Bestechungsaffäre: MAN-Manager schmeißt hin

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Der Chef der Sparte Diesel & Turbo, Klaus Stahlmann, legt alle seine Ämter nieder.

München - Ende 2009 hatte eine millionenschwere Schmiergeldaffäre fast die gesamte MAN-Führungsspitze von Bord gefegt. Nun verliert der Maschinenbaukonzern überraschend einen weiteren Manager wegen des Verdachts der Bestechung.

Wieder Bestechungsvorwürfe bei MAN: Der Lastwagen- und Motorenhersteller verliert überraschend einen weiteren Top-Manager wegen Korruptionsverdacht. Der Chef der Sparte Diesel & Turbo, Klaus Stahlmann, legte am Dienstag alle seine Ämter nieder, wie MAN in München mitteilte.

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen den 50-Jährigen wegen des Verdachts der Bestechung. Stahlmann sei Beschuldigter in einem Verfahren. Einzelheiten wollte ein Behördensprecher nicht nennen. Das Unternehmen machte zu den Gründen für den unerwarteten Abgang Stahlmanns selbst keine Angaben. Insgesamt laufen die Verfahren rund um den Schmiergeldkomplex bei MAN seit knapp zwei Jahren. Der Konzern war im Mai 2009 ins Blickfeld der Staatsanwaltschaft geraten. Ende des Jahres musste wegen der Affäre fast die gesamte Konzernspitze gehen. MAN zahlte später ein Bußgeld von rund 150 Millionen Euro.

Unter anderem sollen im Lkw-Geschäft Verkäufer Geld an Mitarbeiter von MAN-Kunden gezahlt haben, um den Verkauf anzukurbeln. Nach einem ersten Prozess im Sommer 2010 ermittelt die Staatsanwaltschaft weiter gegen ehemalige Top-Manager. Gerüchten zufolge dürfte es sich bei Stahlmann um einen Altfall handeln, der erst vor kurzem zutage gefördert wurde. Als Reaktion auf die Schmiergeldaffäre hatte MAN die interne Korruptionsbekämpfung deutlich verstärkt und einen eigenen Compliance-Officer berufen.

Stahlmann, der auch Mitglied im Konzernvorstand war, stand seit März 2010 an der Spitze der aus den Sparten Diesel und Turbo gebildeten Augsburger MAN-Tochter, wo er die Nachfolge von Georg Pachta-Reyhofen antrat. Pachta-Reyhofen war nach dem Rücktritt von Konzernchef Håkan Samuelsson wegen der Schmiergeldaffäre Konzernchef geworden. Vor seinem Wechsel an die Spitze von Diesel & Turbo war Stahlmann seit 2007 Chef der Turbo-Sparte und dort Nachfolger von Heinz Jürgen M. geworden. M. war 2007 in den Ruhestand gegangen, zwei Jahre später aber wegen des Schmiergeldskandals kurzzeitig in U-Haft gekommen.

Im Sommer 2010 wurde er nach einem Geständnis zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. M. hatte für MAN einen Großauftrag in Kasachstan an Land ziehen wollen und soll dafür unter anderem die Zahlung von rund neun Millionen Euro veranlasst haben, um an den Auftrag zu kommen. Von Samuelsson verlangt MAN mittlerweile Schadenersatz in Millionenhöhe.

MAN hatte sich solche Forderungen stets offen gehalten und auf der Hauptversammlung 2010 die Entlastung der früheren Vorstände vertagt. Betroffen sind davon neben Samuelsson auch Ex-Finanzvorstand Karlheinz Hornung und der ehemalige Leiter der Nutzfahrzeugsparte, Anton Weinmann. Die Sparte Diesel & Turbo baut unter anderem Großdieselmotoren für Schiffe sowie Turbomaschinen und Motoren für Kraftwerke und erzielte mit 3,8 Milliarden Euro 2009 rund ein Drittel des Konzernumsatzes. Bis ein Nachfolger für Stahlmann gefunden ist, übernehme der dienstälteste Vorstand, Hans-O. Jeske, die Aufgaben des Vorstandssprechers, wie MAN weiter mitteilte.

Der Konzern hatte am Dienstag angekündigt, die Vorlage der Jahreszahlen 2010 und seine Hauptversammlung zu verschieben, weil der Beschluss über die Bilanz noch nicht gefallen sei. Eine Begründung für den Schritt gab MAN nicht bekannt. Aus Industriekreisen verlautete allerdings, die Verschiebung könnte mit einer möglichen Einigung bei der früheren MAN-Tochter Ferrostaal zusammenhängen.

MAN hatte die Mehrheit an dem mittlerweile auch von einem Schmiergeldskandal erschütterten Industriedienstleister an den Staatsfonds IPIC von Abu Dhabi verkauft, bevor die Vorwürfe bei Ferrostaal bekannt wurden. Der Golf-Staat weigerte sich daraufhin, die restlichen 30 Prozent von MAN zu übernehmen und forderte eine Ausgleichszahlung. Auch eine Rückabwicklung war bereits im Gespräch.

dpa

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