Brettspiel thematisiert EU-Geldpolitik

„Euro Crisis“: Finanzkrise im Wohnzimmer

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Am Tisch übernehmen die Spieler die Rolle von Banken, um sich möglichst viel Staatseigentum anzueignen.

Syke - Von Marvin Köhnken. In Griechenland steht die konservative Regierung mit dem Rücken zur Wand. Die Akropolis befindet sich seit Kurzem im Besitz zahlungskräftiger Banken – auf den Straßen lassen die Bürger ihrer Wut auf die nationale Politik freien Lauf. Keine guten Aussichten. Es sei denn, man sitzt im Vorstand jener Bank, die sich soeben als neue Eigentümerin des Athener Wahrzeichens hat eintragen lassen.

Im satirischen Brettspiel „Euro Crisis“ ist es die Aufgabe der Spieler, international agierende Banken sicher durch die europäische Finanzkrise zu führen – mit dem Ziel, letztendlich am meisten zwangs-privatisiertes Eigentum zu besitzen.

Als Spekulationsobjekte dienen staatliche Institutionen und Prestige-Gebäude in vier EU-Ländern. Ob nebenbei ganze Staaten in der Pleite versinken oder auf den Straßen das Chaos herrscht – geschenkt. Und auch der Euro als Zahlungsmittel spielt am Ende keine nennenswerte Rolle mehr.

Claudio Bierig (l.) und Nikolai Diekert stellen auf der „Spiel“-Messe in Essen „Euro Crisis“ vor.

Der federführende Autor Nikolai Diekert beschreibt „Euro Crisis“ als ein Spiel, in dem bekannte Elemente aus der europäischen Finanzkrise der vergangenen Jahre und satirische Überspitzung aufeinandertreffen. Frankreich, Spanien, Irland und Griechenland rutschen im Verlauf von drei Jahren in „eine Krise ohne Ende“ – der Eiffelturm, staatliche Gesundheitssysteme und eben die Akropolis sind nur einige der Objekte, die es in das eigene Banken-Portfolio zu überführen gilt.

Auf der Internationalen Spielemesse „Spiel“ haben Diekert und sein vierköpfiges Team ihr Projekt im Oktober erstmals im fertigen Zustand der Brettspiel-Community vorgestellt – rund drei Jahre hat die Entwicklung gedauert.

„Es geht uns nicht darum, die Banken an den Pranger zu stellen. Es ist einfach eine interessante Erfahrung, nach allen Regeln zu spielen, die es gibt. Das machen die Banken meiner Ansicht nach auch nicht anders.“

Zwei Mathematiker, zwei Mediziner und ein Politikwissenschaftler mit einem Ziel: Unter dem Namen Doppeldenk-Spiele haben sich diese Fünf zusammengefunden, nachdem sie über viele Jahre hinweg gemeinsam am Esstisch gewürfelt, geknobelt und Karten geschmissen hatten.

Faszination über Relevanz

So weit, so typisch. Nicht alltäglich ist die Aufmerksamkeit, die das Entwickler-Team mit ihrer Idee generiert hat: Bei der „Spiel“ in Essen stand „Euro Crisis“ bei der Vorstellung der diesjährigen Neuheiten an erster Stelle. Neben vielen anderen Medien haben auch das „Handelsblatt“ und die „Süddeutsche Zeitung“ das Spiel für ihre Leser getestet.

Seine Faszination entwickelt das Brettspiel zur europäischen Finanzkrise über seine Relevanz. Nicht – wie viele andere aktuelle Spieleprojekte – über seine optische Wucht. Das Spiel kommt mit einfachen, aber stimmig gefertigten Materialien aus. Die Anleitung liegt in Deutsch und Englisch vor, das Spielfeld ist in Englisch beschriftet. Dennoch wirkt der Aufbau – in Landesfarben und mit Europa-Illustrationen gestaltet– auch für nur wenig mit der EU vertraute Spielern eingängig und bekannt.

„Wir wollten ein Spiel machen, das es so noch nicht gab“, sagt Diekert. Kein Mittelalter, kein anderes Spiel als Vorbild – die Reaktionen in der Testphase und zum Verkaufsstart gaben dem Team Recht. „Natürlich hoffen wir, dass sich Leute über das Spiel für das Thema zu interessieren beginnen“, sagt Diekert.

www.doppeldenk-spiele.de

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