Nach Trumpf-Verbot

Broadcom bläst Übernahmeversuch bei Qualcomm ab

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Broadcom-Chef Hock Tan spricht auf einer Veranstaltung im Weißen Haus in Washington, US-Präsident Donald Trump hört zu. Foto: Evan Vucci/AP

Dank Schützenhilfe von Donald Trump konnte der Chipkonzern Qualcomm sich keine Sorgen um seine Unabhängigkeit mehr machen. Allerdings treten jetzt die bisherigen Probleme der US-Firma wieder in den Vordergrund.

San Jose (dpa) - Der Chipkonzern Broadcom hat nach der Blockade durch US-Präsident Donald Trump seinen milliardenschweren Übernahmeangriff auf den Rivalen Qualcomm offiziell beendet.

Sowohl das Angebot als auch die Nominierungen für den Verwaltungsrat von Qualcomm wurden zurückgezogen, wie Broadcom am Mittwoch mitteilte.

Mit einem Volumen von mehr als 140 Milliarden Dollar wäre es die mit Abstand teuerste Übernahme in der Technologie-Branche gewesen. Trump hatte diese Woche einen Kauf von Qualcomm durch Broadcom unter Hinweis auf Sicherheitsbedenken untersagt.

Zum einen geht es der US-Regierung dabei darum, dass Qualcomm ein wichtiger Entwickler von Technologien für den nächsten superschnellen Datenfunk-Standard 5G. Im Westen gibt es Sorge, China mit seinen starken Netzwerkausrüstern wie Huawei könnte den Bereich dominieren.

Broadcom schien kein besonderes Interesse an der Technologie zu haben. Zum anderen sollen Verbindungen von Broadcom-Tochterfirmen nach China den Ausschlag für die Entscheidung gegeben haben. Der Schritt kam zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt, da Qualcomm sich noch vehement gegen eine Übernahme wehrte - üblicherweise verboten US-Präsidenten Deals, die schon beschlossen waren.

Broadcom hatte die Sicherheitsbedenken zurückgewiesen und zunächst angekündigt, Trumps Anordnung zu prüfen. Jetzt sieht die Firma aber davon ab, vor Gericht um den Deal zu kämpfen.

Für Qualcomm ist damit zwar die Gefahr einer Übernahme vom Tisch, aber der Chipkonzern steht noch anderen schwerwiegenden Problemen gegenüber. Zum einen läuft ein erbitterter Streit mit Apple, durch den hunderte Millionen Dollar Umsatz wegblieben. Der Konflikt, der auch mit Patentklagen in Deutschland ausgetragen wird, belastete auch den Aktienkurs - und begünstigte damit Broadcoms Übernahmeattacke immens.

Zum anderen werfen Regulierungsbehörden Qualcomm unfairen Wettbewerb vor. In Südkorea und der EU musste der Konzerns bereits Strafen bezahlen, in den USA läuft gegen ihn eine Klage der Handelsbehörde FTC. Qualcomm bestreitet die Vorwürfe und will sich vor Gericht dagegen wehren. Solche Verfahren ziehen sich aber meist über Jahre hin.

Schließlich muss Qualcomm nun den Aktionären beweisen, dass sich nicht schlechter dran sind als bei der gescheiterten Übernahme. Broadcom bot ihnen zuletzt 79 Dollar pro Anteilsschein: 57 Dollar in bar und 22 Dollar in Form von Broadcom-Aktien. Die Qualcomm-Aktie, die im Übernahmegefecht zeitweise bis an die Marke von 70 Dollar geklettert war, notierte im frühen Handel am Mittwoch noch bei knapp 59 Dollar und verlor in den ersten Minuten mehr als 1,5 Prozent.

Broadcom fährt unterdessen mit der Verlagerung des Firmensitzes von Singapur nach Kalifornien fort, die noch im April abgeschlossen werden soll. Jetzt gilt es abzuwarten, wie Broadcom-Chef Hock Tan an der fortlaufenden Konzentration in der Chipbranche teilhaben will: Er gilt als Meister der Übernahmen und schon das heutige Broadcom entstand durch eine Serie von Zukäufen. Der Kern der Firma ist eigentlich der Netzwerk-Spezialist Avago aus Singapur, der Broadcom kaufte und auch gleich den Namen übernahm. Für den Qualcomm-Deal hatte sich Tan bereits die nötigen Kreditlinien gesichert.

Mitteilung von Broadcom an die US-Börsenaufsicht SEC

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