in die Zukunft schauen“, winkte er brüsk ab.

dapd

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