Bionade-Gründer geben ihr Lebenswerk auf

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Bionade-Fans warfen der Firma den Verrat einer Idee vor.

Ostheim - Einst stand die Öko-Limo Bionade für das Gefühl einer Generation. Selbstsicher, umweltbewusst und hip. Die kleine Unternehmerfamilie aus der Rhön hat damit einen Trend gesetzt. Nun zieht sie sich zurück.

Die Bio-Brause kam aus dem Nichts der fränkischen Provinz. Ganz plötzliche löste die Bionade kurz nach der Jahrtausendwende einen Trend aus. Das Erfrischungsgetränk war das Symbol für urbanen Lebensstil, gepaart mit ökologischem Bewusstsein. Jeder, der hip war oder sich dafür hielt, trank das Kultgetränk. Kritiker lobten das wie Bier gebraute Erfrischungsgetränk in den höchsten Tönen. Das Unternehmen wurde mit Preisen für Design und Unternehmensführung überhäuft. Doch einem Trendsetter folgen auch Nachahmer. Mittlerweile hat sich Bionade in der Masse der Bio-Limos fast verloren.

Um das Unternehmen war es nach der Euphorie um das Jahr 2006 herum deutlich ruhiger geworden. Zuletzt gab es vermehrt Gerüchte um die wirtschaftliche Zukunft. Von der Gründung einer neuen Genossenschaft, die dem Lebensmittelkonzern Oetker die Bionade-Anteile abkaufen will, war die Rede. Ebenso sprachen Medien davon, dass Oetker die Bionade GmbH komplett übernehmen will. Das fränkische Unternehmen kommentierte all diese Spekulationen nicht, gab aber zu verstehen, dass es durchaus Veränderungen geben werde.

Nun ist die Katze aus dem Sack. Die Gründerfamilie zieht sich ganz aus dem Unternehmen zurück. Am Dienstag gab die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger-Gruppe bekannt, dass sie die restlichen 30-Prozent der Kowalsky-Brüder übernommen hat. Über den Kaufpreis wollen beide Seiten nichts sagen. Die Brüder Stephan und Peter Kowalsky teilten mit, dass sie ihre Firma und ihre Mitarbeiter bei Radeberger in soliden Händen wüssten.

Die Geschichte vom Aufstieg und dem zunächst tiefen Fall lässt sich wie folgt skizzieren: 2009 war Oetker bei dem Familienunternehmen eingestiegen. “Wir wollen nicht, dass Bionade so etwas wie eine kleine Szene-Limo in Deutschland bleibt“, begründete Bionade-Geschäftsführer Stephan Kowalsky die Entscheidung damals. Über die Radeberger-Gruppe war Oetker seitdem mit rund 70 Prozent beteiligt.

Bionade-Fans warfen der Firma daraufhin den Verrat einer Idee vor. Kommerz und Bio - das gehe nicht zusammen. “Bionade war einmal der kleine szenige Newcomer und nun ist sie Coca-Cola unter den Bio-Limos geworden“, sagt Trendforscherin Antje Schünemann vom Trendbüro Hamburg dazu. Die Limo habe deshalb stark an Glaubwürdigkeit verloren.

Der Absatz brach ein. 2006 hatte das Unternehmen mit 160 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 14 Millionen Euro eingefahren. 70 Millionen Flaschen wurden damals verkauft. Im Jahr darauf sollten es etwa 200 Millionen Flaschen werden. Seitdem sollen zwei Drittel weniger verkauft worden sein. Aus Branchenkreisen wird das bestätigt, Bionade selbst kommentiert Zahlen dieser Art generell nicht. Auch die Radeberger-Gruppe hält sich bedeckt. Zumindest ist aber die Rede davon, dass es nach einem Absatzknick nun seit April 2011 wieder aufwärts geht. Radeberger sprach kürzlich in dem Zusammenhang auch von einer “kleinen Lernkurve“, die man seit Ende 2009 miteinander gedreht habe.

Ruf ist noch lange nicht ruiniert

Nun legen die Kowalsky-Brüder also Geschäftsführung und ihre Anteile an ihrem Lebenswerk in andere Hände. Die Brüder wollen wieder alte Pfade beschreiten und sich neuen Projekten im Bereich nachhaltige Entwicklung widmen, sagen sie. Die Verantwortung für das Unternehmen aus der Rhön liegt nun beim bisherigen dritten Geschäftsführer Christian Schütz - der war von Oetker zum Finanzchef bestellt worden.

Es ist kein hoffnungsloses Unterfangen. Der gute Ruf der Marke mag angekratzt sein, ruiniert ist er aber noch längst nicht. Erst im Oktober 2011 warb das Reiseunternehmen TUI mit dem Begriff “Bionade“ für neue, naturorientierte Hotels. Auf den umweltbewussten Lifestyle bezogen, sagte TUI Deutschland-Chef Volker Böttcher damals dazu: Damit wolle der Konzern eine Art “Bionade des Reisens“ kreieren.

Für die Trendforscherin Schünemann liegt die Lösung in der Rückbesinnung: “Bionade müsste wieder sein, was sie vorher war. Die Frage ist nur, ob das überhaupt noch möglich ist.“

dpa

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