Chaos bei EC-Karten: Was Sie jetzt wissen müssen

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Millionen deutsche Verbraucher haben seit mehreren Tagen im In- und Ausland Probleme, mit ihren neuen EC- oder Kreditkarten zu bezahlen.

München - Millionen deutsche Verbraucher haben seit mehreren Tagen im In- und Ausland Probleme, mit ihren neuen EC- oder Kreditkarten zu bezahlen. Was Sie jetzt wissen müssen:

Geld abheben an Geldautomaten war für viele deutsche Bankkunden ebenso wenig möglich wie das Bezahlen am Skilift in St. Anton oder an Tankstellen in Österreich, Italien, Frankreich, der Schweiz, Spanien, Ungarn und Tschechien – die Karte streikte. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu der neuen Bankkartenpanne:

Was ist der Grund der neuen Panne?

Lesen Sie dazu:

EC-Karten-Probleme: Kommt jetzt die große Umtauschaktion?

Panne bei EC-Karten: Banken sollen Kunden Kosten

Ursache ist laut Sparkassen- und Giroverband eine fehlerhaft programmierte Software auf dem Chip, der auf neueren Geldkarten angebracht ist. Die Lesegeräte sind nicht in der Lage, darauf die neue Jahreszahl 2010 korrekt zu verarbeiten, heißt es. Der Programmierfehler taucht im sogenannten EMV-Chip auf, der die Karten eigentlich sicherer machen sollte.

Welche Bankkarten sind betroffen?

Nur Geldkarten mit den neuen goldenen EMV-Chips. Konkret: EC-Karten, die vor dem 1. Juli 2009, und Kreditkarten, die vor dem 1. März 2009 ausgegeben wurden, sagt Stefan Marotzke vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband. EMV-Chips sind goldfarbene Chips mit eingebauten Mikroprozessoren. Die Abkürzung EMV steht für die drei großen Geldkartenherausgeber, die den Chip gemeinsam entwickelt haben: Europay International (EC-Karte), Master Card und Visa.

Wer ist von der Panne betroffen?

Für Besitzer besagter Bankkarten kann es seit dem 1. Januar im In- und Ausland zu Einschränkungen im Zahlungsverkehr, an Geldautomaten und Händlerterminals kommen. Nach tz-Recherchen vom Mittwoch kommt es seit Jahresbeginn vor allem für Skiurlauber in Österreich zu Problemen. Skiliftbetreiber, Hotels, Restaurants und Tankstellen in Salzburg, Lech und St. Anton berichten von Zahlungsproblemen von Touristen mit Kredit- und EC-Karten. Aber auch Silvesterurlauber in Ungarn und Tschechien waren betroffen.

Wieviel Banken sind von der Panne tangiert?

60 Prozent der 94 Millionen neuen EC-Karten und 30 Millionen Kreditkarten, die in Deutschland im Umlauf sind, wurden bereits mit dem Chip ausgerüstet. Am härtesten hat es die Kunden von Sparkassen getroffen: Allein bei Sparkassen und Landesbanken sind rund 20 Millionen EC-Karten und rund 3,5 Millionen Kreditkarten wegen des Programmierfehlers nur eingeschränkt nutzbar. Bei privaten Instituten wie der Postbank, der Commerzbank und vielen anderen Geldhäusern sind 2,5 Millionen Karten – davon überwiegend EC-Karten – betroffen. Bei den Genossenschaftsbanken sind es bis zu 150 000 Kreditkarten. Entwarnung gibt die Deutsche Bank und die Citibank. Die Citibank führt den EMV-Chip erst im Herbst ein.

Was tun die Geldinstitute?

Die Kreditinstitute sind dabei, im Inland die Geldautomaten und Lesegerätesoftware im Handel umzustellen. Beim Einsatz von Kreditkarten mit dem Chip könnte es aber noch einige Tage zu Einschränkungen kommen. In den fünf großen Urlaubsländern Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich und Spanien will man ebenfalls neue Konfigurierungen der Geldautomaten und Händlerterminals vornehmen – ein genauer Zeitpunkt wird aber nicht genannt.

Was sollten Bankkunden tun, die jetzt ins EU-Ausland fahren?

Ihnen wird empfohlen, Bargeld, Reisechecks oder zusätzliche Kreditkarten mitzunehmen.

Was tun, wenn man im Urlaub am Geldautomaten kein Geld bekommt?

Mit einer Kredit- oder EC-Karte kann man bei Vorlage eines Ausweis gegen Unterschriftsleistung Geld am Bankschalter abheben. n Werden die dadurch entstehenden Gebühren erstattet? Verbraucherschützer raten, alle entsprechenden Gebührenbelege aufzuheben und später bei der Sparkasse oder Bank vorzulegen und um Erstattung der Auslagen nachzusuchen.

Müssen demnächst alle Bankkarten ausgetauscht werden?

Das ist noch unklar und von den einzelnen Kreditinstituten geprüft. Würden alle rund 30 Millionen fehlerhaften Kar­ten ersetzt, käme auf die deutschen Banken nach Schätzungen insgesamt ein dreistelliger Millionenbetrag zu. Den Kunden sollen aber dadurch keine finanziellen Nachteile entstehen.

Was ist bei Reisen außerhalb der EU?

Dort können problemlos alle Kreditkarten benutzt werden, da die Automaten ausschließlich den Magnetstreifen auslesen.

Gibt es Tricks, wie man die Geldkarte funktionsfähig macht?

Manche Einzelhändler überkleben den Chip mit Tesafilm. Dadurch greifen manche Bezahlterminals automatisch auf den Magnetstreifen zurück. Allerdings könnte dadurch der Geldautomat blockiert werden.

Uwe Fajga

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