Schlüsselbranche

Chemiebranche in Hochstimmung: Neue Bestmarken angepeilt

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Chemieriesen wie der Bayer AG in Leverkusen profitieren von der starken Weltkonjunktur. Foto: Oliver Berg

Deutschlands drittgrößter Industriezweig schaut mit enormer Zuversicht auf das neue Jahr. Dank des Wirtschaftsbooms rechnet die Chemiebranche mit einem Rekordumsatz.

Frankfurt/Main (dpa) - Mehr Umsatz, mehr Produktion, mehr Beschäftigung: Die starke Weltkonjunktur versetzt die deutsche Chemie- und Pharmabranche in einen Höhenflug.

Nach einem starken Vorjahr hebt sie ihre Umsatzprognose für 2018 deutlich an. Dank der kräftigen Nachfrage von Industriekunden aus dem In- und Ausland dürfte die Erlöse um 4,5 Prozent auf den Rekordwert von gut 204 Milliarden Euro steigen, erklärte der Branchenverband VCI in Frankfurt. Die Stimmung der Unternehmen sei so gut wie zuletzt im Boom vor der Finanzkrise 2008. Für Unsicherheit sorge indes die Gefahr von Handelskonflikten.

Zuvor hatte die Schlüsselbranche mit 3 Prozent Umsatzwachstum gerechnet. Die Erholung der Weltwirtschaft habe an Breite gewonnen, sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann. Der Jahresstart sei vielversprechend gewesen. "Die Branche hat momentan Rückenwind."

Auch bei der Produktion ist der Verband noch zuversichtlicher. Sie soll 2018 um 3,5 Prozent steigen statt 2 Prozent wie zunächst erwartet. Bei den Chemikalienpreisen rechnet er weiter mit einem Anstieg von 1,0 Prozent. Sie hängen vor allem an den Rohstoffpreisen.

Öl, der wichtigste Grundstoff der Chemie, könnte nach VCI-Ansicht 2018 teurer werden. Er erwartet Preise für ein Barrel der Sorte Brent von bis zu 75 Euro. Derzeit kostet ein Barrel 65 Euro. Höhere Ölpreise würden auch Verbraucher treffen, etwa bei Sprit und Heizöl.

Für die Chemiebranche sind höhere Ölpreise eher gute Nachrichten. Sie stützen wichtige Schwellenländer wie Brasilien, die bereits vom Boom der großen Volkswirtschaften profitieren. Die starke Nachfrage nach deutschen Chemieprodukten kommt auch dem hiesigen Arbeitsmarkt zugute. Die Beschäftigung stieg 2017 um 1,5 Prozent auf gut 453.000 Menschen.

Sorgen bereitet dem VCI die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump. Die angedrohten Strafzölle könnten die Chemieindustrie treffen, sagte Tillmann. "Eine Spirale der Eskalation muss unbedingt vermieden werden". Für die deutsche Chemiebranche sind die USA ein wichtiger Markt: Sie exportierte 2016 Waren im Wert von 19,4 Milliarden Euro dorthin, die Importe lagen bei 12,4 Milliarden. Zu den Unwägbarkeiten zählt der VCI auch einen harten Brexit. Großbritannien ist einer der wichtigsten Abnehmer deutscher Arzneien.

Von der neuen deutschen Regierung forderte der Chemieverband mehr Investitionen in die Digitalisierung, bezahlbare Energie und eine mutigere steuerliche Forschungsförderung. Zudem habe Deutschland mit den Steuersenkungen unter Trump in den USA einen Standortnachteil. Die Pläne der kommenden großen Koalition gehen der Chemiebranche nicht weit genug. "Festhalten am Erreichten genügt nicht."

Das Jahr 2017 hat die Chemiebranche indes noch besser abgeschlossen als erwartet. Nach einer Durststrecke zuvor sprang der Umsatz um 6 Prozent hoch. Die Produktion wuchs kräftig um 3,8 Prozent. Gerade im Schlussquartal brummte das Geschäft, so Tillmann. "Da ging die Post ab."

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