Merkur.de-Interview

Breuninger-Chef zur Konen-Übernahme: „Es geht um Wachstum, nicht um Synergien und Einsparungen“

Breuninger-Chef Holger Blecker: Mit der geplanten Übernahme von Konen würden die Stuttgarter einen zentralen Standort in der Münchner Innenstadt gewinnen.
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Breuninger-Chef Holger Blecker: Mit der angestrebten Übernahme von Konen erhalten die Stuttgarter einen zentralen Standort auf dem lukrativen Münchner Markt.

Der Handelsriese Breuninger zieht beim Münchner Modehaus Konen ein. Die Mitarbeiter des Traditionshauses müssen sich deshalb aber keine Sorgen machen, versichert Breuninger-Chef Holger Blecker.

München - Der Stuttgarter Modehändler Breuninger hat bereits seit längerem nach einem Standort in der bayerischen Landeshauptstadt gesucht. Jetzt sind die Schwaben fündig geworden. Am vergangenen Donnerstag (27. Mai) hat das Unternehmen die Verträge zur Übernahme des Münchner Traditionsunternehmens Konen* unterzeichnet. Was Breuninger mit Konen vor hat, warum die Stuttgarter trotz der jüngsten Umsatzrückgänge im stationären Handel wegen der Corona-Pandemie weiter auf das Shopping-Erlebnis in den Innenstädten setzen, erläutert Breuniniger-Chef Holger Blecker im Interview mit Merkur.de.

Herr Blecker, Sie wollen das Münchner Traditionshaus Konen übernehmen*. Was macht Konen denn so anziehend?
Konen ist aus mehreren Gründen hochattraktiv: München ist eine weltweit bekannte Kultur- und Wirtschaftsmetropole und für uns ein langgehegter Herzenswunsch, den wir uns nun erfüllen können, sofern die Kartellbehörden dafür grünes Licht geben. Dann sind wir aus dem Stand mit einem bestens etablierten Haus in hervorragender Lage, mitten im Herzen der Münchener Innenstadt, vertreten. Auch Bram in Luxemburg passt ideal in unser Konzept.
Kulturell sind Konen und Breuninger ebenfalls auf einer Linie. Uns verbinden gemeinsame Werte und eine sehr ähnliche Geschäftsphilosophie. Und dazu können wir mit Konen neue Kundengruppen erschließen und den Bekanntheitsgrad der Marke Breuninger weiter stärken.
Werden Sie Konen unter der alten Marke fortführen oder zu einem echten Breuninger-Kaufhaus umgestalten?
Zunächst müssen wir die Prüfung durch die Kartellbehörden abwarten. Aber natürlich können wir uns eine Integration beider Traditionsnamen unter der starken Dachmarke Breuninger gut vorstellen. Breuninger genießt im gesamten deutschsprachigen Raum bereits eine hohe Bekanntheit. Das Ziel ist klar: Langfristig ein einheitlicher Markenauftritt im Sinne des Unternehmens und der Marke Breuninger unter Berücksichtigung der starken lokalen Marken Bram und Konen.
Konen beschäftigt insgesamt rund 700 Mitarbeiter im Stammhaus an der Sendlinger Straße und in Luxemburg. Müssen sich die Konen-Beschäftigten Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen?
Alle Arbeitsverhältnisse von Konen werden fortgeführt. Für den einzelnen Mitarbeiter ändert sich also erst einmal nichts. Im Vordergrund stehen Chancen, Wachstumsperspektiven und nicht die Suche nach Synergien und Einsparungen.
Konen: Das traditionsreiche Münchner Modehaus steht vor der Übernahme durch Breuninger.

Breuninger-Chef: Hoffen auf zeitnahe Prüfung der Konen-Übernahme durch das Kartellamt

Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch das Bundeskartellamt. Bis wann hoffen Sie hier auf eine Entscheidung?
Wir gehen derzeit von einem recht zügigen Abschluss der Prüfungen aus und hoffen, dass diese bis Ende Juni 2021 beendet sind. Wir wären dann zuversichtlich, bereits im Sommer mit dem Integrationsprozess beginnen zu können.
Mit der geplanten Übernahme von Konen hätte Breuninger künftig insgesamt 13 Standorte. In den vergangenen Jahren hatte es wiederholt Spekulationen um mögliche weitere Breuninger-Häuser gegeben. Neben München galten auch Hamburg und Frankfurt als mögliche Standorte. Wo soll es mittelfristig denn weitere Dependancen geben?
Wir glauben fest an die erfolgreiche Zukunft des stationären Einzelhandels. Und eine Expansion ist Teil unserer Unternehmensstrategie. Auch zukünftig prüfen wir laufend neue Konzepte und Investitions- und Wachstumsmöglichkeiten, um unsere Position als führendes Multi-Channel-Unternehmen im deutschsprachigen Raum und auch international auszubauen. Wir werden dieses Unternehmensziel auch nach dem angestrebten Erwerb der Konen KG weiter vorantreiben. So würde Breuninger zum Beispiel auch gut nach Hamburg oder Frankfurt passen - mit der entsprechenden Immobilie am richtigen Standort.
Mit der Konen Niederlassung im luxemburgischen Bartringen würde Ihnen erstmals auch der Sprung ins Ausland gelingen. Ist die geplante Konen-Übernahme der Startschuss für eine weitere europäische Expansion?
Mit Bram in Luxemburg betreten wir in der Tat stationär erstmals internationales Parkett, was Teil des sehr attraktiven Portfolios der geplanten Übernahme der Konen KG ist. Neben den vielversprechenden Standortfaktoren Luxemburgs spielen unsere Nachbarn Frankreich und Belgien eine ebenso zentrale Rolle. In diesem Zuge erreicht Breuninger auch französische und belgische Kunden über das Haus selbst, sowie zahlreiche weitere internationale Kundengruppen, die in Luxemburg überproportional vertreten sind.

Breuninger: Umsatz-Rückgang in dreistelliger Millionenhöhe wegen Corona-Schließungen

Die Corona-Pandemie hat auch dem Bekleidungshandel schwer zugesetzt. Sie hatten für 2020 wegen „Corona-bedingten Umsatzausfällen“ vor einem Jahresfehlbetrag gewarnt. Wie tief sind Sie im Vorjahr denn in die Verlustzone gerutscht?
Der Textileinzelhandel in Deutschland steht durch die Covid-19*-Pandemie vor enormen Herausforderungen. Pandemiebedingt waren auch die Breuninger-Häuser teilweise über mehrere Monate geschlossen. Wir mussten im stationären Bereich sowohl im letzten Jahr als auch bereits in diesem Jahr einen Umsatzverlust in dreistelliger Millionenhöhe verkraften. Unser wachsendes Onlinegeschäft über unseren E-Shop konnte das leider nur teilweise auffangen. Wir sind optimistisch, mit der Perspektive auf Öffnungen davon noch etwas wettzumachen und auch stationär wieder aufzuholen.
Dank des Impffortschritts hellen sich Perspektiven für die angestrebte Aufholjagd derzeit ja deutlich auf. Reicht es im laufenden Jahr operativ für die Rückkehr in die Gewinnzone?
Die seit über einem Jahr andauernde Pandemie hat uns ebenso wie unseren Mitbewerbern große Umsatzverluste beschert. Das geht natürlich zulasten unserer langfristig ausgelegten Zukunftsinvestitionen. Normalerweise investieren wir rund 100 Millionen Euro pro Jahr in die Weiterentwicklung unseres Unternehmens, der Verkaufshäuser und unseres E-Shops. Breuninger ist jedoch überzeugt davon, dass es gerade in dieser schwierigen Situation die nötige Weitsicht und nachhaltige Investitionen braucht, um auf lange Sicht gestärkt aus der Krise hervorzugehen und seine Spitzenstellung im Premium- und Luxussegment weiter auszubauen.
Das heißt?
Wir werden sehen, wie sich die Gesamtlage aufgrund des derzeitigen Impffortschritts und der diesjährigen Pandemieentwicklung im Herbst und Winter darstellen wird. Prognosen sind daher zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch zu vage. Wir sind aber guter Hoffnung. Unsere Hygienekonzepte funktionieren und wir sind sehr gut aufgestellt mit einem Plan für die Zukunft – jetzt braucht es eine einheitliche und verbindliche Öffnungsperspektive für den Einzelhandel.

Breuninger: Börsengang kein Thema

München ist nicht nur wegen der Kaufkraft ein interessanter Standort. Mit dem Münchner Traditionshaus Ludwig Beck hätten Sie künftig auch einen börsennotierten Wettbewerber praktisch nebenan. Wäre ein Börsengang für Breuninger mittelfristig ein Thema?
Momentan ist ein Börsengang kein Thema für uns.

*Merkur.de ist Teil von IPPEN.DIGITAL.

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