Finanzlast verteilen

BER setzt beim Ausbau auf private Hilfe

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BER-Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup. Foto: Sophia Kembowski

Die Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft kann zwar Flughäfen betreiben, als Bauherr aber ist sie glücklos. Nicht nur deshalb ändert sie für die Zeit nach der BER-Eröffnung ihre Strategie.

Schönefeld (dpa) - Die Betreiber des neuen Hauptstadtflughafens BER wollen sich beim künftigen Ausbau privat unterstützen lassen. Das geplante Terminal 2 soll nach der geplanten Eröffnung des Flughafens 2020 als Mietkauf- oder Leasingobjekt gebaut werden.

Das sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup im noch unfertigen Terminal 1. "Das ist keine Privatisierung. Aber es würde die Finanzlast ein Stück weit in die Zukunft transferieren." Das Unternehmen reagiert damit darauf, dass die öffentliche Hand möglichst kein Geld in den Ausbau des Flughafens stecken will.

Terminal 2 soll im nächsten Jahrzehnt gegenüber dem ersten Abfertigungsgebäude entstehen, dafür wird eine eigene Projektgesellschaft gegründet. Der Finanzrahmen für den BER sieht bis 2020 rund 6,5 Milliarden Euro vor. Nach dem neuen Businessplan braucht das Unternehmen danach aber 770 Millionen Euro zusätzlich. Dieser Betrag sinke durch Mietkauf oder Leasing des neuen Terminals um 220 bis 270 Millionen Euro. 

Bei Mietkauf-Modellen können gemietete Objekte innerhalb einer bestimmten Frist und zu einem vorher vereinbarten Preis gekauft werden. Lütke Daldrup sagte, auf lange Sicht werde das neue Terminal damit zwar etwa 100 Millionen Euro teurer - aber das Geld müsse nicht jetzt von der öffentlichen Hand aufgebracht werden, sondern nach 2025 durch die Flughafengesellschaft. Sie sei dann wieder flüssig.

Um den Mehrbedarf zu decken, könnte das Unternehmen 400 Millionen am Kapitalmarkt selbst aufbringen. Die Flughafengesellschafter - die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund - würden für 80 Prozent der Summe bürgen, hieß es. In den vorherigen Finanzierungsrunden hatte die öffentliche Hand noch zugesagt, vollständig dafür gerade zu stehen, sollte der Flughafen Kredite nicht tilgen könne.

Der neue Flughafen soll nach dem neuesten Zeitplan vom Dezember im Oktober 2020 an den Start gehen - mit dann neun Jahren Verspätung. Baumängel, Planungsfehler und Technikprobleme ließen zahlreiche Eröffnungstermine Makulatur werden.

Lütke Daldrup sagte: "Wir haben uns dieses Mal vorgenommen, den Termin auch wirklich einzuhalten." Die Bauarbeiten sollten in diesem Jahr abgeschlossen werden. Einzelne Prüfungen zögen sich bis ins erste Quartal 2019.

Im vergangenen Jahr war das Projekt wieder in Verzug geraten, weil sich Brandschutztüren nicht vollständig elektronisch steuern ließen und in einem Teil der Sprinklerleitungen der Wasserdruck zu gering war. Die Türen seien nun nahezu fertig, auch die hydraulischen Berechnungen für die Sprinkler seien abgeschlossen, sagte Lütke Daldrup. Bis Mai würden betroffene Leitungen noch umgebaut.

Trotz der langen Verzögerung werden zum Start nicht alle Anwohner Schallschutzfenster haben. "Ich fürchte, dass der bauliche Schallschutz bis zum Oktober 2020 nicht komplett abgearbeitet ist", sagte der neue Vorsitzende der Fluglärmkommission, der Großbeerener Bürgermeister Carl Ahlgrimm, nach einer Sitzung der Anrainer-Vertretung.

Ein Teil der Anwohner beantragt demnach keinen Schallschutz, etwa weil sie keine Bauarbeiten wollen oder auf bessere Leistungen in der Zukunft hoffen. Andere gäben die finanzielle Entschädigung für anderes aus - von der Weltreise bis zum Auto. Bis Dezember hatten 92 Prozent der berechtigten Anwohner Schallschutzanträge gestellt.

Flughafen Pressemitteilungen

Sachstand Schallschutz Januar 2018 (pdf)

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